Frank Schwarzhans von Sekurit Service im Gespräch

„Autoglas entwickelt sich immer stärker zu einem aktiven Funktionsträger im Fahrzeug”

Frank Schwarzhans ist Leiter Vertrieb Deutschland Innen- und Außendienst von Sekurit Service Deutschland.Frank Schwarzhans ist Leiter Vertrieb Deutschland Innen- und Außendienst von Sekurit Service Deutschland.  Foto: Saint-Gobain/Sekurit 

Herr Schwarzhans, verschiedene Analysen prognostizieren für den Autoglas-Markt mittelfristig ein deutliches Wachstum. Wie sieht Ihre diesbezügliche Einschätzung insbesondere für den Aftermarket aus und wie können freie Werkstätten von dieser Entwicklung profitieren?

Frank Schwarzhans: Unsere Einschätzung deckt sich mit den aktuellen Marktanalysen. Der Autoglas-Markt wird in den kommenden Jahren im Umsatzvolumen weiterwachsen und der Independent Aftermarket spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Rahmenbedingungen entwickeln sich gut: Der Pkw-Fahrzeugbestand wächst leicht und wird immer älter. Er liegt momentan bei einem Durchschnittsalter von 11 Jahren. Die Gesamtfahrleistung der Pkw stabilisiert sich langsam, liegt jedoch noch unter dem Niveau von 2019, also vor der Corona-Pandemie. Der teilweise schlechte Straßenzustand, ein kälterer Winter 2025/26, Naturgefahren-Ereignisse, insbesondere Hagelschäden, und die weiterhin sehr hohe Versicherungsabdeckung durch Voll- und Teilkaskoversicherung wirken sich förderlich auf das Schadengeschehen aus. Wichtige Treiber für höhere durchschnittliche Reparaturkosten pro Glasschaden sind neben der hohen Inflation in den letzten Jahren und den damit verbundenen höheren Arbeits- und Ersatzteilkosten, größere und komplexere Glasflächen und die zunehmende Verbreitung von Fahrerassistenzsystemen, bei denen die Frontscheibe eine sicherheitsrelevante Schlüsselkomponente ist.

Werkstätten und Servicebetriebe unterstützen Sie unter anderem mit dem Sekurit-Partner-Netzwerk. Was beinhaltet das Konzept und wie viele Partner gibt es aktuell?

Frank Schwarzhans: Mit dem Sekurit-Partner-Netzwerk unterstützen wir Werkstätten gezielt beim Aufbau und der Weiterentwicklung ihres Autoglasgeschäfts – insbesondere jene, die eine Spezialisierung in diesem Bereich anstreben. Das Konzept umfasst weit mehr als die reine Produktversorgung: Unsere Partner profitieren von Originalersatzgläsern nach GVO, zuverlässigen 24h-Logistiklösungen, Audits und technischen Schulungen – insbesondere im Bereich moderner Fahrerassistenzsysteme – sowie praxisnaher Unterstützung im Werkstattalltag. Ergänzt wird dies durch Marketing- und Kommunikationsangebote, digitale Lösungen und Konzepte zur Kundenbindung, die eine klare Positionierung im Markt ermöglichen. Aktuell zählen rund 160 Werkstätten und Servicebetriebe zum Sekurit-Partner-Netzwerk – und die Zahl wächst kontinuierlich.

Autogals-Service
Ein fachgerechter Scheibentausch erfordert laut Frank Schwarzhans neben höchster Präzision bei Montage und Verklebung zunehmend auch technische und digitale Kompetenzen. Foto: romaset – stock.adobe.com

Auch im Autoglas-Geschäft werden Prozesse zunehmend digitaler. Mit welchen Tools und Lösungen arbeiten Sie hier?

