Personalanpassungen belasten das Konzernergebnis

Bosch verzeichnet ersten Verlust seit der Finanzkrise

Bosch_Zentrale_24Langfristig will der Technologiekonzern ein durchschnittliches jährliches Umsatzplus von sechs bis acht Prozent erreichen.  Foto: Bosch

Nachdem bereits die Zulieferer ZF und Aumovio negative Jahresberichte präsentierten, zog nun auch Bosch nach und bestätigte größtenteils die bereits im vorläufigen Jahresbericht verkündeten Zahlen. Der Gesamtumsatz stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 auf 91 Milliarden Euro. 2024 lag er noch bei 90,3 Milliarden Euro. 80 Prozent der Erlöse erwirtschaftete der Konzern dabei außerhalb von Deutschland. Während die Einnahmen in Europa leicht um 0,6 Prozent auf 44,2 Milliarden Euro zurückgingen, stiegen die Umsätze in Amerika (18,5 Milliarden Euro, +3,8 Prozent) und Asien-Pazifik (28,3 Milliarden Euro, +0,7 Prozent) leicht an. Die operative EBIT-Rendite lag mit 2 Prozent unter dem Vorjahreswert (3,5 Prozent). Wie schon im vorläufigen Geschäftsbericht antizipiert, belief sich der größte Teil des Umsatzes mit 55,8 Milliarden Euro auf die Sparte Mobility, in die unter anderem Lenk-, Brems- und Antriebssysteme sowie intelligente Fahrassistenz- und Energiemanagementsysteme fallen. Der Bereich Industrial Technology kam auf 6,5 Milliarden Euro, Consumer Goods verzeichnete einen Umsatz von 19,9 Milliarden Euro und Energy and Building Technology kam auf 8,4 Milliarden Euro. Das Ergebnis nach Steuern lag bei einem Verlust von 400 Millionen Euro, nachdem Bosch im Jahr 2024 noch einen Gewinn von rund 1,3 Milliarden Euro verbuchte. Damit hat der Automobilzulieferer den ersten Konzernverlust seit der Finanzkrise 2009 eingefahren.

Struktur- und Personalanpassungen zur Steigerung der Zukunftsfähigkeit belasteten das Ergebnis mit 2,7 Milliarden Euro in Form von Rückstellungen erheblich. Für die Sparte Mobility hatte das Bosch-Management im vergangenen Jahr bereits eine jährliche Kostenlücke von rund 2,5 Milliarden Euro identifiziert. Als Reaktion darauf passte der Zulieferer seine Prozesse auf verschiedenen Ebenen an und leitete Personalanpassungsmaßnahmen in die Wege. Diese sehen einen Wegfall von rund 13.000 Stellen insbesondere an den deutschen Mobility-Standorten vor. Wie es seitens des Konzerns hieß, gebe es bereits seit einiger Zeit in der Verwaltung und im Vertrieb wie auch in der Entwicklung und der Produktion deutliche Überkapazitäten aufgrund der stark rückläufigen Nachfrage. Zum Stichtag 31.12.2025 lag die Gesamtzahl der weltweit Beschäftigten in der Bosch-Gruppe bei 412.774 (2024: 417.859). Im Jahresverlauf büßte Deutschland 6.681 Stellen ein, 2.417 Stellenstreichungen fielen auf den Bereich Forschung und Entwicklung. In Asien-Pazifik wurde hingegen Personal aufgebaut. Dort kamen 4.992 Jobs hinzu.

Jahr des Aufbruchs

Für das laufende Geschäftsjahr setzt sich aus Sicht der Verantwortlichen die schwache konjunkturelle Entwicklung des Jahres 2025 fort. Hohe Unsicherheiten, vor allem durch geopolitische Entwicklungen mit den noch nicht abschätzbaren Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten, würden die Inflation und globale Wirtschaftsleistung weiter beeinträchtigen. Zudem bleibe ein anhaltend hoher Preis- und Wettbewerbsdruck. Dennoch konnte Bosch im ersten Quartal des Jahres den Umsatz in etwa auf Vorjahresniveau halten, wie die Konzernführung auf der Bilanzpressekonferenz verkündete. Für die Weltwirtschaft erwartet Bosch nur ein moderates Wachstum auf dem Niveau der Vorjahre.

Künftig will sich Bosch zudem stärker im Geschäft mit Software-defined Vehicles aufstellen. Die Verantwortlichen erwarten für den Markt mit Automobilsoftware bis 2030 ein Volumen von rund 200 Milliarden Euro und wollen unter anderem mit der „Bosch AI Extension Platform“, einem KI-fähigen Hochleistungsrechner, der in Verbindung mit einer „Interior Sensing“-Lösung das Autofahren zu einem hochpersonalisierten Erlebnis machen soll, Akzente setzen. „Bosch ist auf diesem Gebiet ganz vorne mit dabei – und rückt die KI jetzt wortwörtlich ins Blickfeld des Fahrers oder der Fahrerin", so Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Das Geschäft mit Antrieben soll dabei aber nicht in den Hintergrund treten. „Natürlich brauchen die Autos der Zukunft nicht nur Algorithmen, sondern auch Antriebe. Allein in diesem Jahr werden wir mehr als sieben Millionen Lösungen und Komponenten für das elektrische Fahren ausliefern“, erläutert Hartung. Um sich im Bereich der Technologien künftig besser aufstellen zu können, ordnete Bosch zudem einige Wochen zuvor die Führungsrollen im Technologieumfeld neu. Mathias Pillin, bislang CTO Bosch Mobility und Mitglied des Bosch-Mobility-Sektorvorstands, übernimmt künftig die Leitung des neuen Chief Technology Office der Bosch-Gruppe.

Langfristig will Bosch mit klaren Zielen wieder auf den Wachstumskurs zurückkehren: „2026 wird ein Jahr des Aufbruchs sein. Wir wollen auf allen für uns wesentlichen Märkten zu den Top-Drei-Unternehmen gehören. Wir wollen ein durchschnittliches jährliches Umsatzplus von sechs bis acht Prozent erreichen. Und wir wollen eine Rendite von mindestens sieben Prozent erwirtschaften. Das wird in der derzeitigen Lage etwas länger dauern als gedacht. Aber wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass wir diese Ziele sehr bald erreichen werden", bekräftigten Stefan Hartung und Finanzchef Markus Forschner abschließend anlässlich der Jahrespressekonferenz.

Mathias Pillin übernimmt als neuer Chief Technology Officer bei Bosch mehr Verantwortung. Foto: Bosch

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