wdk-Herbsttagung 2025

Deutsche Kautschukindustrie zwischen Pragmatismus und Realismus

wdk-Herbsttagung 2025 FrankfurtMit Dr. Hoch’s Konservatorium wählte der wdk abermals eine besondere Frankfurter Location für seine Herbsttagung.  Foto: Daniel Lorenz 

Passend zum diesjährigen Tagungsort Dr. Hoch's Konservatorium stellte der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (wdk) das Treffen unter das Motto „Wo die Musik spielt”. Damit die Musik auch in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Umfeld weiterhin in Deutschland spielt, sind nach Meinung der wdk-Verantwortlichen strukturelle Anpassungen seitens der Politik vonnöten. Insbesondere hinsichtlich eines empfundenen Übermaßes an Bürokratie und Regulierung hatte sich der Verband im Laufe des Jahres gleich mehrfach zu Wort gemeldet. Besonders im Fokus dabei: Die EU-Entwaldungsverodnung (EUDR). Zu dieser konnte Dr. Veronika Beer, in der wdk-Geschäftsstelle zuständig für Nachhaltige Entwicklung, den Anwesenden in Frankfurt kaum Neues berichten. „Die EUDR sieht im Wesentlichen aus wie 2024, nur noch komplizierter", so das nüchterne Fazit von Dr. Beer, die vor einem Abschied vom wdk steht. Entsprechend wird die Vorgabe, die bereits zum kommenden Jahr Gültigkeit erlangen könnte, den Verband auch nach ihrem Ausscheiden weiterhin beschäftigen. 

Michael Klein, wdk
Engagierter Verfechter der Interessen der deutschen Kautschukindustrie: wdk-Präsident Michael Klein. Foto: wdk 

Dass die Interessenvertretung gegenüber der Politik zu seinen Hauptaufgaben zählt, machte auch der seit 2023 amtierende wdk-Präsident Michael Klein deutlich: „Es geht darum, unsere Interessen nach vorne zu bringen und im Konzert mit anderen Verbänden zu wirken.” Dafür hat sich der wdk mit anderen Initiativen auf europäischer Ebene vernetzt und agiert mit diesen gemeinsam unter dem neuen Namen EURubb. Doch auch hierzulande erwartet Klein mehr Tempo von der Politik. Hinsichtlich der Ankündigungen von Kanzler Merz gelte es, vom „Herbst der Reformen” zum „Winter der Umsetzung" zu gelangen. Zugleich appellierte Klein an die anwesenden Mitglieder, mit Blick auf die eigenen Belange verstärkt das Gespräch mit ihren regionalen Abgeordneten zu suchen. Diesem Aufruf schloss sich auch wdk-Vizepräsidentin Maria Röttger an. „Wir müssen möglichst alle Ebenen bespielen und in unseren Forderungen dabei möglichst konkret sein”, sagte die Präsidentin und CEO der Region Michelin Europa Nord. Dass der Verband und die hiesige Kautschukindustrie auf politischer Seite durchaus wahrgenommen werden, betonte der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori, der zu Beginn der Tagung digital zugeschaltet war. Der SPD-Politiker warb für einen „engen Dialog”, um gemeinsam „den Ausgleich zwischen ökonomischer Vernunft, sozialer Verantwortung und ökologischer Notwendigkeit” zu schaffen. 

Boris Engelhardt, Maria Röttger und Michael Klein wdk
Sehen mit Blick auf die hiesigen Standortbedingungen die Politik am Zuge (v.l.n.r.): Boris Engelhardt, Maria Röttger und Michael Klein (alle wdk). Foto: Daniel Lorenz

Herausforderungen erkennen

Jenseits regulatorischer Zwänge sieht der wdk seine Mitglieder auch durch geopolitische Veränderungen herausgefordert. Mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine hat sich mit Russland einer der zuvor wichtigsten Lieferanten für Ruß und Synthesekatuschuk selbst disqualifiziert und internationale Lieferketten durcheinander gewirbelt. Dr. Marcus Matthias Keupp von der ETH Zürich betonte in diesem Zusammenhang die wachsende Bedeutung von Sekundärrohstoffen, mahnte aber zugleich auch einen „neuen Realismus” an. Ähnlich äußerte sich auch André Loesekrug-Pietri als Vorsitzender der Joint European Disruptive Initiative (JEDI). Seinen Ausführungen zufolge sei es zunächst notwendig, die besondere Komplexität und Schwierigkeit der gegenwärtigen Situation anzuerkennen: „Das ist weniger eine Frage von Optimismus oder Pessimismus als von Realismus.”

Ganz realistisch beschrieb dann auch Dr. Kay Thielemann von Roland Berger die Lage der deutschen Automobilindustrie und ihrer Zulieferer. Während der Umsatz der Fahrzeughersteller in den letzten Jahren weitgehend stagniere, sinke die EBIT-Marge, was wiederum zu weniger Investitionen und damit auch weniger Innovation führe. Seine Lösung: Den vielzitierten „China-Speed” adaptieren, Potenziale im Aftersales-Segment nutzen und den zuletzt etwas weniger im Vordergrund stehenden Bereich Nachhaltigkeit gezielt angehen. Mit dem dringenden Rat an die wdk-Mitglieder, als Basis für den großflächigen Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) die Digitalisierung in ihren Unternehmen voranzutreiben, schlug Thielemann die Brücke zum folgenden Redebeitrag. 

Chancen durch KI

Claudia Effmert von Smart in AI referierte über die Potenziale von KI und die Bedingungen für deren erfolgreichen Gebrauch. Zunächst müsse die technische Grundlage für KI geschaffen werden, während zudem Schulungen der Mitarbeitenden notwendig seien. „Die Qualität der KI-Ergebnisse hängt direkt von der Qualität der Eingaben ab”, unterstrich die Expertin. Ferner sollten Unternehmen sich der Grenzen der KI bewusst sein. Um den Erfolg des KI-Einsatzes zu bewerten, sei der Kundennutzen der zentrale Faktor. 

Dr. Veronika Beer, Michael Berthel wdk
Dr. Veronika Beer und Michael Berthel gaben einen Ausblick auf das kommende Jahr. Foto: Daniel Lorenz 

Dass Künstliche Intelligenz kurz- und mittelfristig zweifelsohne zu den Impulsgebern für die Kautschukindustrie zählen wird, verdeutlichte Michael Berthel in seinem Marktausblick. Auch in den Bereichen Automatisierung & Robotik, Quantencomputing, Medizin & Healthcare, Infrastruktur sowie Verteidigung sieht der wdk-Chefvolkswirt Potenziale in den kommenden Jahren. Darüber hinaus erwarten alle wichtigen Kautschukabnehmer Zuwächse im kommenden Jahr, wobei das laut Berthel vornehmlich an den „desaströsen Vergleichswerten” liege. Verbandspräsident Michael Klein unterstrich dennoch seine Zuversicht beim Blick in die Zukunft. Hoffnung mache ihm die Produktqualität in den Unternehmen der wdk-Mitglieder sowie deren technologische Innovationskraft. „Ich bin überzeugt, dass das Tal gemeistert wird”, so Klein. Weitere Entlastungen seitens der Politik wären dabei aber nur allzu willkommen

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