Wie der Recycling-Spezialist mitteilt, umfasst die Übernahme die örtliche Verarbeitungslinie und das Gebäude sowie das zugehörige Grundstück. Nach verschiedenen Umweltproblemen vor Ort und der Insolvenz der Roth International GmbH im vergangenen Jahr ist der Standort aktuell stillgelegt. Parallel dazu läuft laut OberpfalzEcho ein Verfahren – unter anderem wegen illegaler Müllverbringung – gegen den Unternehmer Michael Roth. Als neuer Eigentümer des Geländes trägt cylib eigenen Angaben zufolge die volle operative, umweltrechtliche und sicherheitstechnische Verantwortung für den Standort. Vorbehaltlich der erforderlichen Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) will cylib die Anlage „nach eigenen Standards und in enger Abstimmung mit den bayerischen Behörden” im vierten Quartal dieses Jahres wieder in Betrieb nehmen. Das Erreichen der vollen Jahreskapazität von 10.000 Tonnen ausgedienter Elektrofahrzeug-Batterien wird bis Ende 2027 erwartet.
Dr. Lilian Schwich, Co-CEO und Mitgründerin von cylib, führt zur Bedeutung der neuen Anlage aus: „cylib steht für ein Batterierecycling, das die gesamte Wertschöpfungskette abbildet – von der ausgedienten Batterie bis zum hochwertigen kritischen Rohstoff. In unserer Pilotanlage in Aachen haben wir gezeigt, dass wir die gesamte Prozesskette beherrschen. In Dormagen entsteht gerade unser Standort für die hochwertige Rohstoffrückgewinnung aus Schwarzmasse. Mit der Übernahme in Bayern schließen wir die Lücke davor: Hier gewinnen wir künftig diese Schwarzmasse aus Altbatterien – im Industriemaßstab."
Knotenpunkt im cylib-Netzwerk
Die Nutzung bestehender Kapazitäten für die eigenen Geschäftsaktivitäten folgt dabei nach Aussage der Verantwortlichen auch dem eigenen Nachhaltigkeitsanspruch. „Vorhandene Infrastruktur zu ertüchtigen, statt neue Flächen zu erschließen, reduziert sowohl den ökologischen Fußabdruck der Skalierung als auch die Zeit bis zur Inbetriebnahme”, heißt es diesbezüglich in einer cylib-Mitteilung. Perspektivisch soll der auf Entladung, Demontage und mechanische Aufbereitung ausgelegte Standort in Wernberg-Köblitz zum ersten Knotenpunkt im Erfassungs- und Aufbereitungsnetzwerk des Unternehmens werden. Die vor Ort gewonnene Schwarzmasse soll im Dormagener cylib-Werk anschließend zu kritischen Rohstoffen – darunter Lithium, Graphit, Nickel, Kobalt und Mangan – veredelt werden.
„Mit dem Aufbau großskaliger Verarbeitungskapazitäten können wir unseren Kunden und Partnern – darunter OEMs, Tier-1-Zulieferern und Batterieherstellern – eine noch bessere Schnittstelle und ein umfassenderes Angebot bieten", unterstreicht Dr. Gideon Schwich, Co-CEO und Mitgründer von cylib. „Diese Übernahme ist ein weiterer Schritt auf unserem langfristigen Wachstumspfad. Diesen Standort verantwortungsvoll wieder in Betrieb zu nehmen, ist eine Aufgabe, der sich unser Team mit vollem Einsatz widmet."