Continental diversifiziert eigenen Angaben zufolge mit dieser Investition seine Energieversorgung, verbessert die Kostenwettbewerbsfähigkeit des Reifenwerks in Korbach und macht sich so unabhängiger von den Energiemärkten. Die drei geplanten Windenergieanlagen sollen künftig gemeinsam mit den bereits bestehenden Photovoltaikanlagen rund zwei Drittel des Strombedarfs des Produktionsstandortes decken. Die Windkraftanlagen erzeugen laut Conti-Mitteilung jährlich etwa 55 Gigawattstunden Strom – dies entspreche, bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von etwa 3.500 Kilowattstunden, dem Bedarf von rund 15.000 Haushalten. Das Investitionsvolumen soll sich im mittleren zweistelligen Millionenbereich bewegen. Der Baubeginn ist noch für dieses Jahr avisiert, die Inbetriebnahme ist etwa anderthalb Jahre später geplant.
„Mit eigenen Windrädern in der Nähe des Werks gewinnen wir Planungssicherheit bei den Energiekosten und machen uns unabhängiger von schwankenden Energiemärkten – entscheidende Faktoren für eine wettbewerbsfähige Reifenproduktion in Deutschland. Dies passt zu unserer globalen Strategie des Ausbaus der unternehmenseigenen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und wird als Vorbild für andere Standorte weltweit dienen“, sagt Dr. Bernhard Trilken, Leiter Produktion und Logistik des Reifenbereichs von Continental. Die Reifenproduktion erfordert einen erheblichen Teil ihrer Energie für das Mischen der Kautschukrohstoffe und das Formen der Bauteile im sogenannten Extrusionsverfahren. Der geplante Windpark in Twistetal bei Korbach soll dazu beitragen, einen weiteren Teil des Strombedarfs des Werks mit erneuerbarer, standortnah erzeugter Energie zu decken. Der erzeugte Strom wird direkt in der Reifenproduktion verwendet. Im Reifenwerk in Korbach fertigt Continental Pkw-, Motorrad-, Fahrrad- und Industriereifen. Am Standort sind rund 2.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.
Der Reifenhersteller aus Hannover prüft weltweit die Eignung seiner Reifenwerke für vergleichbare Projekte. Klaus Ohlwein, Leiter des Continental-Reifenwerks in Korbach, teilt mit: „Das Projekt ist ein wichtiger Baustein unserer Nachhaltigkeitsmaßnahmen am Standort und zeigt, wie sich industrielle Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Energienutzung in Deutschland erfolgreich verbinden lassen.“ Seit 2020 deckt Continental ihren weltweiten Strombedarf stärker mit erneuerbaren Energien ab, gestützt auf langfristige Lieferverträge für erneuerbare Energien und die eigene Stromerzeugung vor Ort. Der Konzern hat durch die Umstellung auf emissionsärmere Energieträger in den vergangenen vier Jahren die absoluten Emissionen in der Reifenproduktion eigenen Angaben zufolge um rund 180.000 Tonnen CO₂ reduziert. Zu Jahresbeginn 2026 vermeldete Continental, die Nutzung von Kohle und Schweröl an allen Produktionsstandorten vollständig eingestellt zu haben. Seitdem setzen alle Reifenwerke alternative Energiequellen ein, um den für die Reifenherstellung benötigten Dampf und die Wärme für Heizzwecke zu erzeugen. Der. Mix beinhaltet Strom aus erneuerbaren Quellen, Biomasse und Biogas sowie Flüssiggas (LPG) und Erdgas.