„Die schwache Dynamik der Weltwirtschaft bekam 2025 auch Bosch deutlich zu spüren. In Europa hat sich unser Geschäft erneut am schwächsten entwickelt, erfreulicher waren hingegen Amerika und Asien-Pazifik“, teilt Markus Forschner, Geschäftsführer und Finanzchef der Robert Bosch GmbH, zum abgelaufenen Geschäftsjahr mit. Für Europa steht ein wechselkursbereinigtes Plus von 1,5 Prozent (44,2 Milliarden Euro) in der Bosch-Bilanz, während die Regionen Asien-Pazifik (28,3 Milliarden) und Amerika (18,5 Milliarden) wechselkursbereinigt um 5,6 respektive 9,2 Prozent zulegten. Trotz Herausforderungen wie einer allgemeinen Kaufzurückhaltung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie einer schwierigen Lage im Maschinenbau und Baugewerbe performten die einzelnen Bosch-Geschäftsbereiche solide:
- Mobility: 56 Milliarden Euro Umsatz; wechselkursbereinigt +3,1 Prozent
- Industrial Technology: 6,5 Milliarden Euro; wechselkursbereinigt +3,2 Prozent
- Consumer Goods: 19,9 Milliarden Euro; wechselkursbereinigt +4 Prozent
- Energy and Building Technology: 8,4 Milliarden Euro; wechselkursbereinigt +15,3 Prozent
Zielverschiebung und notwendige „Verschlankung”
Insgesamt erzielte Bosch einen vorläufigen Umsatz von rund 91 Milliarden Euro und lag damit leicht über dem Vorjahreslevel von 90,3 Milliarden Euro. Wechselkursbereinigt stieg der Umsatz gar um 4,2 Prozent. Dass die Bosch-Verantwortlichen dennoch weiteren Anpassungsbedarf sehen, hat vor allem mit der operativen EBIT-Rendite zu tun: Diese lag bei nur etwa zwei Prozent (2024: 3,5 Prozent) und damit unterhalb der Erwartungen. Als Teil der Strategie 2030, mit der der Zulieferer seine Wettbewerbsfähigkeit steigern will, hat das Management um Stefan Hartung als Vorsitzenden der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH ein jährliches Umsatzplus von sechs bis acht Prozent bei einer Rendite von mindestens sieben Prozent als Ziel ausgegeben. Letzteres war ursprünglich bereits für dieses Jahr vorgesehen, „vor dem Hintergrund des aktuellen Umfelds” erwarten die Verantwortlichen dies nun jedoch „frühestens von 2027 an”. „Die wirtschaftliche Realität spiegelt sich auch in unseren Ergebnissen wider – 2025 war ein schwieriges, teils auch schmerzhaftes Jahr für Bosch“, resümiert Stefan Hartung. „In einem ungünstigen Umfeld arbeiten wir weiter konsequent an unserer Wachstumsstrategie, die zugleich eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit voraussetzt. Wir stellen jetzt die Weichen für die Zukunft.“
Zukunftsfaktor KI: Bei Bosch und für neue Mobilitätsformen
Dass Bosch dafür auf einen massiven Stellenabbau setzt, steht bereits seit längerem fest. 13.000 Arbeitsplätze sollen allein in der Sparte Mobility zusätzlich entfallen, um die jährliche Kostenlücke von rund 2,5 Milliarden Euro zu kompensieren. „Auch ein Stiftungsunternehmen muss die Existenzsicherung im Blick behalten und kann betriebswirtschaftliche Realitäten nicht ignorieren”, so Hartung. Zugleich betonte der Unternehmenschef, dass die „unumgänglichen Maßnahmen” weiter im engen Austausch mit den Arbeitnehmervertretern und so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden sollen, „auch wenn das zunächst viel Geld koste”. Zum Ende des Jahres 2025 zählte Bosch rund 412.400 Beschäftigte und damit etwa 5.400 (rund ein Prozent) weniger als im Vorjahr. Hierzulande waren zum Stichtag noch 123.100 Menschen bei Bosch beschäftigt, was einem Rückgang von knapp 6.500 Personen (ca. 5 Prozent) entspricht.
Parallel dazu dreht der Konzern an weiteren Stellschrauben, um sein Kostenniveau zu stabilisieren. Stefan Hartung betont: „Wir arbeiten hart an unseren Sach- und Materialkosten, wir setzen KI noch intensiver ein, um unsere Produktivität zu erhöhen, und wir wägen jede Investition noch sorgfältiger ab als bisher.“ „Mit der Verbesserung unserer Kosten- und Wettbewerbssituation erwarten wir positive Auswirkungen auf die Rendite“, ergänzt Finanzchef Forschner, der jedoch gesamtwirtschaftlich keine Entspannung für das laufende Geschäftsjahr erwartet. „Vieles deutet auf eine leichte Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums hin. Der Wettbewerbs- und Preisdruck dürfte nochmals zunehmen und die gestiegenen Zölle sich erstmals im vollen Umfang auswirken“, so Forschner.
Große Chancen sehen die Verantwortlichen perspektivisch allerdings in der zunehmenden Vernetzung von Fahrzeugen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Marktdynamik im entscheidenden Feld der softwaregetriebenen Mobilität zunächst noch verhalten, dann aber vor allem im kommenden Jahrzehnt nachdrücklich beschleunigen wird“, erläutert Hartung. Dabei kommt das Vehicle Motion Management – eine Software zur zentralen Steuerung von Bremse, Lenkung, Antrieb und Fahrwerk – Unternehmensangaben zufolge schon jetzt sehr gut im Markt an. Ein zentraler Faktor ist auch in diesem Bereich der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Auf der diesjährigen CES in Las Vegas zeigte Bosch unter anderem einen KI-fähigen Hochleistungsrechner zur Realisierung eines KI-gesteuerten Auto-Cockpits. Bis Ende 2027 will das Unternehmen insgesamt 2,5 Milliarden Euro in KI investieren.