Einigung auf „Transformationspaket”

ContiTech schafft trotz Stellenabbau „Perspektiven an deutschen Standorten”

ContinentalVom geplanten Stellenabbau bei ContiTech ist überwiegend die Verwaltung in Hannover betroffen.  Foto: Continental

Im Herbst 2025 hatten die ContiTech-Verantwortlichen um Philip Nelles Überlegungen für einen abermals verschärften Sparkurs vorgelegt. Dass das Ziel von jährlichen Einsparungen von 150 Millionen Euro ab 2028 unter anderem über den weiteren Abbau von Arbeitsplätzen erreicht werden sollte, stand in diesem Zuge bereits fest. Offen war lediglich noch der Umfang der Maßnahmen. Auf diesen hat sich ContiTech nun mit Vertretern der IG BCE und des Betriebsrats geeinigt: „Die Vereinbarung regelt den sozialverantwortlichen Abbau von etwa 1.600 Stellen in Deutschland. Ein Teil der betroffenen Tätigkeiten wird in Länder mit wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen verlagert. Weltweit sind etwa 3.000 Stellen betroffen”, heißt es in einer aktuellen ContiTech-Mitteilung. Schwerpunkte des Stellenabbaus sind die Verwaltungen der Geschäftsfelder und des Unternehmensbereichs, die überwiegend in Hannover angesiedelt sind.

Teil der Übereinkunft – deren Umsetzung bereits am 8. Mai startet – sind ein umfangreicher Interessenausgleich sowie ein detaillierter Sozialplan. Diesen wertet man auf Arbeitnehmerseite durchaus als Erfolg, wie Matthias Tote, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats Rubber, erläutert: „Wir haben in extrem schwierigen Verhandlungen die inhaltlich besten Vereinbarungen in der Geschichte der Rubber-Continental erreicht. Bei Continental sollen bis mindestens Ende 2030 mit Instrumenten wie z.B. einem sehr gut ausgestatteten Freiwilligenprogramm, Vorruhestandslösungen, Ring‑Tausch oder Job-Drehscheiben betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden.”

Mitbestimmung bei der Auswahl eines neuen ContiTech-Eigentümers

Im ContiTech-Management ist man überzeugt davon, dass die Maßnahmen „unabhängig von der künftigen Eigentümerschaft von ContiTech zu dessen Wettbewerbsfähigkeit beitragen”. Ziel ist es, das mittel- und langfristige Potenzial des Unternehmens für industrielle Anwendungen zu entfalten. Aktuell beschäftigt ContiTech weltweit mehr als 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon etwa 7.700 in Deutschland. Für die Zukunft des Unternehmens hierzulande haben sich alle Beteiligten ferner auf einige zentrale Eckpunkte verständigt. Diese umfassen laut IG BCE unter anderem ein Bekenntnis zum Standort Deutschland und Investitionen in die deutschen Standorte. Aus- und Weiterbildungsinitiativen sollen fortgeführt werden. Zudem werden die Arbeitnehmervertreter in die Auswahl eines Käufers für ContiTech eingebunden. 

„Das Unternehmen hat die Entscheidungen zum Verkauf von ContiTech sowie den Abbau von mehr als 1.500 Stellen getroffen. Das können wir nicht verhindern. Aber wir haben uns mit unseren Forderungen durchgesetzt: Ein umfangreiches Transformationspaket schafft Perspektiven an deutschen Standorten. Die Vereinbarungen lindern die Folgen für die vom Stellenabbau betroffenen Beschäftigten. Die Tarifbindung bleibt erhalten, es wird keine außertariflichen „Billiglösungen“ geben. Mitbestimmung und alle Vereinbarungen auf Konzern-, Rubber- und Standort-Ebene gelten weiter. Das Paket kann sich also bei allem Schmerz sehen lassen", resümiert IGB-CE Hauptvorstandsmitglied Francesco Grioli.

Continental baut Warenlager in Mount Vernon

Investitionen tätigt der Mutterkonzern Continental AG derweil in den USA. In Mount Vernon/Illinois errichtet der künftig reine Reifenhersteller ein automatisiertes Fertigwarenlager. Die geplanten Investitionen belaufen sich laut Unternehmensangaben insgesamt auf rund 76 Millionen US-Dollar. Das Lager ist darauf ausgelegt, vor allem die Nachfrage in Nordamerika zu bedienen, es wird eine Fläche von über sechs American-Football-Feldern umfassen und soll rund 500.000 Pkw-Reifen aufnehmen. Der Baubeginn ist für den Sommer 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant. „Unser neues hochautomatisiertes Fertigwarenlager unterstreicht unsere Wachstumsambitionen in Nordamerika“, sagt Tansu Işık, Leiter des Reifengeschäfts von Continental in der Region Americas. Nik Pearce, Leiter des Continental-Reifenwerks in Mount Vernon, äußert sich: „Wir modernisieren stetig unsere Abläufe und machen unsere Werklogistik effizienter. Gleichzeitig stärken wir unsere Aktivitäten auf lokaler Ebene und schaffen neue Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ In Mount Vernon steht das größte Reifenwerk von Continental in den Vereinigten Staaten. 

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