Bilanz der Sommerreifentest-Saison 2026

Continental dominiert, Vredestein enttäuscht erneut

SommerreifentestAutomotive Insights ordnet die abgelaufene Sommerreifentest-Saison ein.   Foto: Kay Lehmkuhl

Ein absolut gültiges Gesamtranking von Reifenmarken lässt sich nach Auswertung aller Sommerreifentests der Saison 2026 in diesem Segment natürlich nicht ermitteln – zu unterschiedlich sind die Schwerpunkte in den Testanordnungen, die gewählten Profile und Dimensionen sowie das Equipment und die tatsächliche Qualität der Prüfläufe. Eine indikatorische Kraft entfaltet der Gesamtblick auf die relevantesten Reifentests aber sehr wohl: in Bezug auf Konstanz, die generelle Performance-Qualität, die Faktoren Wirtschaftlichkeit, Laufleistung und Umweltbilanz sowie die Überraschungskandidaten im Reifenmarkt. Die Prüfungen folgender Testinstanzen bilden die Basis der Automotive-Insights-Auswertung der Sommerreifen-Testsaison 2026: ADAC, AutoBild, Motor Presse, AutoZeitung (GTÜ und ARBÖ), AvD und ACE. 

Dominator Continental PremiumContact 7

Wer die Ergebnisse in ihrer Gesamtheit betrachtet, erkennt eine deutliche Hierarchie – und einige bemerkenswerte Ausreißer nach oben wie nach unten. Die dominante Marke ist erneut Continental: Kein anderes Profil hat in der Saison 2026 mehr Testzusammenfassungen angeführt als der Continental PremiumContact 7. Er gewinnt den ADAC-Sommerreifentest in der Dimension 225/50 R17 mit der Gesamtnote 1,9 und setzt sich beim Vergleich der AutoZeitung (GTÜ/ARBÖ) in der Dimension 235/45 R18 an die Spitze – mit Bestnoten sowohl auf nasser als auch auf trockener Fahrbahn. Beim AutoBild-Test in der Größe 245/45 R19 erreicht das Profil Rang sechs, was angesichts des starken Gesamtfelds eine solide Leistung darstellt. Und im sportauto-Test belegt er einen starken vierten Platz. Noch eindrucksvoller ist das Ergebnis des Konzerngeschwistermodells SportContact 7 im sportscars-Vergleich der AutoBild: Rang eins mit Gesamtnote 1,2, getragen von „überragender Performance auf nasser wie trockener Piste" und kürzesten Bremswegen. Continental ist die zuverlässigste Marke dieser Testsaison – über Dimensionen, Testorganisationen und Bewertungsmaßstäbe hinweg.

Das stabile Spitzentrio: Pirelli und Goodyear immer dabei

Direkt hinter Continental zeigen Pirelli und Goodyear die konstanteste Präsenz in den vorderen Rängen. Der Pirelli Cinturato C3 fährt beim ADAC auf Rang zwei (Note 2,2), bei der AutoZeitung auf Rang drei und beim AutoBild-Haupttest ebenfalls auf einem geteilten vierten Platz – mit dem Prädikat „vorbildlich". Beim AvD-Test gewinnt er sogar den Gesamtvergleich. Pirelli ist der Ausgewogenheitsspezialist der Saison: Kein anderes Profil taucht so regelmäßig auf dem Treppchen auf, ohne in einer Einzeldisziplin zu dominieren. Goodyear bietet die wirtschaftlichsten Premiumprodukte im Feld. Der EfficientGrip Performance 2 gewinnt beim AvD erstmals das neu eingeführte Nachhaltigkeitslabel „Greenovation" – vor allem dank einer „weit überdurchschnittlichen Laufleistung". Beim ADAC fährt er auf Rang drei, beim sportauto-Test auf Platz zwei. Der Eagle F1 Asymmetric 6 der gleichen Marke belegt bei AutoBild Rang zwei und bei der AutoZeitung ebenfalls Rang zwei – mit klaren Trockenstärken und hoher prognostizierter Laufleistung.

Hankook und Giti: Die Überraschungen der Saison

Den Testsieg bei AutoBild in der „Königsdimension” 245/45 R19 Y holt sich der Hankook Ventus evo – und das mit Gesamtnote 1,1, dem besten Einzelresultat im gesamten AutoBild-Haupttest. Die Tester bescheinigen ihm „exzellentes Handling auf trockener und nasser Piste" sowie ein „sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis". Auch den Vergleich der Allrad-Beilage des Springer-Mediums entscheidet das Profil für sich. Dass Hankook bereits in den Vorjahren zunehmend als „günstige” Alternative zu den klassischen Premiummarken nachgefragt wurde, bekommt durch diese Siege weiteren Rückenwind. Die eigentliche Überraschung der Saison liefert jedoch der Giti-Konzern. Gleich zwei Profile des singapurischen Herstellers landen beim AutoBild-Test unter den „vorbildlichen" Kandidaten: Der GitiSport S2+ teilt sich mit dem Pirelli Cinturato C3 den vierten Platz, der Konzernbruder GT Radial SportActive 2 Evo fährt auf Rang acht – ebenfalls mit „gut". AutoBild resümiert: „Die Überraschung liefert Giti und hält Einzug in diesen elitären Kreis." Für den Fachhandel ist das eine relevante Botschaft. 

