ZDK-Halbjahresumfrage sieht Handel unter Druck

„Das Werkstattgeschäft hält die Branche stabil”

Werkstatt, AutoserviceRund 45 Prozent der Betriebe melden dem ZDK eine unveränderte Auftragslage im Reparatur- und Wartungsgeschäft.  Foto: Daniel Lorenz

Für das jüngste Stimmungsbild hat der ZDK knapp 400 – mehrheitlich kleine und mittlere – Autohäuser und Werkstätten befragt. Verbandspräsident Thomas Peckruhn nutzt die Ergebnisse der Befragung für einen abermaligen klaren Appell: „Die Betriebe stellen sich auf die Veränderungen im Markt ein und treiben den Wandel aktiv voran. Gleichzeitig müssen sie mit steigenden Kosten, knappen Margen und hohen Investitionsanforderungen umgehen. Umso wichtiger ist, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam für Rahmenbedingungen sorgen, die diesen Anpassungsprozess nicht bremsen, sondern Investitionen und unternehmerisches Handeln ermöglichen.“ Als besonders herausfordernd gestaltet sich demnach die Situation im Handel. 44 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage schlechter oder eher schlechter als zu Jahresbeginn, nur 18 Prozent sehen eine Verbesserung. Auch bei den Umsatzerwartungen überwiegt der Pessimismus: 45 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, 22 Prozent mit einer Verbesserung. „Höhere Kosten, geringe Margen und regulatorische Belastungen für die Betriebe treffen auf eine weiterhin zurückhaltende Nachfrage“, bringt Peckruhn die Lage auf den Punkt. 

Resilienter zeigt sich hingegen das Reparatur- und Wartungsgeschäft – und damit ein zentraler Bereich des automobilen Aftermarkets, der bei der anstehenden Automechanika im Mittelpunkt steht. Rund 45 Prozent der Betriebe melden dem ZDK eine unveränderte Auftragslage, etwa 26 Prozent eine Verbesserung und knapp 30 Prozent eine Verschlechterung. „Aftersales, Teilegeschäft und Kundenbindung bleiben damit wichtige Ertragssäulen, stehen aber ebenfalls unter Kosten- und Margendruck”, resümiert der Verband. Thomas Peckruhn führt aus: „Das Werkstattgeschäft hält die Branche stabil. Auf der bevorstehenden Automechanika in Frankfurt – der Leistungsschau der Branche – zeigt sich, wie stark sich der Aftermarket verändert: neue Antriebe, Digitalisierung und intelligente Werkstattlösungen stellen die Betriebe vor neue Aufgaben.“

Stromer trotz bestehender Vorbehalte auf dem Vormarsch

Positive Impulse auf Handelsseite kommen derweil zumindest seitens der E-Mobilität, deren Marktdynamik zuletzt deutlich zulegen konnte. Aus diesem Grund hebt der ZDK seine E-Auto-Prognose deutlich an und rechnet für 2026 nun mit rund 817.000 neuen vollelektrischen Fahrzeugen (BEV). Insbesondere der private BEV-Markt kann sich laut der aktualisierten Prognose mit mehr als 370.000 Neuzulassungen gegenüber 2025 nahezu verdoppeln. Mit Blick auf den Pkw-Gesamtmarkt erkennen die Verantwortlichen eine Verschiebung von Verbrennerfahrzeugen hin zu elektrischen Antrieben, weshalb die Einschätzung von rund 2,95 Millionen Neuzulassungen im Jahresverlauf bestätigt wird. „Der E-Auto-Markt gewinnt deutlich an Akzeptanz und Nachfrage. Die Kaufprämie setzt dabei erkennbare zusätzliche Impulse und trägt dazu bei, die Nachfrage gerade bei privaten Kunden anzureizen“, sagt Peckruhn. „Für einen nachhaltigen Markthochlauf reicht Förderung allein aber nicht. Entscheidend ist, dass Elektroautos beim Kauf und bei den laufenden Kosten bezahlbar sind.“

Elektromobilität
E-Autos werden immer beliebter – ein Knackpunkt bleiben jedoch die Lademöglichkeiten. Foto: Mediaparts – stock.adobe.com

Letzteres gilt derweil nicht nur für Stromer: Mehr als drei Viertel der von der puls Marktforschung GmbH im Auftrag des ZDK befragten Autokaufinteressenten geben an, bei der nächsten Fahrzeuganschaffung stärker auf niedrige Kosten achten zu wollen. 64 Prozent ziehen zudem eher ein Gebraucht- statt ein Neufahrzeug in Betracht. Das wiederum dürfte auch damit zu tun haben, dass das Angebot an Neuwagen unter 20.000 Euro laut einer ADAC-Untersuchung zuletzt deutlich geschrumpft ist. Ein Auto ist zudem auch im laufenden Betrieb ein Kostenfaktor, dessen exakte Größe jedoch nicht immer ganz leicht im Blick zu halten ist. Genau das war Thema unseres Podcast-Interviews mit Florian Ritzel, der mit der App Marlow radikale Kostentransparenz rund um das eigene Fahrzeug verspricht. 

Preisliche Überlegungen sind laut der puls-Umfrage dann auch der Hauptgrund, warum potenzielle Kaufinteressenten zu einem E-Auto tendieren: Jeder Zweite nennt hohe Kraftstoffpreise bzw. die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Kraftstoffpreise als Grund für den Wechsel der Antriebsart. Nichtsdestotrotz sind Benziner für 31 Prozent der Befragten die bevorzugte Antriebswahl. Reine Stromer präferieren 28 Prozent, eine Kombination beider Möglichkeiten in Form eines Plug-in-Hybrids 18 Prozent. Umgekehrt schließen 41 Prozent einen Diesel als nächstes Fahrzeug aus, während für 31 Prozent kein BEV und für 30 Prozent keine sonstige Option wie etwa ein Gas- oder Wasserstoffantrieb infrage kommt. Ein zentraler Faktor vor dem Wechsel auf ein BEV bleibt die Alltagstauglichkeit: 80 Prozent der BEV-interessierten Kaufwilligen möchten ein Elektroauto laut der puls-Befragung vor dem Kauf mehrere Tage im Alltag testen.

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