Es sind Zeiten massiver wirtschaftlicher Umbrüche und geopolitischer Spannungen. Auch Deutschland wurde in letzter Zeit nicht mit positiven Nachrichten verwöhnt. Entsprechend verhalten eröffnete Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, die Fachpressekonferenz zur bevorstehenden Automechanika: „Die Komplexität an Herausforderungen, die parallel auf uns eintreffen, war noch nie so groß, wie zum jetzigen Zeitpunkt.“ Trotzdem wachse der globale Automotive-Markt weiter; so auch im Jahr 2026. Denn Fahrzeuge bleiben länger im Einsatz und Themen wie Wartung, Modernisierung oder auch Reparatur gewinnen weiter an Bedeutung. Gleichzeitig verändert Technologie die Wertschöpfungsketten in der Automobilbranche und im Aftermarket. Davon profitiert auch die Automechanika, nicht zuletzt dank inhaltlicher Fokussierung. Und so konstatierte Braun dennoch sichtlich zufrieden: „Die Hütte ist voll. Wir sind komplett ausgebucht.“ Zwischen 4.400 und 4.500 Aussteller aus über 80 Ländern erwarten die Verantwortlichen auf dem Messegelände: „Zulieferer, Handel, Werkstätten – alle werden vor Ort sein.“ Und auch in Sachen Themenspektrum zeigte Braun sich begeistert: „Die Automechanika wird ein Programm präsentieren, das vom Umfang und auch vom Inhalt seines gleichen sucht und noch nie so stark war, wie in diesem Jahr.“
Thematische Vielfalt rund um Software-Defined Vehicles und KI
Euphorisch zeigte sich Michael Johannes, Brand Manager der Automechanika. Er erwartet „die beste Automechanika aller Zeiten.“ Dafür haben die Verantwortlichen das thematische Spektrum der diesjährigen Messeausgabe entsprechend ausgelegt: Innovation, Transformation, Aus- und Weiterbildung und Recruiting, Künstliche Intelligenz (KI), Technologie, Robotik; zeitgenössische Schlagworte, dafür aber gewichtige. Entsprechend räumt man der Entwicklung rund um Software-Defined Vehicles, autonomes Fahren und digitale Services mit dem neuen Forum „HighTech4Mobility“ besonders viel Raum ein.
Das Spektrum reicht von Software-Defined Vehicles (SDV), Advanced Driver Assistance Systems (ADAS) und autonomem Fahren bis hin zu Cybersecurity, Daten- und Energiemanagement sowie digitalen Services. „Alle hier im Raum wissen, dass Software-Defined Vehicles keine Science Fiction mehr sind. Die Fahrzeuge sind jetzt schon auf den Straßen und entwickeln sich immer schneller“, gibt Olaf Mußhoff, Director Automechanika Frankfurt, zu bedenken. „Wir wollen diskutieren: Was gibt es an intelligenten Assistenzsystemen? Wie funktioniert Digitalisierung im Fahrzeug?“ Um Themen rund um KI ausführlich zu erörtern, hat man sich gleich mehrere Branchengrößen eingeladen: Google Cloud und die Boston Consulting Group diskutieren, wie KI neue Wertschöpfungspotenziale im Aftermarket erschließen kann, und gemeinsam mit dem IBM Institute for Business Value präsentiert die Automechanika die Ergebnisse der Studie „AI in Motion – Reinventing Automotive Aftersales“. Wie KI zudem die Schadenregulierung verändert und welche Auswirkungen Marktkonsolidierung, Fachkräftemangel und steigende Investitionskosten auf das Unfallreparaturgeschäft haben, soll an anderer Stelle besprochen werden.
Dass die Automechanika als Innovationsplattform für den Automotive Aftermarket gilt, sehen die Veranstalter zudem durch die abermalige „Rekordbeteiligung“ bei den Innovation Awards bestätigt. Dieses Jahr kam das Format den Veranstaltern zufolge auf 185 Einreichungen – 2024 waren es noch 153. Spitzenreiter ist die Kategorie Smart Workshop & Service Solutions, auf die mit knapp 30 Prozent die meisten eingereichten Produkte entfallen, gefolgt von AI Solutions & Digitalisation.
