Die Diskussion um Messeauftritte, ihre Kosten und ihren Nutzen hat sich seit der Corona-Pandemie nochmals verschärft. Virtuelle Konzepte und Austauschformate mussten sich notgedrungen in der Praxis beweisen und haben das mitunter in überzeugender Form getan. Zeitersparnis durch entfallende Reisetätigkeiten, mehr Flexibilität und vor allem weniger finanzielle Aufwendungen wirken auf argumentativer Ebene klar hinsichtlich digitaler Kanäle und Plattformen. Ungeachtet dieser Entwicklung hat sich jedoch auch vielfach gezeigt: Der Reiz virtueller Veranstaltungen hat seine Grenzen, Produkte und vor allem die Menschen dahinter werden in der realen Welt auf andere Art und vor allem intensiver erlebbar. Zudem registrierten viele Branchentreffs zuletzt wieder steigende Besucherzahlen. Zwar wird das Vor-Corona-Niveau in kaum einem Fall erreicht, je länger die Pandemie jedoch zurückliegt, desto mehr wird eine ungebrochene Lust auf persönliche Begegnungen und Messen in der echten Welt spürbar.
Nachschärfungen im Konzept von The Tire Cologne
„Manchmal ist es notwendig, live bei den Menschen zu sein. Und genauso sehe ich die Messen: schmecken, tasten, fühlen, erleben. Das hat man nach Corona sehr schnell gemerkt, dass das der Mensch immer noch will”, beschreibt Harald Schmidtke, ehemaliger VDAT-Geschäftsführer und Stammgast auf der Essen Motor Show, seine diesbezüglichen Eindrücke im Podcast von Automotive Insights. Als positive Nachricht für Messemacherinnen und -macher mag diese Tendenz durchaus taugen, ein Grund sich auf bisher Erreichtem auszuruhen gibt es freilich im Event-Business nie. Nachschärfungen und Anpassungen im eigenen Konzept sind gang und gäbe, um weiterhin relevant zu bleiben. Für The Tire Cologne, die im Juni dieses Jahr zum insgesamt vierten Mal in der Rheinmetropole stattfinden wird, ist dafür unter anderem der neue Baustein „Walk of Services” vorgesehen. Dieser soll den Aspekt der Dienstleistung noch stärker in den Messefokus rücken und damit noch gezielter Reifenfachhändler und Werkstattpersonal adressieren. Nach Aussage der Verantwortlichen werden durch „speziell gebrandete Flächen in der ganzen Messe die relevanten Inhalte, Partner und Lösungen intelligent miteinander verknüpft”.
Um die Notwendigkeit derartiger Anpassungen weiß man auch beim BRV, dem ideellen Träger der The Tire Cologne. Mit Blick auf eine durchaus zufriedenstellende 2024er-Ausgabe betonte BRV-Geschäftsführer in unserem Video-Rückblick zur Messe: „Wir dürfen uns an dieser Stelle nicht ausruhen, wir müssen weitermachen und weiter Gas geben, um das Produkt Tire Cologne weiter zu entwickeln.” Auf dieses Ziel einzahlen sollen auch neue Diskussions- und Austauschformate, die das Rahmenprogramm der TTC 2026 ergänzen. Zu nennen sind an dieser Stelle unter anderem die „Global OTR Conference” sowie die „Future Tire Conference”. Mit neuen Bausteinen wie diesen wollen die Verantwortlichen der Kölnmesse um TTC-Director Ingo Riedeberger mindestens erneut die Besucherzahl von 2024 (rund 14.400) erreichen und sich am liebsten wieder der in der Vergangenheit bereits geknackten Marke von 16.000 Besucherinnen und Besuchern nähern.
Hilfreich dafür ist natürlich immer auch eine möglichst prominent besetzte Ausstellerliste. Trifft sich das Who is Who der Branche an einem Ort, fällt die Entscheidung beim Fachpublikum tendenziell eher pro Messebesuch aus. In Köln verzichteten zuletzt arrivierte Player wie Bridgestone, Goodyear und Michelin auf eigene Präsenzen, während die Teilnahmebereitschaft vor allem aus dem asiatischen Raum enorm war. Über entsprechende Verschiebungen, die sich auch in Marktanteilen andeuten, haben wir in verschiedener Form berichtet. Unabhängig von der finalen Ausgestaltung der Ausstellerliste dürfte die TTC in puncto Internationalität in diesem Jahr zweifelsfrei erneut voll überzeugen. Den Status als zentrale Impuls-Plattform der Reifenbranche gilt es dabei erneut unter Beweis zu stellen.
