Wie die jüngste Analyse von Tyres Europe zeigt, knüpfen die einzelnen Produktgruppen mit ihrer Entwicklung mehrheitlich an die Tendenzen des ersten Quartals 2026 an. Rund 52 Millionen abgesetzte Consumer-Reifen in den Monaten April bis Juni bedeuten gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von 3 Prozent. Wie zu Jahresbeginn bilden dabei Allwetterreifen das einzige Wachstumssegment, wobei das Plus mit 15 Prozent noch einmal kräftiger ausfällt. Sommerprofile verlieren in diesem Zuge weitere Marktanteile und liegen nach einem zweiprozentigen Minus im zweiten Quartal zur Jahresmitte etwa 1 Prozent unterhalb des Vorjahresniveaus. Winterreifen wiederum gaben im Quartal um 1 Prozent nach und im ersten Halbjahr insgesamt um 5 Prozent. Beeinflusst wurde das Marktgeschehen Verbandsangaben zufolge insbesondere durch die höheren Kraftstoffpreise, die sich in einer geringeren Fahrleistung niederschlugen.
Ein starkes zweites Quartal erlebten Lkw- und Busreifen, deren Absatzvolumen im Ersatzmarkt um 13 Prozent auf etwa 2,7 Millionen Einheiten anstieg. Nach sechs Monaten steht für die Produktgattung somit ein Plus von 7 Prozent zu Buche. Tyres Europe führt das unter anderem auf ein stabiles Geschäftsklima zurück, das sich trotz geopolitischer Spannungen und des anhaltenden Nahost-Konflikts als robust erwies. Ebenfalls zulegen konnten Motorrad- und Rollerreifen (Q2: +1 Prozent/H1: +4 Prozent), während sich der Nachfragerückgang bei Landwirtschaftsreifen zur Jahresmitte etwas verlangsamte (Q2: -7 Prozent/H1: -10 Prozent).
Auswirkungen der Antidumping-Zölle auf Importe
Bei den von Tyres Europe ermittelten Importen machten sich erneut die Anfang Juli final festgesetzten Antidumping-Zölle auf Reifen aus China bemerkbar. „Aus Angst vor einer rückwirkenden Erhebung von Zöllen bauten die Importeure in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 Lagerbestände auf, wobei auf China zu diesem Zeitpunkt 70 Prozent der EU-Importe entfielen. Als diese Lagerbestände abgebaut wurden, gingen die chinesischen Importmengen im ersten Quartal 2026 um 57 Prozent zurück, wodurch sich der Anteil Chinas auf 42 Prozent verringerte. In den ersten beiden Monaten des zweiten Quartals blieben die Mengen dann unverändert, sodass der Anteil von Januar bis Mai bei 51 Prozent lag”, heißt es seitens des Verbands. Im Vereinigten Königreich, das nach dem Brexit nicht mehr unter die Zollregelung fällt, liegt der Anteil von aus China importierten Reifen hingegen unverändert bei rund 75 Prozent. Unterdessen stiegen die Einfuhren aus anderen Quellen in die EU in beiden Quartalen um rund 40 Prozent, konnten dem Vernehmen nach den Rückgang aus China jedoch nicht vollständig ausgleichen. Bis Ende Mai lag das Importvolumen somit um knapp 11 Prozent unter dem Vorjahresniveau.