Prof. Dr.-Ing. Elmar Morbitzer vom Institut für Kunststofftechnik (KTP) der Universität Paderborn konnte 25 Teilnehmende aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen zum AZuR-Kolloquium begrüßen. „Frische Impulse für die Reifen-Kreislaufwirtschaft“ – so das Motto der Veranstaltung – sollte der fachliche Austausch liefern. Dafür standen gleich sieben Fachvorträge aus unterschiedlichen Disziplinen auf dem Programm. Neben dem Einblick in die jeweils eigenen Kompetenzen der AZuR-Partner wollten die Referenten ihre Präsentationen zugleich auch als explizite Einladungen zum themenübergreifenden Dialog verstanden wissen. „Wir begrüßen es, wenn die Industrie mit konkreten Aufgaben auf uns zukommt – dafür entwickeln wir hier die passenden Lösungen. Wir möchten die AZuR-Partner herzlich einladen, mit weiteren spannenden Aufgabenstellungen an uns heranzutreten“, brachte Jonas Petzke von der Universität Paderborn diesen Ansatz auf den Punkt.
Neben Petzke gaben Experten wie Andreas Glimm (Hochschule Nordhausen) und Sebastian Bogdahn (TH Köln:metabolon Institut) Einblicke in Themenfelder wie die mechanische Aufbereitung verschiedener Abfallstoffe und deren stofflicher Verwertung in der Pyrolyse respektive die ökobilanzielle Bewertung von Karbonisaten aus der Altreifenpyrolyse. Weitere Themen waren Konzepte zur Förderung der Kreislaufwirtschaft durch Digitalisierung (Paul Szabó-Müller/Hochschule Ruhr West), die Umweltfolgen von Reifenabrieb in Flüssen (Angus Rocha Vogel/Helmholtz Zentrum für Umweltforschung) sowie die Eigenschaften recycelter EPDM-Materialien (Prof. Dr. Carmen-Simona Jordan/Hochschule Osnabrück). Den Abschluss der Vortragsreihe bildete Florian Löhr (Universität Paderborn) mit einem Beitrag zur Direkthaftung von Duroplasten und Kautschuk im 2K-Spritzgießprozess – eine Entwicklung, die Klebstoffe in der Fertigung ersetzen könnte.
Jenseits der Fachvorträge bot das KTP den Teilnehmenden im Rahmen des Kolloquiums die Möglichkeiten, im hauseigenen Technikum aktuelle Forschungseinrichtungen und Prüfstände zu erleben. „Wir freuen uns, mit dem KTP einen starken Partner für angewandte Forschung in unserem Netzwerk zu haben“, so AZuR-Koordinatorin Christina Guth. Gemeinsam mit Stefan Rau, dem technischen Geschäftsführer des wdk, dankte Guth den KTP-Verantwortlichen zudem für die Organisation und Gastfreundschaft. Diese habe mit dazu beigetragen, das AZuR-Kolloquium zu „einer wertvollen Plattform für neue, interdisziplinäre Kooperationen” zu machen. „Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft braucht starke Impulse aus der Wissenschaft – und die Wissenschaft braucht die Praxis, um Wirkung zu entfalten. Nur gemeinsam können wir den Wandel zu einer echten Circular Economy gestalten“, betonte die AZuR-Koordinatorin abschließend. Das nächste wissenschaftliche Kolloquium findet am 28./29. Oktober 2026 an der Hochschule Nordhausen statt.
NRW-Sonderpreis Ressourcenschonung 2025 für AZuR
Dass das AZuR-Engagement Wirkung zeigt, attestierte den Verantwortlichen kürzlich auch die Effizienz-Agentur NRW (efa). Diese hat der CGW GmbH um die Familie Guth für den Aufbau des Netzwerks im Rahmen des erstmals verliehenen NRW-Preises Ressourcenschonung den Sonderpreis „Kooperation“ verliehen. Am vergangenen Dienstag nahmen Christina Guth und Kristiane Guth den Preis persönlich von Umweltminister Oliver Krischer entgegen. „Die Preisträgerinnen und Preisträger zeigen: Wer Ressourcen schont und Kreisläufe schließt, schützt das Klima und ist damit wirtschaftlich erfolgreich. Genau das ist unser Ziel in Nordrhein-Westfalen", betonte Krischer in seiner Ansprache an die Adresse aller ausgezeichneten Unternehmen und Initiativen.
Mit dem neuen NRW-Preis Ressourcenschonung führt die Effizienz-Agentur NRW (efa) den Effizienz-Preis NRW fort, der seit 2000 regelmäßig vergeben wird. Dabei wollen die Verantwortlichen zirkuläre Ansätze noch stärker in den Mittelpunkt stellen, was sich auch in der Auszeichnung des AZuR-Netzwerks widerspiegelt. „Das AZuR-Netzwerk zeigt eindrucksvoll, wie sektorübergreifende Kooperation funktionieren kann. Mit seiner Breite an Partnern, seinem interdisziplinären Austausch und seiner konsequenten Ausrichtung an ökologischen wie ökonomischen Zielen leistet es einen beispielhaften Beitrag zu Ressourcenschonung und Klimaschutz”, würdigte Dr. Martin Kuhne, Mitglied der Geschäftsleitung der Verbraucherzentrale NRW und Jury-Mitglied des NRW-Preises Ressourcenschonung, die Arbeit des Netzwerkes.
„Wir sind stolz, dass unser Engagement für die Allianz Zukunft Reifen auf diese Weise anerkannt wird. Unser Ziel ist es, Reifen als wertvolle Ressource in der Gesellschaft neu zu verankern und gemeinsam mit unseren Partnern eine nachhaltige, zirkuläre Reifenwirtschaft in Europa aufzubauen”, sagte AZuR-Netzwerkkoordinatorin und CGW-Geschäftsführerin Christina Guth und unterstrich zugleich: „Der Preis ist eine wichtige Bestätigung und Motivation zugleich.”