Leistungssteigerungen, Fahrwerk-Adaptionen und optische Modifikationen – nicht selten alles in Kombination – sind die häufigsten in Essen anzutreffenden Umbaumaßnahmen. Gewohnt stark vertreten waren daher diejenigen Akteure, die mit entsprechenden Kompetenzen und vor allem Produkten in den genannten Bereichen aufwarten. Während die Segmente Fahrwerk, Felgen und Folierung im Rahmen der EMS klar im Fokus stehen, bilden Reifenhersteller und ihr Produkt eher einen ausstellerseitigen Randbereich. Als lukrative Zielgruppe ist jedoch auch das Tuning- und Performance-begeisterte EMS-Publikum nicht zu unterschätzen, weshalb jedes Jahr auch einige Player der Reifenbranche die entsprechende Nähe suchen.
Über die vergangenen Jahre war es vor allem die koreanische Marke Hankook, die mit einem großen Stand und einem markanten Auftritt in dieser Hinsicht auf sich aufmerksam machte. In diesem Jahr verzichtete das Unternehmen jedoch auf diese Art der Präsentation, blieb der Messe jedoch zumindest im Rahmen eines bewährten Projekts treu: Auch das inzwischen 21. Kampagnenfahrzeug der Initiative Tune it! Safe! fährt auf Reifen aus dem Haus Hankook. Der modifizierte Steeda Q500 Ford Mustang ist mit dem Profil Ventus S1 evo 3 in 265/30 ZR21 (96Y) an der Vorder- und 285/30 ZR21 (100Y) an der Hinterachse ausgestattet. „Wir sind stolz darauf, Tune it! Safe! seit Beginn zu unterstützen. Sicheres Tuning bedeutet für uns kompromisslose Qualität und echte Fahrfreude bei voller Regelkonformität“, kommentiert Roland Hehner, Direktor Vertrieb Deutschland Mitte und Leiter Produkt & Tuning bei Hankook Reifen Deutschland, die bewährte Zusammenarbeit mit Akteuren wie dem Bundesministerium für Verkehr (BMV) und dem Verband der Automobil Tuner (VDAT).
Petlas-Premiere und neue Conti-Kampagne
Ihre jeweiligen Reifenlösungen für sportliche orientierte Fahrzeuge präsentierten derweil gleich drei Marken mit einem eigenen Stand. Continental zeigte gemeinsam mit den Edeltunern Abt und Brabus insgesamt sieben Fahrzeuge und rückte dabei seinen SportContact 7 in den Mittelpunkt. Dieser ist auch Bestandteil der neuen Kampagne „Mehr High für deine Performance”. Marketingleiter Timo Röbbel zufolge soll damit „die Begeisterung für Ultra-High-Performance-Reifen neu entfacht” werden. Für den türkischen Hersteller Petlas wiederum war die Essen Motor Show 2025 eine Premiere, bei der es laut Okyanus Tuna, Director of Sales and Marketing, darum ging, den „Kontakt zu Tunern und Werkstätten” zu intensivieren. Als Teil der noch relativ jungen Handelspartnerschaft mit GB Reifen lag dabei der ausschließliche Fokus auf Profilen der Marke Starmaxx – darunter die Modelle Dynamix Sport sowie UltraSport ST760.
Jede Menge Reifen hatte außerdem Berlin Tires im Gepäck, auch wenn das aktuelle Felgenportfolio der Marken Keskin und MAM nach Aussage der Verantwortlichen auf größeres Publikumsinteresse stieß. „Aktuell sind bei MAM vor allem die Audi-Designs RS5 und RS6 gefragt", berichtete Vertriebsleiter Dominik Schütze im Gespräch mit Automotive Insights. In Kürze ergänzt zudem das Design GT2 das MAM-Sortiment, während die jüngste Keskin-Neuheit KTX1 bereits seit einigen Monaten im Markt verfügbar ist. Wie Schütze weiter mitteilte, will Berlin Tires im kommenden Jahr zudem sein Felgenprogramm mit Blick auf Camping-Fahrzeuge erweitern und dafür auch erstmals Räder mit 6-Loch-Anbindung anbieten. Grund zum Feiern hatte das Unternehmen in Essen zudem wegen eines runden Geburtstags: 2025 markiert das 40-jährige Jubiläum der Familie Keskin im Reifen- und Rädermarkt.