BMW und Stellantis mit Präsenz auf der Automechanika
Auch der markengebundene Aftermarket ist in diesem Jahr wieder stärker vertreten – nicht zuletzt dank der Unterstützung des Branchenverbands VDIK. „Das ist die grundsätzliche Idee: mit dem VDIK zusammen Automobilhersteller anzusprechen, um den markengebundenen Aftermarket auf einer Automechanika sichtbar zu machen“, erklärte Mußhoff und führte weiter aus: „Wir glauben, dass wir spätestens im Jahr 2028 viele der Importeure wieder auf der Messe sehen werden.“ Für dieses Jahr haben die Verantwortlichen gleich zwei Automobilhersteller für sich gewinnen können: BMW präsentiert in der Halle 8 Aftersales-Lösungen entlang der gesamten Schaden- und Servicekette, unter anderem mit Remanufacturing. Auch Stellantis ist vor Ort und zeigt eine Produktpalette entlang des gesamten Fahrzeug-Lebenszyklus.
Doch welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit im diesjährigen Konzept? 2024 nahm das Thema mit dem „Sustainability Court“ noch zentralen Raum ein. Das ändert sich dieses Mal, da es den Messemachern zufolge ein Bestandteil des normalen Geschäfts geworden ist: „Das Thema Nachhaltigkeit ist so normal relevant geworden, dass es im Programm seine Sichtbarkeit hat, aber keine Notwendigkeit besteht, es groß hervorzuheben“, so Mußhoff. Michael Johannes ergänzte, dass die Automechanika es „in der DNA“ besitze, „das Thema Nachhaltigkeit weiter zu bespielen.“
Emotionaler Mehrwert für Besucherinnen und Besucher
Die Automotive-Branche steht noch vor einer weiteren Herausforderung: junge Talente für sich zu gewinnen. Daher haben sich die Veranstalter dieses Jahr dazu entschlossen, das Format Ambition, das sich spezifisch an die Generationen Z und Alpha richtet, in eine der aufmerksamkeitsstärksten Locations der Messe zu verlegen. An zahlreichen Infoständen sollen die Fachkräfte von morgen Innovationen, Technologien und Karrieremöglichkeiten der Branche hautnah erleben können. Zeitgleich sollen Arbeitgeber die Chance nutzen, potenzielle Arbeitskräfte für sich zu gewinnen. Neben der Jugendförderung setzt die Messe in diesem Jahr auch verstärkt auf Publikumsmagnete und ergänzt damit das Messegeschäft gezielt um Erlebnis- und Dialogformate: So wurde beispielsweise das Angebot für klassische Fahrzeuge im eigenen Classic-Areal ausgebaut. Außerdem wird die 10. Deutsche Poliermeisterschaft vor Ort auf der Automechanika Frankfurt stattfinden, ebenso wie das deutsche Finale der European Mobile Media Association, das sich besonders an Fans von Car Audio und Fahrzeug-Infotainment richtet. „Heutzutage müssen wir dafür Sorge tragen, dass eine B2B-Veranstaltung einen emotionalen Mehrwert bietet“, erläutert Brand Manager Michael Johannes.
Mit dem diesjährigen Messeprogramm liegt die Automechanika am Puls der Zeit: „Technologien, Geschäftsmodelle und Märkte verändern sich“, so Detlef Braun. Inmitten dieses Wandels werde die Messe im September „zum weltweiten Zentrum des automobilen Aftermarkets“. International will man unterdessen weiter wachsen: Im September 2026 steht bereits die Premiere der Automechanika in Jakarta (Indonesien) bevor. Über 350 Aussteller werden den Veranstaltern zufolge erstmalig auf dem Messegelände ihre Produkte und Lösungen präsentieren. „Die Automechanika ist längst mehr als eine Messe, sie ist Teil der internationalen Infrastruktur des globalen Marktes“, resümierte der Geschäftsführer.