Im Rahmen der vorläufigen Geschäftszahlen hatte die ZF-Geschäftsführung einen bereinigten Free Cashflow von über einer Milliarde Euro, eine EBIT-Marge von mehr als 4,0 Prozent und einen Umsatz von über 38 Milliarden Euro prognostiziert. Den nun final veröffentlichten Geschäftszahlen für das Jahr 2025 zufolge konnte ZF zumindest diese Erwartungen erfüllen. Der bereinigte Free Cashflow betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,4 Milliarden Euro, was einer deutlichen Besserung gegenüber der 305 Millionen Euro aus dem 2024 entspricht. Die bereinigte EBIT-Marge stieg von 3,5 Prozent im Jahr 2024 auf nun 4,5 Prozent, und der Umsatz lag mit 38,8 Milliarden Euro im Rahmen der Schätzungen. Letzteres täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass der Umsatz damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,6 Milliarden Euro zurückging. Das Konzernergebnis nach Steuern (Nettoergebnis) ergab schließlich einen Verlust von satten 2,1 Milliarden Euro, was den Verantwortlichen zufolge insbesondere auf die vorzeitige Beendigung mehrerer Projekte im Kontext der Restrukturierung der Division E zurückzuführen ist. Diese Entwicklung führte laut Konzernangaben zu einer Einmalbelastung in Höhe von rund 1,6 Milliarden Euro und bilde den Großteil des bilanzierten Verlusts ab. „Die Abschreibungen unprofitabler Projekte haben einen Einmaleffekt auf unsere Bilanz für 2025. Aber so nehmen wir Steine aus dem Rucksack für den Aufstieg in den kommenden Jahren“, so Mathias Miedreich, Vorstandsvorsitzender von ZF.
Die Division E bleibt laut Angaben der Geschäftsführung künftig Bestandteil von ZF, soll aber in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden. Die operative Performance der Division habe sich im Vergleich zu 2024 signifikant verbessert und liegt den Verantwortlichen zufolge im Plan eines Restrukturierungsprogramms, das auch in diesem Jahr fortgeführt werden soll. Leidtragende sind dabei die Angestellten, die im Rahmen von Einsparungen Arbeitszeitsenkungen hinnehmen und auf tarifliche Entgeltbestandteile verzichten müssen. „Das sind keine einfachen Zeiten. Umso mehr danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren Teamgeist und ihr großes Engagement, ZF wieder in die Erfolgsspur zu bringen“, sagte Miedreich.
Neuausrichtung des Konzerns geht voran
Im vergangenen Jahr hat ZF verschiedene Schritte in Richtung Neuaufstellung auf den Weg gebracht, die nun weiter fortgeführt werden sollen. Unter anderem verkündete der Automobilzulieferer zuletzt den Verkauf der Geschäftseinheit für Fahrerassistenzsysteme (ADAS) an die Samsung-Tochter Harman International. Als Unternehmenswert wurden 1,5 Milliarden Euro vereinbart. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der erforderlichen behördlichen Genehmigungen, soll laut Geschäftsbericht aber im zweiten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden. Die Neuausrichtung von ZF hat auch weiterhin Auswirkungen auf die Mitarbeiterzahl. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 beschäftigte ZF weltweit 153.153 Menschen, rund 8.500 weniger als im Vorjahr. In Deutschland verringerte sich die Mitarbeiterzahl um rund 2.800. Beim im Juli 2024 bekanntgegebenen Ziel, die Zahl der Stellen in Deutschland um 11.000 bis 14.000 zu reduzieren, liegt ZF laut eigenen Angaben auf Kurs. Personal soll wie geplant weiter abgebaut werden, und zwar auf freiwilliger Basis über Fluktuation, Abfindungs- und Altersteilzeitprogramme sowie verkürzte Arbeitszeiten.
Keine signifikante Besserung für 2026 in Sicht
Die wirtschaftliche Entwicklung werde laut Geschäftsführung im Jahr 2026 weiterhin von Unsicherheiten sowie von einer anhaltenden Marktschwäche geprägt sein, besonders im Nutzfahrzeugsektor. Daher rechnen die Verantwortlichen nicht mit einem Umsatzanstieg gegenüber 2025 und prognostizieren unter Berücksichtigung stabiler Wechselkurse einen Umsatz auf jetzigem Niveau. Bei erwartungsgemäßer Entwicklung der Absatz- und Beschaffungsmärkte hält ZF in Verbindung mit einer entsprechenden Steuerung der Kostenstrukturen eine bereinigte EBIT-Marge zwischen 4,0 und 5,0 Prozent für möglich. Bei dem um Unternehmenstransaktionen bereinigten Free Cashflow erwartet der Konzern in diesem Jahr einen Wert von über einer Milliarde Euro.
Schließlich richtete sich Mathias Miedreich auch direkt an politische Entscheidungsträger und kritisierte deren unklaren Kurs: „Was uns weiterhin belastet, sind Standortfaktoren. Wir hoffen in Berlin auf eine neue Reformagenda. Und in Brüssel auf Ehrlichkeit in Bezug auf die CO2-Flottengesetzgebung. Die EU-Kommission hat eine Flexibilisierung der Ziele nur angedeutet, setzt ihre industriepolitische Geisterfahrt aber fort. Hier müssen wir dringend nachbessern, gerade was den Plug-in-Hybrid als zentrale Transformationstechnologie angeht, die E-Mobilität von der Reichweitenangst befreit und Beschäftigung sichert.“
ZF-Aufsichtsrat verlängert Vertrag von Finanzvorstand Michael Frick
Einen Tag vor der Veröffentlichung der Geschäftszahlen bestätigte der ZF-Aufsichtsrat Michael Frick in seinem Amt als Finanzvorstand und verlängerte seinen Vertrag bis Ende Mai 2031. „Ich freue mich darauf, die gute Teamarbeit im Vorstand fortzusetzen. Michael Frick und ich teilen denselben Fokus auf Performance und starke Umsetzung – und wir setzen unseren Weg bergauf entschlossen fort“, so Mathias Miedreich. „Ich bin dankbar für das Vertrauen des Aufsichtsrats. Meine Arbeit wird weiterhin davon motiviert sein, ZF und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit Handlungsspielräume zu geben. Die Stärkung unserer finanziellen Lage bleibt dafür entscheidend“, äußerte sich Michael Frick zur Entscheidung.