Rund zehn Millionen BEVs wurden in den 35 von Berylls by AlixPartners untersuchten Ländern im vergangenen Jahr neu zugelassen. Wenig überraschend zeigen sich dabei teilweise deutliche Unterschiede mit Blick auf einzelne Staaten – und zwar sowohl hinsichtlich des Stromer-Anteils als auch hinsichtlich der Veränderung gegenüber dem Vorjahr und damit der in den jeweiligen Märkten vorherrschenden Dynamik. Unangefochten an der Spitze des Rankings steht abermals Norwegen mit einem BEV-Neuzulassungsanteil von 89 Prozent. Damit übertrifft die Stromer-Nation Nummer eins ihren Vorjahreswert nochmals um 7 Prozent. Auf Platz zwei folgt Dänemark, bei dem als einziges weiteres Land mehr als die Hälfte aller Neuzulassungen auf BEVs entfielen (52 Prozent). Der Zuwachs von 15 Prozent wird lediglich von Malta übertroffen (+20 Prozent), das mit einem BEV-Neuzulassungsanteil von 38 Prozent Rang drei erreicht.
Abgesehen von der Top 3 kann lediglich noch Belgien (Platz 7; 28 Prozent) eine nennenswerte Steigerung vorweisen (+9 Prozent). Die in absoluten Zahlen meisten Stromer wurden in China zugelassen, der Anteil von 27 Prozent (+4 Prozent) reicht jedoch im E-Mobility Country Ranking von Berylls by AlixPartners nur zu Platz neun gleichauf mit Luxemburg. Deutschland fällt auf Rang 17 zurück und erreicht mit rund 380.000 BEV-Neuzulassungen nur noch einen Anteil von 13,5 Prozent (-5 Prozent). Damit liegt der hiesige Markt auch knapp unter dem Europa-Durchschnitt von 15 Prozent. Neben Südkorea (9 Prozent; +1) und den USA (8 Prozent; ±0) folgen dahinter insbesondere Länder aus Süd- und Osteuropa, wo laut den Berylls-Verantwortlichen „der erhoffte Wachstumsschub weiterhin ausbleibt”. Das Schlusslicht bildet allerdings Japan, wo der BEV-Marktanteil weiterhin bei lediglich 1 Prozent liegt.
Vielfältige Ansatzpunkte für mehr Akzeptanz
Als Gründe für die weitgehend negative Entwicklung führen die Studienautoren unter anderem „die fortschreitend schlechte Wirtschaftslage in der Automobilbranche” an. Als Punkte, an denen die neue Bundesregierung und dabei federführend auch der neue Verkehrsminister dringend ansetzen müssen, werden zudem die hohen privaten Stromkosten sowie die europäischen Batterieproduktion – und das zugehörige Recycling – genannt. Letztere gelte es zugunsten einer geringeren Abhängigkeit vor allem von China zu stärken. Nach Meinung der Experten sollte zudem Kaufanreize und steuerliche Vorteile noch mehr auf Privatkunden und gewerbliches Leasing ausgerichtet werden, um die Nachfrage breiter zu stimulieren. Dafür seien wiederum auch E-Auto-Modelle unterhalb der 35.000-Euro-Marke entscheidend. Parallel dazu müsste für einen gesellschaftlich akzeptierten Wandel außerdem in der öffentlichen Kommunikation mehr über die positiven Effekte des Mobilitätswandels berichtet und Falschinformationen klar adressiert werden. Besonders wichtig seien diese Faktoren angesichts der kaum zu erwartenden Impulse aus den USA.
All die genannten Maßnahmen müssen jedoch auch mit weiteren Fortschritten bei der Ladeinfrastruktur einhergehen. Zwar wird festgehalten, dass „der schleppende Absatz nicht auf die Ladeinfrastruktur zurückzuführen” ist. Vielmehr verlaufe der Ausbau äußerst dynamisch: In Deutschland hat sich die Zahl der öffentlichen Ladepunkte innerhalb von zwei Jahren nahezu verdoppelt (2022: ca. 85.000; 2024: ca. 160.000), die Anzahl der HPC-Charger (High-Power-Charger) stieg im selben Zeitraum von 8.000 auf 26.500. Europaweit wurde inzwischen die Marke von einer Million Ladepunkten überschritten. Dennoch sieht die Studie auch weiteren Nachholbedarf. Wichtig bleibe der Aufbau eines flächendeckenden Schnellladenetzes mit Ladeleistungen über 150 kW entlang von Autobahnen und in Städten in Verbindung mit möglichst unkomplizierten und einheitlichen Bezahlsystemen. In diesem Zuge sollte auch die Förderung privater Ladepunkte intensiviert werden.
Im Fazit zum E-Mobility Country Ranking 2025 wird betont: „Ein ambitionierter und koordinierter europäischer Ansatz ist unverzichtbar, um den Hochlauf der Elektromobilität wirksam zu beschleunigen.” Derartige Appelle waren in der Vergangenheit bereits häufiger zu vernehmen, ihre unmittelbaren Folgen jedoch weitestgehend überschaubar. Ändern könnte das nach Meinung der Berylls-Experten das „positive Momentum”, das aktuell durch „die zunehmende Modellvielfalt, ein klarer regulatorischer Rahmen und wachsende Nutzerakzeptanz” geschaffen werde. Dieses gelte es nun entschlossen zu nutzen.
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