Phase 1 in Delzijl startet mit sechs Reaktoren 

Circtec nimmt erste Ausbaustufe seiner Reifenrecyclinganlage in Betrieb 

Der niederländische König Willem-Alexander weihte die Circtec-Anlage mit der ersten Charge Altreifen persönlich ein. Der niederländische König Willem-Alexander weihte die Circtec-Anlage mit der ersten Charge Altreifen persönlich ein.   Foto: Circtec

Über die Pläne für Europas größte Reifenrecyclinganlage hatten Circtec und der Engineering-Dienstleister Bilfinger erstmals im Jahr 2024 informiert. Für das ambitionierte Projekt konnte sich Circtec in einer Finanzierungsrunde 150 Millionen Euro sichern, weitere 22,5 Millionen Euro Zuschuss kamen von der niederländischen Regierung. Die Anlage im Chemiecluster Delfzijl in der Nähe von Groningen basiert Unternehmensangaben zufolge auf Erfahrungen mit einer Pilotanlage in Polen. Diese wurden für die Skalierung des Prozesses von Bilfinger adaptiert und samt der benötigten Infrastruktur an einem Standort kombiniert. „Bilfinger hat unsere Technologie mit Professionalität und Präzision in eine vollwertige Anlage umgesetzt. Die Zusammenarbeit verlief reibungslos, und wir sind sehr stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben“, lobte Circtec-CEO Allen Timpany den Engineering-Partner. Kevin Pieterse, Vice President bei Bilfinger Engineering & Consultancy, ergänzte: „Um ein Projekt dieser Größenordnung innerhalb eines so kurzen Zeitrahmens zu realisieren, sind eine enge Zusammenarbeit und absolutes Vertrauen zwischen allen Beteiligten erforderlich. Dafür haben wir als ein integriertes Team mit Circtec zusammengearbeitet, von gemeinsamen Engineering-Sitzungen bis hin zu einer starken Präsenz vor Ort während der Bauphase.“

Offiziell eröffnet wurde die neue Anlage am 27. Januar in Person von König Willem-Alexander, der selbst die allererste Charge Altreifen in einen Pyrolysereaktor einfüllte. Gemeinsam mit dem König und weiteren politischen Amtsträgerinnen und Amtsträgern würdigte Sophie Hermans, stellvertretende Ministerpräsidentin der Niederlande und Ministerin für Klima und Grünes Wachstum, den Nachhaltigkeitsfaktor des Projekts: „Was wir hier bei Circtec sehen, ist grünes Wachstum in seiner besten Form. Jedes Jahr erhalten 200.000 Tonnen Altreifen – Abfall, der früher verbrannt wurde – ein zweites Leben als hochwertiger Rohstoff. Das ist Kreislaufwirtschaft im industriellen Maßstab. Gut für unser Klima, gut für unsere Wirtschaft und gut für die Ertragskraft der Niederlande.“

Royale Gratulation: König Willem-Alexander mit Circtec-CEO Allen Timpany.
Royale Gratulation: König Willem-Alexander mit Circtec-CEO Allen Timpany. Foto: Circtec

Langfristige Lieferverträge mit bp und Birla Carbon

Circtec plant, noch in diesem Jahr mit der zweiten Bauphase zu starten. Mit dieser soll die Anlage sukzessive bis zu ihrer finalen Kapazität von 200.000 Tonnen Altreifen pro Jahr erweitert werden. Diese Menge entspricht den Circtec-Verantwortlichen zufolge etwa sechs Prozent der jährlichen Altreifenmenge in Europa. Mehr als die Hälfte der Altreifen würde aktuell noch in Zementwerken verbrannt oder zur – häufig nicht sachgerechten und damit umweltschädlichen – Entsorgung nach Asien exportiert. Letzteres hat auch die Allianz Zukunft Reifen (AZuR) wiederholt kritisiert. In Delfzijl produziert Circtec mit seinem CIFR-Pyrolysekonzept aus den Altreifen Gase, Pyrolyseöl und Festkohle. Während der bp-Konzern das Öl abnimmt, besteht für die Festkohle eine langfristige Liefervereinbarung mit Birla Carbon. 

John Loudermilk, CEO des Ruß-Spezialisten, teilte mit: „Die Partnerschaft zwischen Birla Carbon und Circtec ist in den letzten Jahren gewachsen, und die Eröffnung dieser Anlage wird die Verfügbarkeit von Continua Sustainable Carbonaceous Material (SCM) in ganz Europa und auf Märkten weltweit verbessern. Wir werden diese Partnerschaft weiter ausbauen, unser Fachwissen teilen und unsere Kunden bei der Verwirklichung ihrer Nachhaltigkeitsziele unterstützen und gleichzeitig zu einer zirkuläreren Zukunft beitragen.“ Genau dafür warb auch Allen Timpany in seiner Rede anlässlich der Einweihung: „Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, diesen Erfolg weiter auszubauen. Damit diese Anlage andere hier in den Niederlanden und weit darüber hinaus dazu inspirieren kann, Abfall neu zu denken, Werte neu zu definieren und beharrlich, innovativ und mit strategischer Weitsicht auf eine nachhaltige und widerstandsfähige industrielle Zukunft hinzuarbeiten.“

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