Auslöser für die Bestrebungen sind steigende regulatorische Anforderungen und der Druck, Umwelteinträge durch Reifen zu senken, wie Automotive Insights auch anderer Stelle aktuell berichtet. Laut aktueller ADAC-Auswertung auf Basis von 160 Produkten emittieren Continental-Reifen im Durchschnitt elf Prozent weniger Abrieb als der Durchschnitt der Wettbewerbsmodelle. Die jetzt vorgestellten Messdaten, die mittels hochauflösender Partikelsensoren gesammelt werden, sollen weitere Optimierungen ermöglichen. „Die Daten zu Menge, Größe und Struktur der Partikel ermöglichen eine noch gezieltere Optimierung von Reifendesigns und Gummimischungen – ohne Kompromisse bei Sicherheit und Leistung“, erläutert Dr. Matthias Haufe, Leiter Materialentwicklung und Industrialisierung im Reifenbereich.
Das Analyseverfahren stammt aus dem Forschungsprojekt OLRAP, das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert wurde. Dabei kam ein Messfahrzeug zum Einsatz, das luftgetragene Partikel direkt am Fahrzeug sammelt und diese zeitgenau mit Fahrdynamik, Fahrbahnoberflächen und Wetter verknüpft. Der Einsatz eines Multisamplers ermöglichte zudem Probenentnahmen zu spezifischen Fahrsituationen. „Die hochkomplexe Versuchsanordnung mit zeitgleichen Messungen an verschiedenen Punkten unseres Testfahrzeugs lieferte enorme Datenmengen“, erklärt Dr. Benjamin Oelze, Leiter der Entwicklung von Prüfverfahren für Reifenabrieb. Die Auswertung zeige unter anderem klare Zusammenhänge zwischen Abriebkonzentration, Geschwindigkeit und auftretenden Beschleunigungen. Solche Erkenntnisse könnten künftig auch in Verkehrs- und Fahrzeugsteuerungssysteme einfließen.
Vorbereitung auf Euro-7-Norm
Continental verweist darauf, dass Reifenabrieb nie vollständig vermeidbar sein wird, da Grip und Reibung sicherheitskritische Größen bleiben. Gleichzeitig betont das Unternehmen, dass das Reifendesign der größte von Herstellern beeinflussbare Faktor sei. So erzeugt die EcoContact-6-Reihe laut Unternehmensangaben rund 30 Prozent weniger Abrieb pro Kilometer und bietet 20 Prozent mehr Laufleistung als das Vorgängermodell. Der Hersteller engagiert sich außerdem im „Tire Industry Project“ und im vom Bundesforschungsministerium geförderten RAU-Projekt, das Filtersysteme für Abflüsse entwickelt hat. Die Forschungsergebnisse sollen helfen, künftige Vorgaben zu erfüllen – darunter die Euro-7-Norm, die ab 2028 erstmals Grenzwerte für Reifenabrieb festlegt.