Frank Schwarzhans: Die digitale Prozesskette gewinnt im Autoglas-Geschäft deutlich an Bedeutung – insbesondere bei der Dokumentation der Arbeiten und der Abrechnung mit Versicherungen und Schadensteuerern. Entsprechend unterstützen wir unsere Partnerwerkstätten mit unserer eigenen AS-Wegas-Autoglas-Software. AS-Wegas ermöglicht es, Rechnungen schnell und zuverlässig nach aktuellen Herstellervorgaben zu erstellen und digital an Versicherungen zu übermitteln – ohne aufwendige Installation und von jedem internetfähigen Arbeitsplatz aus. Bei der Kalkulation werden Arbeitszeiten und Ersatzteile automatisch berücksichtigt; ergänzend stehen Detailaufnahmen zu Scheiben, Sensoren und Halterungen sowie über 1.200 Montagefilme zur Verfügung. Ziel ist es, Prozesse zu vereinfachen und den administrativen Aufwand für Werkstätten deutlich zu reduzieren.

Wie ist Sekurit im Nfz-Geschäft aufgestellt? Und inwiefern unterscheiden sich die Herausforderungen hierbei gegenüber Pkw?

Frank Schwarzhans: Sekurit Service ist auch im Nutzfahrzeuggeschäft gut aufgestellt. Wir bieten ein umfassendes Sortiment an Verglasungslösungen für Transporter, Lkw und Busse – ergänzt durch passende Services, Logistik und technische Unterstützung. Ziel ist es, Werkstätten und Servicebetriebe auch im Nfz-Segment zuverlässig bei Reparatur und Austausch von Autoglas zu unterstützen. Die Herausforderungen unterscheiden sich dabei deutlich vom Pkw-Bereich. Nutzfahrzeuge stehen häufig unter hohem Einsatzdruck, Stillstandzeiten müssen so kurz wie möglich gehalten werden. Zudem sind Scheiben im Nfz-Bereich oft größer, schwerer und fahrzeugspezifischer, was besondere Anforderungen an Handling, Montage und Logistik stellt. Gleichzeitig spielt Wirtschaftlichkeit eine noch stärkere Rolle, da Ausfallzeiten direkt kostenrelevant sind. Genau hier setzen wir mit passgenauen Produktlösungen, Verfügbarkeit und praxisnaher Unterstützung an.

Unabhängig von der Fahrzeugart spielen beim Thema Autoglas Schulungen und Weiterbildungen eine große Rolle. Wie positioniert sich die Sekurit Academy hier und welche Schwerpunkte setzen die dortigen Trainings?

Frank Schwarzhans: Schulungen und kontinuierliche Weiterbildung sind im Autoglas-Geschäft heute unverzichtbar – sowohl im Pkw- als auch im Nutzfahrzeugbereich. Mit der Sekurit Academy bieten wir unseren Sekurit-Partnern ein gezielt aufgebautes Trainingskonzept, das technische Kompetenz, Qualität und operative Exzellenz in den Mittelpunkt stellt. Die Trainingsschwerpunkte liegen vor allem auf dem fachgerechten Scheibentausch nach Herstellervorgaben, der Kalibrierung moderner Fahrerassistenzsysteme (ADAS) sowie auf aktuellen Technologien rund um Sensorik, Kameras und intelligente Verglasungen. Ergänzt wird das Angebot durch praxisnahe Module zu Arbeitssicherheit, Qualitätssicherung und effizientem Werkstattprozess. Ziel der Sekurit Academy ist es, Werkstätten auf dem neuesten Stand der Technik zu halten und sie nachhaltig dabei zu unterstützen, auch komplexe Autoglasarbeiten sicher, regelkonform und wirtschaftlich umzusetzen.

Smart-Glass-Lösungen wie Head-up-Displays verbreiten sich zunehmend und verändern damit auch die Anforderungen im Autoglasgeschäft.
Smart-Glass-Lösungen wie Head-up-Displays verbreiten sich zunehmend und verändern damit auch die Anforderungen im Autoglasgeschäft. Foto: Gorodenkoff – stock.adobe.com

Sekurit hat im Herbst vergangenen Jahres eine Zusammenarbeit mit Würth gestartet. Wie ist diese angelaufen und welche Aspekte stehen dabei im Mittelpunkt?

