Kreislaufwirtschaft rund um Elektrofahrzeuge

Continental entwickelt Konzeptreifen aus über 40 Prozent recycelten Rohstoffen

Laut Konzern erzielt der Konzeptreifen Bestwerte im EU-Rollwiderstandslabel.  Foto: Continental

Schon seit längerem hat sich Continental vorgenommen, eine nachhaltige Reifenproduktion zu forcieren. Im Rahmen eines EU-Projekts mit 28 Projektpartnern hat der Reifenhersteller nun weitere Schritte bei der Verwendung von recycelten Rohstoffen gemacht. Das auf zwei Jahre angelegte und 2026 auslaufende EU-Projekt ZEvRA („Zero Emission Electric Vehicles Enabled by Harmonized Circularity“) zielt darauf ab, die Kreislaufwirtschaft von Elektrofahrzeugen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu optimieren. Im Rahmen dessen hat Continental einen Konzeptreifen entwickelt, der zu rund 43 Prozent aus recycelten Materialien bestehen soll. Mit ihm will der Reifenhersteller das Potenzial innovativer Materialansätze verdeutlichen, aber auch zeigen, dass für die Skalierung von Recyclingtechnologien im industriellen Maßstab verlässliche Rahmenbedingungen erforderlich sind. Der Konzeptreifen besteht laut Presseinformationen unter anderm aus recyceltem Tallöl, Stahl, Kautschuk aus Altreifen sowie Polyestergarn aus recycelten PET‑Flaschen. Continental setzt zudem auf Technologien wie Pyrolyse, bei der Materialien wie Industrieruß (rCB) aus Altreifen zurückgewonnen werden und dadurch für die Wiederverwendung verfügbar sind. Seit 2023 wird der recyclte Industrieruß laut Pressinformationen am Standort Korbach in allen neu produzierten Vollgummireifen eingesetzt. Die Reifen kömen dabei vor allem in Gabelstaplern zum Einsatz. Ergänzend werde Sand, der beispielsweise in Gießereien als Reststoff anfällt (rSand), in einem Recyclingprozess genutzt, um daraus eine alternative Silica-Variante herzustellen.

„Kreislauforientierte Materialien können Ressourcen, Energie und Treibhausgasemissionen einsparen. Sie sind ein wesentlicher Baustein für eine nachhaltigere Mobilität“, sagt Dr. Andreas Topp, Leiter Plattformentwicklung und Industrialisierung im Pkw‑Reifenbereich von Continental. Weiter führt er aus: „Wir verfügen über umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung leistungsfähiger Materialien aus erneuerbaren und recycelten Quellen. Unser Konzeptreifen zeigt, was heute technisch möglich ist, und gibt zugleich Impulse für die nächsten Schritte.“ Die aus dem Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen die Grundlage für die weitere Entwicklung entsprechender Materialien und Technologien bei Continental bilden. Im Fokus stehen dabei laut Konzernangaben insbesondere die industrielle Verfügbarkeit geeigneter Recyclingmaterialien, ihre Verarbeitung sowie die Skalierung der Herstellungsprozesse. Ziel sei es, den Einsatz recycelter Materialien in zukünftigen Reifengenerationen weiter auszubauen.

Klare regulatorische Rahmenbedingungen nötig

Das Beispiel von zurückgewonnenem Industrieruß zeige, dass Recyclinglösungen bereits heute einsetzbar seien. Gleichzeitig befinden sich viele Verfahren noch in der Industrialisierung. „Das ZEvRA‑Projekt zeigt, dass technologischer Fortschritt nur dann seine volle Wirkung entfalten kann, wenn verlässliche und abgestimmte Rahmenbedingungen Planungssicherheit schaffen und den Markthochlauf neuer Verfahren unterstützen“, erläutert Topp. So seien europaweit einheitliche Definitionen für recycelte Materialien sowie klar festgelegte Kriterien, wann aufbereitete Stoffe als recycelte Rohstoffe gelten, erforderlich. Ebenso wichtig sind laut Continental Technologieoffenheit und der weitere Ausbau von Recyclingtechnologien und entsprechender Infrastruktur, um ausreichend Mengen hochwertiger recycelter Rohstoffe bereitstellen zu können. Belastbare Lieferketten und international abgestimmte Verfahren zur Anrechnung von Stoffströmen seien weitere zentrale Voraussetzungen für den breiten Einsatz recycelter Materialien.

„Der nächste Schritt besteht darin, innovative Recyclinglösungen im industriellen Maßstab zu etablieren und geschlossene Stoffströme aufzubauen. Nur so lässt sich die Transformation hin zu einer ressourcen- und klimafreundlichen Kreislaufwirtschaft beschleunigen“, sagt Jorge Almeida, Leiter Nachhaltigkeit des Reifenbereichs von Continental. Er fügt hinzu: „Ein einheitlicher Ansatz für Berechnung und Berichterstattung sollte in engem Dialog zwischen politischen Entscheidungsträgern und Stakeholdern entwickelt werden. Wenn er regulatorisch umgesetzt wird, muss er einfach, transparent und für Verbraucher leicht verständlich sein, um echten Fortschritt zu fördern, anstatt unnötige Bürokratie zu schaffen.“ Neben recycelten Materialien spielen auch erneuerbare Rohstoffe eine wichtige Rolle. Im Konzeptreifen liegt ihr Anteil laut Continental bei rund 13 Prozent. Weitere etwa 25 Prozent basieren auf massenbilanzzertifizierten Materialien. Zusammen mit dem Anteil recycelter Materialien von rund 43 Prozent stammen damit insgesamt mehr als 80 Prozent der im ZEvRA-Konzeptreifen eingesetzten Materialien aus recycelten, erneuerbaren oder massenbilanzzertifizierten Quellen, so der Konzern

Ein einheitlicher Ansatz für Berechnung und Berichterstattung müsse in engem Dialog mehrerer Parteien entwickelt werden, so Jorge Almeida, Leiter Nachhaltigkeit des Reifenbereichs von Continental. Foto: Continental

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