Comebacks für Alcar, Wheelworld und die Marke Asa
Mit Alcar und Wheelworld gab es im Felgenbereich zudem gleich zwei prominente EMS-Rückkehrer. Wheelworld nutzte die Messe, um die überaus positive eigene Entwicklung in den letzten Jahren zu kommunizieren. Neben einem verdreifachten Umsatz investierte das seit Ende 2023 zur international tätigen YHI Group gehörende Unternehmen zuletzt auch in seine personellen Kapazitäten und erweiterte vor allem sein Vertriebsteam deutlich. Dabei soll es jedoch nicht bleiben. „Unser neues modulares Messekonzept ermöglicht es uns, künftig noch flexibler zu agieren – von zusätzlichen Hausmessen bei Kunden bis hin zu Vor-Ort-Schulungen bei größeren Betrieben“, gibt Geschäftsführer Thomas Mögelin die Richtung vor. Mit der Präsenz in Essen und der forcierten Nähe zu Tuning-Enthusiasten soll der Grundstein für weiteres Wachstum im kommenden Jahr gelegt werden. Dazu passend stellte das Wheelworld-Team mit den Modellen Y1L und Y2L zwei Neuheiten seiner performance-orientierten Marke Axxion zur Schau. Während deren Lieferprogramm ebenso wie das der Marke 2DRV bereits in den letzten Monaten sukzessive ausgebaut wurde, führt der 2DRV-Katalog im kommenden Jahr zusätzlich das ebenfalls in Essen ausgestellte Design WH47.
Für eine Mischung aus Rück- und Ausblick nutzte auch Alcar die Essen Motor Show, was insbesondere im Rahmen der Pressekonferenz am Preview Day ersichtlich wurde. Der neue CEO Christian Morawa nutzte diesen Rahmen, um seine ersten Monate im Unternehmen zu reflektieren und zugleich einen kurzen Einblick in die vielfältigen Produktsegmente von Alcar zu geben. „Vor allem der RDKS-Bereich wird immer stärker”, wusste Morawa erfreut zu berichten. Allerdings lag der Messe-Fokus selbstredend auf dem Räderbereich der Gruppe, der zum neuen Jahr ebenfalls mit einigen Neuheiten aufwarten kann. Während die AEZ Seattle zunächst in Abmessungen von 19 bis 22 Zoll verfügbar sein wird, offeriert die Marke mit dem Modell Tokio 2026 erstmalig ein 23-Zoll-ECE-Rad. „Damit nehmen wir vor allem die Gruppe der Premium-SUV in den Blick – und zwar auch solche, die erst nächstes Jahr auf den Markt kommen”, umriss Oliver J. Schneider, Geschäftsführer der Alcar Deutschland GmbH, die Positionierung der beiden AEZ-Designs. Dritte Neuheit im Alcar-Bunde ist die Dotz Bilbao, die „ikonisches Kreuzspeichendesign und moderne Technik” verbinden soll.
Ein Comeback in eigener Sache hatte ferner die Gewe Reifen- und Räder Großhandel GmbH in Essen zu verkünden. Das in Kaiserslautern ansässige Unternehmen schickt nach einer zehnjährigen Pause mit dem neuen ZR3-Rad die Marke Asa wieder in den Felgenmarkt. „Asa ist die Felgenmarke, mit der wir erfolgreich über Jahrzehnte gewachsen sind. Mit dem Relaunch der Marke ergänzen wir unser aktuelles Produktportfolio. Asa-Felgen werden mit exklusivem Design und gleichzeitig innovativer Funktionalität am Markt polarisieren und Trends setzen“, ist Gewe-Geschäftsführer Achim Becker überzeugt.
Felgen- und Fahrwerk-Highlights
Reichlich neue Räder für das kommende Frühjahrsgeschäft gab es darüber hinaus auch bei vielen weiteren Akteuren zu sehen. Borbet legt gleich dreifach im „Sports”-Segment nach (FB1, FB2 und FB2DC), während mit dem Design BTX und dem XE1 zudem je eine neue „Premium”- respektive „Classic”-Felge in den Handel kommt. Diewe Wheels und GMP wiederum zeigten auf der Messe unter anderem das neue Modell Newe, das von GMP produziert und exklusiv über Diewe Wheels vertrieben wird. Bei der ebenfalls über Diewe zu beziehenden Marke Antera ist die A123-Felge bereits seit einigen Monaten verfügbar, während die A303 in Kürze das Angebot bereichert. Radlösungen für Fahrzeuge der Marke Porsche standen darüber hinaus bei Protrack Wheels im Zentrum des Messe-Auftritts und auch die Verantwortlichen von Damina Performance um Sven Giovanelli informierten über ihr Felgenprogramm. Gewohnt präsent waren auch die Spezialisten von JMS Fahrzeugteile mit ihrer Marke Barracuda, die an verschiedenen Ausstellungsobjekten – darunter das Kampagnenfahrzeug von Tune it! Safe! – montiert war.
