Die Bilanz des zu Ende gehenden Jahres fällt mehrdimensional aus. Wertschöpfung im Automotive-Markt wandert aus Deutschland ab, der Kfz-Servicebedarf aber wird auch in den nächsten Jahren hoch sein. Die Individualmobilität bleibt eine Konstante, das Auto ist auch mit neuen Antriebsarten eine Attraktion. Das Service- und Reifengeschäft sicherte in 2025 Erträge, der Gebrauchtwagenmarkt blieb stabil auf hohem Niveau. Trotz weiterhin hoher Neuwagenpreise fiel der Anstieg der Besitzumschreibungen laut ZDK aufgrund gesunkener Zinsen moderat aus (+0,2 Prozent), bis Jahresende erwartet der Branchenverband rund 6,5 Millionen Halterwechsel. Und auch 2026 dürfte dieses Niveau anhalten. Für die Serviceebene ergeben sich auch mit zunehmendem Aufkommen der Elektromobilität gute Perspektiven, auf Zuliefererseite aber sind alle Unternehmen unter enormem Transformationsdruck. Unabhängig davon, ob der Produktionsstandort Deutschland noch eine Zukunft hat, zwingen neue Player im Markt die Etablierten zu maximalen Anpassungsleistungen. Dass dabei aber nicht die Innovationskraft verloren geht, ist eine der Kernherausforderungen.
Welche strategischen Neujustierungen beispielsweise der künftig reine Reifenhersteller Continental vornimmt, beleuchten wir im Commercial-Spezial der Print-Ausgabe (12/25). In unserer Handelsrubrik blicken wir auf die diesjährige GVA-Mitgliederversammlung und die Situation im Teilehandel. Auch im Reifengroßhandel verändert sich das Geschäft, weitere Konsolidierungsbewegungen und Übernahmen stehen bevor. Auch hierzu findet Ihr in der Dezember-Ausgabe einen Vorausblick. Das Messegeschäft war 2025 im Automotive-Bereich aus Redaktionssicht nicht gerade ein Feuerwerk der Impulskraft – vieles was ausgestellt wurde, kannten wir bereits. Mit einer gut besuchten Essen Motor Show schloss das Jahr zumindest versöhnlich. Lest unsere Berichterstattung mit vielen Impressionen.
Eine großes Thema innerhalb der Reifenbranche war im Jahr 2025 die EU‑Entwaldungsverordnung (EUDR), die eine große Herausforderung für Unternehmen mit internationalen Lieferketten ist. Der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) bezeichnet es als nicht zufriedenstellend, dass die EU-Kommission die letzten 12 Monate nicht genutzt habe, Antworten auf die Forderungen der Unternehmen nach Minimierung der bürokratischen Belastungen durch die EUDR zu geben. Der Branchenverband erhofft sich durch die erneute zwölfmonatige Verschiebung inhaltliche Anpassungen. Ebenfalls näher rückt eine verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung, was Unternehmen zu einer systematischen Erfassung von Umwelt- und Sozialkennzahlen zwingt. Hierzu fordert der BRV, dass die primär handwerklich geprägten Unternehmen nicht mit “weiteren Bürokratiemonstern überzogen werden”. Es solle ein verbindlicher Standard (VSME) für KMU-Betriebe gesetzlich festgeschrieben werden.
Die Reifenbranche ist überdies von der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (Ecodesign for Sustainable Products Regulation) betroffen. Im Rahmen der ESPR gilt für verschiedene Produkte die Vorgabe, einen „Digitalen Produktpass“ zur Verfügung zu stellen. Dieser gibt Informationen für mögliche Eigenschaften, Anwendung, Gefährdungen, Inhaltsstoffe sowie Recycling- respektive Entsorgungsmöglichkeiten des Produktes und ist ab 2027 auch für Reifen vorgesehen. Große Verunsicherungen bei den politischen Rahmenbedingungen gab es laut den BRV-Verantwortlichen auch hinsichtlich des Förderprogramms „Umweltschutz und Sicherheit"(ehemals De-Minimis). Nach den Neuwahlen 2024, der Koalitionsbildung und den Diskussionen über den Haushalt startete das Förderprogramm erst Anfang August. Die Verspätung des Förderprogramms habe die Saisonalität im Nutzfahrzeugreifen-Segment komplett über den Haufen geworfen.
Im Consumer-Bereich sieht es absatztechnisch gesehen nach Angaben des BRV „ebenfalls nicht rosig aus”. Die Vorjahresstückzahlen seien kaum zu realisieren. Eine eindeutige Tendenz ist weiterhin im Produktsegment Ganzjahresreifen zu erkennen: Dieses legte erneut im mittleren einstelligen Bereich zu. Trotz der insgesamt „nicht gerade euphorisch stimmenden Entwicklung bei den Absatzvolumen” zeige sich die wirtschaftliche Lage der Branche aber stabil bis positiv. Das letzte BRV-Branchenbarometer von Q4/2025 belegt, dass sich die Erwartungen in Bezug auf Rohertrag und Gewinn nicht verschlechtert haben.
Ja, 2026 wird ein Jahr der Fokussierung – so ist es von unterschiedlichen Stimmen der Branche zu hören. Auch wir von Automotive Insights schärfen die Formate unserer Medienkanäle. Der Dialog und die Einordnung bleibt unser Auftrag – das Angebot ganzheitlich ausgerichtet: Online First, mit einem 20.000-Empfänger starken Newsletter, mit unveränderter Print-Auflage von 17.000 Exemplaren sowie wöchentlichen Podcast-Episoden senden wir je nach Medien-Bedürfnis in den Markt. Das Team – bestehend aus Insa, Lisa, Sixto, Marian, Susann, Daniel und mir – bedankt sich für den Zuspruch und die ehrliche Resonanz in 2025. Bleibt uns wohlgesonnen und besucht uns auf The Tire Cologne 2026!
Schöne Festtage und viel Freude beim Lesen/Hören unserer Formate!