Dass Hardware-Komponenten im Fahrzeug zugunsten von Software allmählich an Bedeutung verlieren, war auch auf der diesjährigen Auto Shanghai zu sehen. Die dort von Automobilhersteller forcierte Entwicklung schlägt sich nach und nach im Aftermarket nieder. Zwar wird es auch beim Software-Defined-Vehicle (SDV) Verschleißteile geben und Servicearbeiten an Bremsen und Reifen bleiben fester Bestandteil des Tätigkeitsspektrums von Werkstätten und Kfz-Betrieben. Doch ohne ein SERMI-Zertifikat und den direkten Zugriff auf Fahrzeugdaten sind bereits heute zahlreiche Reparaturen nur schwer durchführbar. Auch die Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen (FAS/ADAS) benötigt spezielles Know-how.
„Autos sind zunehmend Telefone auf Rädern“, brachte Gianfranco Burzio, Security Consultant bei Drivesec, die Situation auf der Autopromotec in einem Panel zum Thema Cybersecurity auf den Punkt. Wie Systeme und die von ihnen gesammelten Daten dabei wirksam geschützt werden können, dürfte sicherlich auch auf künftigen Branchenmessen ein viel diskutiertes Thema sein. Als durchaus positiv für den Aftermarket bewerteten die Verantwortlichen auf der Autopromotec die Tatsache, dass der Fahrzeugbestand europaweit leicht wächst, aber vor allem altert. Die Aufgabe, diesen entsprechend mobil zu halten, dürfte Kfz-Servicebetriebe weiterhin Arbeit bescheren.
Dabei können Werkstätten künftig auf eine ganze Reihe neuer Tools und Lösungen vertrauen. Updates in ihrem Sortiment kommunizierten in Bologna unter anderem Akteure wie Brembo, Haweka und die Vehicle Service Group (VSG). Als Experten rund um den Bereich Thermomanagement präsentierten sich die Aftermarket-Sparten der Zulieferer Hella und Mahle, wobei letztere mit ihrer Thermonator-Tour auf der Autopromotec Station machte. Der Batteriespezialist GS Yuasa wiederum rückte die eigene Akademie ins Zentrum seines Messeauftritts und auch Unternehmen wie Magneti Marelli und Mann+Hummel stellten ihr umfangreiches Trainings- und Schulungsangebot für Werkstätten vor. Die Experten von Mann+Hummel demonstrierten mit ihren Filterlösungen auf Lignin-Basis zudem die eigenen Fortschritte in puncto Nachhaltigkeit.
Aussteller wie Castrol, Liqui Moly, Motul und Wolf Oil deckten ferner den Bereich Öle und Schmierstoffe ab, während der Teilehersteller Meyle die Autopromotec nutzte, um über seine neue Strategie für den italienischen Markt zu informieren. „Italien ist kein neuer Markt für uns, aber wir möchten die Marke jetzt mit einer stärkeren und sichtbaren Präsenz neu positionieren”, so Davide Busetto, Leiter von Meyle Italien. „Unser Ziel ist es, ein verlässlicher Partner für Händler und Kfz-Werkstätten zu sein – mit hochwertigen Produkten, technischer Unterstützung, Schulungen und sofortiger Verfügbarkeit.“ Auch die Alzura AG war auf der Autopromotec vertreten und präsentierte ihren B2B-Marktplatz. Neuheiten aus dem Bereich Felgen zeigte ferner die Marke GMP, die kurz vor der Autopromotec bereits die Übernahme der Diewe Wheels GmbH kommuniziert hatte.
