Bereits in diesem Jahr soll der Verkauf des ContiTech-Geschäftsfelds Original Equipment Solutions (OESL) erfolgen. Den Umsatzausblick für das Geschäftsjahr 2025 für den Unternehmensbereich ContiTech reduziert das Management unter Berücksichtigung veränderter Wechselkurse. Durchaus alarmierend ist auch, dass das Conti-Management die Margenerwartung der Reifen-Division korrigiert: die prognostizierte EBIT-Marge wurde auf 12,5 bis 14,0 Prozent angepasst (zuvor 13,3 bis 14,3 Prozent). Der Konzern leidet auch unter den weltweit gestiegenen Handelsbarrieren. Vom strategischen Plan, künftig nur noch als resilienter Reifenhersteller aufzutreten, sollen laut dem Vorstandsvorsitzenden Nikolai Setzer aber alle Stakeholder profitieren. Die ursprüngliche unternehmerische Vision, ein Technologiekonzern, umfassender Mobilitätsdienstleister und Treiber einer neuen Mobilität zu sein, darf als gescheitert beurteilt werden. „Continental wird künftig erstmalig in ihrer Geschichte ein reiner Reifenhersteller, der sich auf Wertschaffung, Profitabilität, Cashflow und eine stabile Geschäftsentwicklung fokussiert“, formuliert Nikolai Setzer die eindeutige Marschroute.
Im Sinne der Aktionärinnen und Aktionäre spricht auch Finanzvorstand Olaf Schick im Rahmen des Kapitalmarkttags: „Unseren Plan verfolgen wir konsequent. Nach der Abspaltung von Automotive verfügt Continental weiterhin über ein hohes Wertsteigerungspotenzial. Wir streben eine attraktive Aktionärsrendite an.“ Es wird eines seiner letzten öffentlichen Statements in Diensten des Konzerns sein: Schick hatte im Juli 2024 den Finanzsektor bei Continental übernommen, aber bereits Ende des vergangenen Jahres erklärt, sein Mandat zum 30. September 2025 vorzeitig zu beenden. Er kehrt zur Mercedes-Benz Group AG zurück. Conti wird als Reifenhersteller künftig komplett auf Profitabilität getrimmt. Im Rahmen des Kapitalmarkttags wurden die Mittelfristpotenziale für den Konzern sowie die Unternehmensbereiche bekannt gegeben. Diese beziehen sich auf die Unternehmensaufstellung nach dem geplanten Spin-off von Automotive sowie dem angestrebten Verkauf des Geschäftsfelds OESL. ContiTech ist im Rahmen der Mittelfristpotenziale weiterhin als Teil von Continental berücksichtigt. In den nächsten 3 bis 5 Jahren erwartet Conti, einen Umsatz in einer Spanne von 19,5 bis 22,0 Milliarden Euro sowie eine bereinigte EBIT-Marge von 12,0 bis 14,5 Prozent zu erreichen.
Im Zuge des geplanten Spin-off des Unternehmensbereichs Automotive hat die Konzernführung bereits eine vorgesehene Erhöhung des Ausschüttungskorridors auf 40 bis 60 Prozent des Konzerngewinns (bisher: 20 bis 40 Prozent) an die Conti-Aktionärinnen und -Aktionäre kommuniziert. Nach dem Verkauf von ContiTech wird das künftige reine Reifenunternehmen aus dem Verkaufserlös die Ausschüttung einer Sonderdividende ebenso wie Aktienrückkäufe prüfen, heißt es in einer aktuellen Unternehmensmitteilung. Alles wird auf Rendite ausgerichtet – Continental als “fokussierter globaler Reifenhersteller mit ihrem margenstarken und resilienten Geschäftsmodell sowie einer effizienten globalen Aufstellung”.
Aumovio auf wert- und wachstumsorientierte Entwicklung fokussiert
Der Continental-Unternehmensbereich Automotive, der im September als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen Aumovio starten soll, hat ebenfalls im Rahmen des Kapitalmarkttags seine Ziele und seine Strategie vorgestellt. Aumovio soll den Umsatz langfristig auf über 24 Milliarden Euro (2024: 19,6 Milliarden Euro) steigern. Der Fokus liegt deutlich auf wachstumsstarken und wertsteigernden Technologien für das softwaredefinierte Fahrzeug sowie eine vernetzte und autonome Mobilität. Die in den vergangenen zwei Jahren gestarteten Transformationsprogramme haben laut dem Management bereits wesentlich zu Ergebnisverbesserungen beigetragen. Zusammen mit Maßnahmen zur Portfoliofokussierung wie dem Verkauf des Anbieters für Flottenmanagementlösungen Zonar oder des Trommelbremsenwerks in Italien habe der Unternehmensbereich trotz des herausfordernden Marktumfelds eine solide Basis für die künftige Wert- und Profitabilitätssteigerung. Langfristig zielt Aumovio auf eine bereinigte EBIT-Marge von 6,0 bis 8,0 Prozent (2024: 2,5 Prozent).