Verbände fordern Kurswechsel

Durchleitungsmodell soll öffentliche Ladeinfrastruktur nutzerfreundlicher machen

BEV BefragungStromanbieter sollen diskriminierungsfreien Zugang zu öffentlichen Ladepunkten erhalten, fordern die Verbände.  Foto: Kirill Gorlov – stock.adobe.com

Das Modell soll den Zugang zu öffentlichen Ladesäulen vereinheitlichen und Nutzern ermöglichen, ihren bestehenden Stromtarif auch unabhängig vom Betreiber an fremden Ladepunkten zu verwenden. Die Verbände sehen darin ein zentrales Instrument, um die Nutzung öffentlicher Ladeinfrastruktur zu vereinfachen und den Hochlauf der Elektromobilität zu beschleunigen. ZDK-Präsident Thomas Peckruhn erklärt: „Wer Elektromobilität in der Breite verankern will, muss die Ladeinfrastruktur konsequent aus Sicht der Nutzer denken. Intransparente, teils hohe Ladetarife und ein Wirrwarr aus Bezahlkarten und Abrechnungssystemen schrecken viele Verbraucher noch immer vom E-Auto ab. Das Durchleitungsmodell kann diesen Knoten lösen – und zu einem echten Game-Changer werden.“

Das Modell sieht vor, dass Stromanbieter diskriminierungsfreien Zugang zu öffentlichen Ladepunkten erhalten. Dadurch könnten E-Auto-Fahrerinnen und -Fahrer ihren bestehenden Stromvertrag nutzen, was laut den Verbänden mehr Preisstabilität und Transparenz schafft. VDIK-Präsidentin Imelda Labbé bewertet das Konzept als zentrale Antwort auf aktuelle Marktprobleme: „Das Durchleitungsmodell ist die richtige Antwort auf zwei große Hürden für den Hochlauf der Elektromobilität, nämlich hohe Strompreise und Unsicherheit an öffentlichen Ladesäulen.“ Verbraucher sollten „selbst entscheiden können, ob sie das Durchleitungsmodell oder die Angebote der Ladesäulenbetreiber nutzen wollen“.

Und auch der Bundesverband Betriebliche Mobilität (BBM) sieht klare Vorteile. Der Aufbau eines diskriminierungsfreien Zugangs habe sich bereits im Deutschlandnetz für schwere Nutzfahrzeuge bewährt. BBM-Geschäftsführer Axel Schäfer verweist auf diese Erfahrungen: „Dass das Modell überzeugend funktioniert, sehen wir bereits bei dem Deutschlandnetz für Lkw. Der Ausbau für alle Elektrofahrzeuge ist da der logische Schritt.“ Das Durchleitungsmodell fördere „fairen Wettbewerb, senkt die Kosten für Halter von Elektrofahrzeugen und vereinfacht die Nutzung von Ladeinfrastruktur erheblich“. Für Fuhrparks sei das Modell ein zentraler Hebel für steigende Zulassungszahlen und einen funktionierenden Gebrauchtwagenmarkt.

Im gemeinsamen Positionspapier kritisieren ZDK, VDIK und BBM, dass das Modell im aktuellen „Masterplan Ladeinfrastruktur 2030“ des Verkehrsministeriums keine Berücksichtigung findet. Aus Sicht der Branche sei dies eine verpasste Chance, da das Modell zentrale Hemmnisse für private wie gewerbliche Nutzer abbaue. „Jetzt braucht es den politischen Willen, dieses Modell endlich in die Fläche zu bringen“, fordert Peckruhn. „Wenn wir es nicht nutzen, vergeben wir die Chance auf ein Ladeangebot, das Vertrauen schafft und den Hochlauf der Elektromobilität spürbar beschleunigen kann.“

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