Michelin: Marke mit gemischter Bilanz

Die Ergebnisse von Michelin sind in dieser Saison uneinheitlich. Während der Pilot Sport 5 bei AutoBild noch die Gesamtnote 1,3 und das Prädikat „vorbildlich" holt, zeigt der Primacy 5 sowohl beim ADAC als auch bei der AutoZeitung deutliche Schwächen auf nasser Fahrbahn. Beim ADAC reicht es nur für Rang sieben, beim ACE-Test siegt der bereits ältere Pilot Sport 4S. Die AutoZeitung urteilt, Michelin bleibe „unter seinen Ansprüchen". Das EU-Reifenlabel ist hier kein verlässlicher Wegweiser: Der Primacy 5 erreicht beim ADAC die Bestnote in der Umweltbilanz – und scheitert trotzdem an einer Gesamtempfehlung in der oberen Liga.

Laufleistung: Das wichtigste Kriterium mit dem größten Gefälle

Kein Thema beschäftigt die Tester so intensiv wie die prognostizierte Laufleistung. Das Spektrum in der aktuellen Testsaison ist bemerkenswert weit: Zwischen dem Goodyear EfficientGrip Performance 2 (57.800 km, laut ADAC) und dem Vredestein Ultrac + (knapp über 30.000 km) liegt rechnerisch annähernd ein vollständiger Reifensatz. Das Vredestein-Profil liegt deutlich unter dem Marktdurchschnitt der Testteilnehmer – bereits der Vorgänger Ultrac wurde von ADAC und AutoBild wegen schwacher Laufleistung kritisiert. Das ist kein Ausrutscher, sondern offenbar ein Muster. Vergleichbares gilt für den Maxxis Premitra HP6, der bei der AutoZeitung eine prognostizierte Laufleistung von nur 29.000 Kilometern aufweist, sowie den Westlake Z-007 Zuper Ace (28.750 km). Gerade im Fachhandel, wo Preisargumentation zunehmend über Gesamtbetriebskosten läuft, ist dieses Kriterium verkaufsrelevant: Ein Reifen, der 50 Prozent länger hält, relativiert schnell einen höheren Kaufpreis.

Große Unterschiede identifiziert der ADAC erneut bei den Laufleistungskapazitäten der Sommerreifen. Grafik: ADAC

Methodik: Wer misst was – und wer nicht?

Die inhaltlich wertvollsten Tests der Saison sind jene, die Laufleistung systematisch erfassen: ADAC, AutoBild, AutoZeitung und AvD tun dies. Die Testorganisationen nutzen dabei unterschiedliche Methoden – von Rollenprüfstandstests über Labormessungen in Kooperation mit Reifenherstellern bis hin zu prognostischen Modellen auf Basis von Abriebmessungen. Die Meinungen hierzu haben wir in unserem Podcast gegenübergestellt. Kritischer zu sehen sind ACE, auto motor und sport sowie sportauto: Alle drei verzichten auf Laufleistungstests oder integrieren sie nur als Randgröße. Das ACE-Testfeld weist zudem eine so geringe Differenzierung auf, dass alle zehn Kandidaten mindestens „empfehlenswert" sind – als Entscheidungshilfe für den Fachhandel hat ein solches Ergebnis begrenzten Wert. auto motor und sport definiert „Umweltwertung" ausschließlich über Rollwiderstand und Geräusch – in Anlehnung an das EU-Reifenlabel, das die ADAC-Tester als unzureichende Kaufentscheidungsgrundlage bezeichnen.

Fazit: Was der Fachhandel mitnehmen sollte

Aus der Gesamtschau der Sommerreifentests 2026 lassen sich klare Empfehlungen ableiten. Die Marke Continental bietet die stärksten Argumente in jeder Beratungssituation: überragende Nässeperformance, starke Trockenwerte, hohe Laufleistung. Wer Wirtschaftlichkeit priorisiert, findet im Goodyear EfficientGrip Performance 2 die naheliegendste Option, da der Kilometervorsprung durchaus messbar und kommunizierbar ist. Pirelli ist eine sichere Empfehlung für alle, die ein ausgewogenes Gesamtpaket suchen. Auf der Warnstufe steht Vredestein – zum wiederholten Mal. Der Ultrac+ mag in Einzeldisziplinen überzeugen, seine Laufleistungsprognose disqualifiziert ihn jedoch in einer Marktlage, in der Reifenpreise gestiegen sind und Kundinnen und Kunden zunehmend auf den Gesamtnutzen achten. Westlake und Maxxis zeigen ähnliche Schwächen im Laufleistungssegment.

Die Markenbilanz der Sommerreifentestsaison 2026. Grafik: Automotive Insights

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