In Unterschleißheim bei München unterhält BMW seit mehr als 30 Jahren ein Recycling- und Demontagezentrum (RDZ), das Verfahren rund um die Wiederverwertung von Fahrzeugteilen und Wertstoffen entwickelt und erprobt. Im Sinne eines Design for Circularity fließen die dabei erlangten Erkenntnisse Unternehmensangaben zufolge bereits in die Produktentwicklung ein. Über eine Recycling-Datenbank teilt der Hersteller das Know-how des RDZ zudem mit der weltweiten Verwertungsindustrie. Nach Aussage der Verantwortlichen wird diese gegenwärtig von etwa 3.000 Betrieben aus 32 Ländern aktiv genutzt. Ferner setzt BMW auch bei der jüngst verkündeten Kooperation mit Prezero im Bereich Altfahrzeugverwertung auf die Kompetenzen seines RDZ in Unterschleißheim.
Mit dem Umzug der Einheit nach Wackersdorf sollen die entsprechenden Kapazitäten noch einmal deutlich ausgebaut werden, wie Jörg Lederbauer, Vice President Kreislaufwirtschaft, Ersatzteilversorgung Hochvoltspeicher und elektrischer Antrieb der BMW Group, berichtet: „Unser neues Kompetenzzentrum in Wackersdorf wird ein zentraler Baustein unserer zirkulären Wertschöpfung und hilft, die Mobilität der Zukunft ressourcenschonender zu gestalten. Wir wollen Materialien bestmöglich im Kreislauf halten und damit Ressourcen langfristig und werterhaltend nutzen. Damit senken wir auch unsere Abhängigkeit von Primärrohstoffen. Zudem wird der Einsatz hochwertiger Sekundärmaterialien den CO2e-Fußabdruck unserer Fahrzeuge weiter deutlich reduzieren.“
Erschließung eines „zukunftsorientierten Handlungsfeldes"
Das neue Competence Center Circularity (CCC) soll Anfang 2029 in Betrieb gehen und Prozess-, Material- und Technologieentwicklung noch enger mit der operativen Fahrzeugverwertung verbinden. Zu den erweiterten Umfängen im CCC zählen unter anderem das Recycling von Wasserstofffahrzeugen, die Automatisierung von Demontageprozessen sowie der Know-how-Aufbau bei neuen Schredder- und Sortiertechnologien. Das Kompetenzzentrum ergänzt damit die vielfältige Expertise in Wackersdorf, zu der seit Kurzem unter anderem ein Batterietestzentrum gehört. „Bereits in den vergangenen Jahren hat das Unternehmen entscheidende Weichen für die Zukunft des Standorts Wackersdorf gestellt. Die Ansiedlung des Kompetenzzentrums für Zirkularität verbreitert das Fundament unseres Standorts. Damit erschließen wir uns ein attraktives, zukunftsorientiertes Handlungsfeld“, sagt Standortleiter Stefan Betz. „Die Ansiedlung des neuen Competence Center Circularity ist eine wichtige strategische Entscheidung des Unternehmens für den Standort Wackersdorf – und vor allem für die Beschäftigten. Hierfür haben wir uns auch als Arbeitnehmervertretung eingesetzt“, ergänzt André Mandl, Betriebsratsvorsitzender der BMW-Werke Regensburg und Wackersdorf.
Auch auf politischer Ebene wird der geplante Schritt begrüßt. „Das hochmoderne Kompetenzzentrum für Zirkularität wird einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung und zur Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft leisten“, so Thomas Ebeling, Landrat des Landkreises Schwandorf. „In Kombination mit dem ebenfalls in Wackersdorf geplanten Technologie-Transfer-Zentrum der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und der OTH Amberg-Weiden in Wackersdorf ist nun auch eine enge Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft zum Thema Kreislaufwirtschaft möglich. Damit stärken wir die Region.” Mit der Standortentscheidung beginnt laut BMW nun die detaillierte Planungsphase für das Competence Center Circularity am neuen Standort. Das bestehende RDZ in Unterschleißheim bleibt bis zur Verlagerung vollumfänglich in Betrieb. Über die nächsten Schritte will der Konzern „zu gegebener Zeit” informieren.
Wie auch andere Fahrzeughersteller – wie etwa VW in Zwickau – treibt BMW mit derartigen Initiativen das Thema Kreislaufwirtschaft voran. Gemeinsam mit Encory hatten die Münchner zuletzt bereits ein neues Kompetenzzentrum Batteriezellrecycling (CRCC) realisiert. Lest mehr zu den Themen Recycling & Circular Economy in unserer April-Ausgabe.