Frank Schwarzhans: In der Tat startete Würth Ende letzten Jahres erfolgreich ein neues Glaskonzept für Kfz-Werkstätten. Dieses Konzept hat verschiedene Säulen zur Unterstützung der Betriebe beim Aufbau eines strukturierten und professionellen Autoglasgeschäfts und beinhaltet auch Werkzeuge, Schulungen und Zertifizierungen. Würth bringt hier seine hohe Marktreichweite, Werkstattnähe und Systemkompetenz ein. Wir freuen uns, dass Würth unsere Abrechnungs- und Kalkulationssoftware AS-Wegas für die digitale Schadens- und Versicherungsabwicklung innerhalb des Glaskonzepts nutzt. So stellt Würth sicher, dass die angeschlossenen Werkstätten nicht nur technisch auf dem neuesten Stand arbeiten, sondern auch prozessual und administrativ optimal aufgestellt sind. Besonderen Wert legt Würth auf eine originalnahe Verglasungslösung für ihre Konzeptpartner und hat sich daher für den Einkauf von Originalersatzgläsern nach GVO von Sekurit entschieden. Dabei spielt auch unser Ansatz in Sachen Nachhaltigkeit, wie unser Recycling-Projekt „Sekurit Circular“ oder unsere „Made in Europe“-Kampagne, eine große Rolle.

Wie Sie bereits angesprochen haben, ist Altglasrecycling ebenfalls ein Baustein der Vereinbarung. Sekurit ist in diesem Bereich schon seit einiger Zeit verstärkt aktiv. Welche Maßnahmen umfasst der diesbezügliche Ansatz und wie werden die entsprechenden Services von Werkstätten angenommen?

Frank Schwarzhans: Altglasrecycling ist ein zentraler Bestandteil unseres Nachhaltigkeitskonzepts und wird mit Sekurit Circular konsequent umgesetzt. Ziel ist es, ausgediente Fahrzeugverglasungen wieder in den Wertstoffkreislauf zurückzuführen und daraus neues Autoglas herzustellen. Über flexible Rücknahmekonzepte – von der Abholung über Containerlösungen bis hin zur kostenlosen Abgabe an unseren Standorten Kerpen, Irxleben, Bruchsal und Rohrbach – bieten wir Werkstätten eine einfache und praktikable Lösung zur Entsorgung von Autoglas. Das Konzept wird von den Werkstätten sehr gut angenommen. Das Altglas wird gezielt aufbereitet und der Flachglasproduktion zugeführt. So gehen wir deutlich über klassische Entsorgungswege hinaus und schaffen eine transparente, hochwertige Kreislaufwirtschaft mit messbarem ökologischem Mehrwert.

Wie beurteilen Sie abschließend die Potenziale im Bereich „Smart Glass“, also Autoglas mit speziellen Eigenschaften? Und wird der ohnehin bereits komplexe Scheibentausch bei modernen Fahrzeugen dadurch nochmals anspruchsvoller?

Frank Schwarzhans: Der Bereich Smart Glass bietet enormes Zukunftspotenzial und wird die Fahrzeugverglasung in den kommenden Jahren weiter stark prägen. Lösungen für thermische Effizienz, etwa durch infrarotreflektierende beschichtete Gläser, leisten einen wichtigen Beitrag zur Energieeinsparung – insbesondere bei Elektrofahrzeugen. Funktionen wie adaptive Lichtsteuerung, schaltbare Verglasungen oder Head-up-Displays steigern zudem Komfort, Sicherheit und Fahrerlebnis deutlich. Autoglas entwickelt sich damit noch stärker zu einem aktiven Funktionsträger im Fahrzeug.

Gleichzeitig steigt dadurch die Komplexität beim Scheibentausch weiter an. Moderne Frontscheiben sind heute eng mit Kameras, Sensorik, Heiz- und Displayelementen vernetzt und übernehmen sicherheitsrelevante Aufgaben. Ein fachgerechter Austausch erfordert deshalb nicht nur höchste Präzision bei Montage und Verklebung, sondern auch ein tiefes Verständnis für Fahrzeugtechnik, Herstellervorgaben und die korrekte Kalibrierung der verbauten Systeme. Für Werkstätten bedeutet das: Smart-Glass-Lösungen sind wirtschaftlich äußerst attraktiv, setzen aber konsequent auf Qualität, Schulung und Prozesssicherheit. Genau hier sehen wir unsere Rolle – mit Erstausrüsterkompetenz, praxisnahen Trainings und technischen Services dafür zu sorgen, dass Betriebe diese anspruchsvollen Technologien sicher und erfolgreich in ihr Leistungsspektrum integrieren können.

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