Vernetzte Reifen und Neuerungen im Produktkatalog
Wie sich die zunehmende Vernetzung auch bei Reifen bemerkbar macht, zeigte auf der Autopromotec das RFID Ecosystem Village. Spezialisten wie Ateq, Corghi, Devel, Fasep, Innovando, Michelin und Regom zeigten dort, wie die RFID-Technologie in sämtlichen Lebensbereichen eines Reifens – von der Herstellung über die Logistik und seine tatsächliche Nutzung bis zu seiner Entsorgung – zu mehr betrieblicher Effizienz und Nachhaltigkeit beitragen kann. „Insbesondere die Radauswuchtmaschine kann ein Tor zur Cloud sein, da sie bereits vernetzt und mit einem internen Computer ausgestattet ist. Ohne den Prozess zu verlängern, kann die Auswuchtmaschine auch eine Diagnose der Profiltiefe durchführen und folglich automatisch Reifen aussondern, die keinen sicheren Verkehr mehr gewährleisten können. Schließlich können die Daten mit einer Flottenmanagement-Software ausgetauscht werden, auch im Hinblick auf die Einführung eines Systems zur vorausschauenden Wartung”, umriss Fabio Boni von Fasep die Möglichkeiten RFID-fähiger Reifen. Auch die Global Data Service Organisation for Tyres and Automotive Components (GDSO) war an dem Messeprojekt beteiligt. Wie das vielfältige Potenzial von Reifendaten auch durch die RFID-Technologie gezielt genutzt werden kann, hatte GDSO-Generalsekretär Riccardo Giovannotti bereits im Herbst 2024 im Interview mit Automotive Insights erläutert.
Die in Bologna anwesenden Reifenmarken zeigten überwiegend ihr bewährtes Portfolio für unterschiedliche Einsätze. Mit mehreren neuen Profilen für Pkw – darunter der neue Ganzjahresreifen Goodride All Season Elite G-402 – sowie insbesondere für den OTR-Bereich wartete derweil der Hersteller ZC Rubber auf. Das Commercial-Segment nahmen auch Prinx mit dem ELD12 sowie Triangle mit der neuesten Generation seiner Lkw-Reifenserien TRS06 und TRD09 in den Blick. „Der ELD12 ist der erste Schritt in einer umfassenderen Strategie, die darauf abzielt, Prinx als einen seriösen und zuverlässigen Akteur auf dem europäischen OTR-Markt zu etablieren", teilte Thomas Wohlgemuth, Managing Director Europe bei Prinx im Rahmen der Autopromotec mit. Einen neuen All-Terrain-Ganzjahresreifen (KR615 Klever A/T 4S) und ein für Stromer optimiertes Gummi (KR214 Kenergize 4S EV) hatte darüber hinaus die taiwanesische Marke Kenda im Gepäck, während am Linglong-Stand der neue Transporterreifen Dura Master Van e debütierte. Reifenkompetenz stellten ferner Falken, Giti, Nokian Tyres, Petlas und Sailun unter Beweis.
Zahlen und Fakten
Mit den rund 97.400 Besucherinnen und Besuchern hat die Autopromotec 2025 die letzte Ausgabe aus dem Jahr 2022 (ca. 75.000) deutlich übertroffen. Bei der letzten regulären Vor-Corona-Ausgabe 2019 wurde in dieser Hinsicht zwar die Marke von 100.000 Besucherinnen und Besuchern übertroffen, den Vergleich mit dieser nun sechs Jahre zurückliegenden 28. Ausgabe muss die Messe in diesem Jahr jedoch nicht scheuen: Mit 131 vertretenen Ländern wurde nahezu das gleiche Level an Internationalität erreicht (2019: 136 Länder) und damit das selbstgesteckte Ziel voll erfüllt.
„Die Autopromotec 2025 endet mit hervorragenden Ergebnissen“, kommentiert Autopromotec-CEO Renzo Servadei zufrieden. „Die Zahlen sprechen für sich: Wir sind ein Bezugspunkt für die Branche auf internationaler Ebene. Aber was uns am meisten stolz macht, ist die Qualität unseres Dialogs mit den Marktteilnehmern und ihre Bereitschaft, gemeinsam mit uns in die Zukunft zu blicken.” Auf Ausstellerseite ist das Fazit offenbar ähnlich positiv. Nach Aussage der Autopromotec-Verantwortlichen haben bereits diverse Akteure Interesse an einer erneuten Messeteilnahme in zwei Jahren (26. bis 29. Mai 2027) signalisiert. In Abstimmung mit The Tire Cologne kehrt die Veranstaltung in ihren regulären Rhythmus zurück und findet künftig wieder jeweils in ungeraden Kalenderjahren statt. Für Renzo Servadei steht jedenfalls fest: „Die Autopromotec ist nicht nur ein Schaufenster, sondern ein strategischer Motor für die Entwicklung der ganzen Branche, der in der Lage ist, den Wandel voranzutreiben und zukünftige Herausforderungen zu antizipieren.“ Über die Autopromotec sprechen wir auch in unserer aktuellen Podcast-Folge.