Fahrwerkseitig wiederum waren gleichfalls einige namhafte Akteure vor Ort, um die eigenen Kompetenzen und die jüngsten Sortimentserweiterungen vorzustellen. Eibach setzte dafür unter anderem auf ein DTM-Fahrzeug, das als Teil der intensivierten Partnerschaft mit der Rennserie am Unternehmensstand in Halle 3 ausgestellt war. Die ganze Breite des eigenen Angebots – vom Serienersatz über Offroad- und Camper-Produkte bis zu Lösungen für den Performance- und Motorsport-Bereich – demonstrierten in gewohnt umfangreicher Form derweil die Messeteams der Marken Bilstein sowie H&R. Gleiches galt auch für die Spezialisten von KW automotive, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum als Aussteller auf der Essen Motor Show feiern konnten. Auf einer separaten Ausstellungsfläche informierte das Unternehmen daher über die seit der EMS-Premiere 1995 erreichten Meilensteine seiner Geschichte in den Bereichen Entwicklung und Technologie, Standortentwicklung sowie Erstausrüstungsprojekte. Produktneuheiten hatten die Fichtenberger außer bei KW auch für die Marken ST suspensions, Reiger und ap Sportfahrwerke zu verkünden. Die seit einigen Jahren ebenfalls zum Firmenverbund gehörend Rädermarke BBS war ebenso in den Auftritt inkludiert, wobei die Verantwortlichen über eine abermalige Erweiterung des „Unlimited"-Programms informierten. „Erstmals können nun bei BBS Endkunden die BBS-Räder nach eigenen Vorstellungen anfertigen lassen und damit die Frage nach dem schönsten Rad selbst beantworten, nämlich ihr eigenes bei BBS gestaltetes Leichtmetallrad“, teilte Daniel Wieland, BBS Head of Sales und Marketing, diesbezüglich mit.
Nicht nur aufgrund der großen Präsenz der Räderhersteller und der vielen präsentierten Neuheiten bilanziert Dirk Kreidenweiß die Essen Motor Show 2025 als vollen Erfolg. „Die diesjährige Auflage der EMS hat wieder einmal eindrucksvoll ihre herausragende Position im Vergleich der Automobil-Messen in Europa unter Beweis gestellt und damit gezeigt, wie sehr die Faszination und Freude an der Individualisierung des Fahrzeugs in der Bevölkerung verankert ist“, so der Geschäftsführer des VDAT, der in dieser Funktion erst kürzlich die Branchengröße Harald Schmidtke abgelöst hat.
Veränderungen im Klassiker-Bereich
Traditionell kommen im Rahmen der Essen Motor Show im Classic & Prestige Salon auch Old- und Youngtimer-Fans auf ihre Kosten. Das Angebot reichte auch dieses Jahre von internationalen GT-Fahrzeugen über historische Tuningexponate und japanische Klassiker bis hin zu Fahrzeugen aus Drift-, Motorsport- und Museumsbeständen, wobei ein Maserati Mistral 4000 zum schönsten Oldtimer gewählt wurde. Die insgesamt 43. Ausgabe dieses Messe-Bausteins war jedoch die letzte in der bekannten Form: Die Messe Essen und die S.I.H.A. Ausstellungen Promotion GmbH beenden ihre langjährige Kooperation. Als Gründe hierfür führen die Verantwortlichen den „unterschiedlichen Blick auf die künftige Entwicklung der Zusammenarbeit” an.
Entsprechend wird die klassische Fahrzeugwelt auf der EMS ab dem kommenden Jahr neu strukturiert. Projektleiter Ralf Sawatzki erläutert: „Klassische Fahrzeuge sind seit über vier Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Essen Motor Show. Jetzt wird es Zeit für einen zeitgemäßen Neustart.“ Für die von der Messe Essen künftig allein verantwortete Präsentation ist geplant, Youngtimer und Oldtimer in getrennten Hallen zu führen und das Angebot durch Zubehörmeilen, wechselnde Specials und einen neuen Car Market zu erweitern. Auch durch derartige konzeptionelle Nachschärfungen soll der Status der Messe als Tuning-Hotspot und Treffpunkt einer autobegeisterten Community beibehalten werden. „Die Begeisterung der Fans, die Premieren und vor allem die enorme Vielfalt machen die Essen Motor Show Jahr für Jahr einzigartig. Die EMS ist weit mehr als eine Messe – sie ist ein Festival für alle, die Autos lieben, unabhängig vom Antrieb“, fasst Oliver P. Kuhrt, Geschäftsführer der Messe Essen, den besonderen Charakter des Events zusammen.