Frühzeitiges Aussteller-Bekenntnis zur Automechanika
Einige Wochen später lockt dann die Automechanika das geneigte Fachpublikum nach Frankfurt. Im Rahmen der Messe soll erneut die gesamte Breite des automobilen Aftermarkets sowie der entsprechenden Wertschöpfungskette abgebildet werden. Dass man sich damit ausstellerseitig auf einem guten Weg befindet, bestätigte Olaf Mußhoff, der Director Automechanika Frankfurt, bereits im vergangenen Herbst: „Noch nie hatten so viele Unternehmen ihre Messebeteiligung zum vergleichbaren Zeitpunkt bestätigt wie heute. Wir verzeichnen für alle Produktbereiche der Messe eine ausgesprochen hohe Rückmeldequote.“ In Verbindung damit rechnen die Verantwortlichen auch 2025 mit einem Besucherniveau jenseits der 100.000. Die Werbemaschinerie für das Event läuft – wie natürlich auch bei der TTC – bereits auf Hochtouren, wobei die Verantwortlichen der Messe Frankfurt unter anderem auf eine Kooperation mit dem VDIK setzen. Der Verband initiiert eigens für seine Mitglieder – und solche, die es werden wollen – eine „Road to Automechanika”. „Die Kooperation zwischen Automechanika und VDIK bringt die geballte Expertise des markengebundenen Aftermarkets zusammen”, ist VDIK-Präsidentin Imelda Labbé überzeugt. Darüber hinaus setzt das Automechanika-Team weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit mit dem ASA-Verband sowie neue Messebausteine wie die Classic Alliance.
Treff der Nfz-Spezialisten in Hannover
Der Messeherbst findet dann seine Fortsetzung in Hannover, wo die IAA Transportation erneut groß auffährt. Themenfelder wie Vernetzung, Elektrifizierung und Ressourcenschonung werden auch dort die Auftritte zahlreicher Branchenakteure prägen. Gebündelt werden all diese Initiativen in diesem Jahr unter dem neuen Messemotto „We Deliver”. „Die IAA Transportation ist der Ort, an dem die Zukunft des Transports und der Logistik diskutiert und vorangetrieben wird. Hier treffen sich Hersteller, Technologiepartner, Infrastrukturanbieter, Zulieferer und Logistikunternehmen, um gemeinsam Lösungen für eine klimaneutrale und digital vernetzte Mobilität und Logistik zu entwickeln” wirbt VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel. „Wir freuen uns darauf, 2026 erneut Impulse zu setzen, Innovationen sichtbar zu machen und partnerschaftlich an einer nachhaltigen Zukunft zu arbeiten.“ Davon wird sich aller Voraussicht nach erneut eine deutlich sechsstellige Anzahl an Besucherinnen und Besuchern vor Ort überzeugen. Mit rund 145.000 gezählten Gästen schloss die 2024er-Auflage der Messe zehn Prozent über dem Wert von 2022.
Besucherzuspruch ist das eine, um kostendeckend zu agieren reicht das jedoch mitunter nicht aus, wie zuletzt das vergleichsweise junge Format der PS Days erfahren musste. Nichtsdestotrotz ist ein beständig hoher Besucherzuspruch ein relevanter Indikator, um die Qualität einer Messe zu beurteilen. Gleichwohl gibt es auch andere eher „weiche” Faktoren, um einen Messeauftritt final zu bewerten. Die Qualität von Gesprächen und Kontakten steht dabei für viele Akteure weit oben und kann somit ein quantitativ geringeres Besucherlevel, das dafür in qualitativer Hinsicht überzeugt, aufwiegen. Zudem variieren persönliche Eindrücke und Erwartungen an eine Messe und können somit in der eigenen finalen Bewertung den Unterschied ausmachen. Automotive Insights wird auf jeden Fall bei den genannten Events vor Ort Impressionen sammeln und auf all unseren Kanälen berichten.
Ja, wie vielfach betont, entscheidet sich die Zukunft des Aftermarkets klar im Digitalen. Messen und Präsenzevents bleiben allerdings als Kontaktplattform für Begegnungen und den konstruktiven Austausch relevant. Gelegenheit dafür bietet auch das Jahr 2026 reichlich.