Jahrespressekonferenz des ASA-Verbands

Durchwachsene Aussichten und Nachjustierungen in der Verbandsstruktur

Geballte Branchen-Expertise: Die ASA-Verantwortlichen bei der Jahrespressekonferenz in Marktheidenfeld (v.l.n.r.): Harald Hahn, Jan Wagner, Harald Pfau, Frank Beaujean, Marco Kempin und Jens Dahlheimer.Geballte Branchen-Expertise: Die ASA-Verantwortlichen bei der Jahrespressekonferenz in Marktheidenfeld (v.l.n.r.): Harald Hahn, Jan Wagner, Harald Pfau, Frank Beaujean, Marco Kempin und Jens Dahlheimer.  Foto: Daniel Lorenz 

„Zwischen Hoffen und Bangen” betitelte ASA-Verbandspräsident Frank Beaujean seinen Vortrag, mit dem er in die Jahrespressekonferenz des Verbands in Marktheidenfeld am 18. März einleitete. Hoffnung macht Beaujean und seinen Verbandskollegen unter anderem die Tatsache, dass das vergangene Jahr die verhalten optimistische Prognose der ASA-Mitglieder aus 2024 übertraf. Maßgeblich verantwortlich hierfür war ein starker Jahresendspurt mit guten Absatzzahlen im vierten Quartal. Nichtsdestotrotz haben die im ASA-Verband organisierten Unternehmen gegenwärtig mit einer Vielzahl an Herausforderungen zu kämpfen. Faktoren wie der Fachkräftemangel, Bürokratie und Vorgaben beim Thema Nachhaltigkeit haben sich größtenteils bereits in der jüngeren Vergangenheit gezeigt und bleiben nach Einschätzung der Mitglieder auch 2026 spürbar. 

Als aktuell größte Schwierigkeit wird jedoch nach wie vor die gering ausgeprägte Investitionsbereitschaft der Servicebetriebe gesehen, die sich auch an einem in puncto Absatzzahlen schwachen Jahresstart für die ASA-Mitglieder zeigt. Dabei verstärkt das in vielen Werkstätten fehlende Personal die Problematik zusätzlich, indem für weniger Mitarbeitende eine geringere Anzahl an Geräten und weniger Ausrüstung nötig ist. Gleichwohl sehen die Verantwortlichen auch Chancen für die Ausrüsterbranche, der sie eine wiederholt unter Beweis gestellte Resilienz attestieren. Sicherlich in Teilen auch deswegen blicken die ASA-Mitglieder mehrheitlich tendenziell optimistisch in die nahe Zukunft und rechnen mit einer stabilen oder gar verbesserten wirtschaftlichen Entwicklung. Frank Beaujean schränkt jedoch ein: „Viele Unternehmen formulieren ihre Erwartungen inzwischen vorsichtiger. Die geopolitische Lage hat sich in den letzten Monaten spürbar verändert“. Gleichwohl ist der ASA-Präsident überzeugt: „Der Mittelstand kann Herausforderungen. „Unsere Mitgliedsunternehmen haben in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen, dass sie sich flexibel auf neue Marktbedingungen einstellen können."

Umtriebiger Vertreter der Interessen der ASA-Mitglieder: Verbandspräsident Frank Beaujean.
Umtriebiger Vertreter der Interessen der ASA-Mitglieder: Verbandspräsident Frank Beaujean. Foto: Daniel Lorenz

Jahr der Transformation des ASA-Verbands

In eigener Sache verwies Beaujean in Marktheidenfeld auf umfangreiche Veränderungen, die im Laufe des Jahres beim ASA-Verband anstehen. Ziel dieser ist vor allem eine grundlegende Modernisierung, die zudem auf einen effizienten Ressourceneinsatz abzielt. Damit sollen insbesondere die ehrenamtlich Tätigen weiter entlastet werden. Vor diesem Hintergrund stehen auch die Fachbereiche in ihrer gegenwärtigen Form und ihr jeweiliger Zuschnitt zur Disposition. Mit den Anpassungen will der Verband ferner der „stark veränderten Mitgliederstruktur” Rechnung tragen. Zuletzt haben sich vermehrt Handelsakteure dem Verband angeschlossen. Um auch deren Perspektive wirkungsvoll zu vertreten – ohne selbstredend die der nach wie vor dominanten Gruppe der Gerätehersteller und Servicespezialisten zu vernachlässigen – sehen die Verantwortlichen Handlungsbedarf. Konkretisiert werden sollen die Pläne bis zur Mitgliederversammlung im Sommer, bei der dann unter anderem auch über eine noch näher zu bestimmende Satzungsänderung abgestimmt werden soll. Frank Beaujean sprach in diesem Zuge von einem „überfälligen Schritt”. 

Fachliche Tiefe und Automechanika-Ausblick 

Abgerundet wurde die Jahrespressekonferenz des Verbands durch kurze Rück- und Ausblicke seitens der Verantwortlichen der verschiedenen Fachbereiche. Themen dabei waren unter anderem die Kalibrierung und Justage von ADAS-Systemen sowie der erst kürzlich auf 2027 verschobene AU-Leitfaden 7. Letzterer wird laut ASA-Prognose voraussichtlich nur in begrenztem Umfang Auswirkungen auf die Ausstattung der Werkstätten haben. „Aus heutiger Sicht erwarten wir durch Euro 7 keine größeren zusätzlichen Anforderungen an die Werkstattausrüstung“, so Beaujean. Noch offen sind hingegen die mögliche Folgen der geplanten Überarbeitung der europäischen Richtlinie zur periodischen technischen Fahrzeugüberwachung. EU-Kommission, EU-Rat und EU-Parlament arbeiten derzeit an einer Revision der Richtlinie 2014/45/EU zur sogenannten Periodical Technical Inspection (PTI). „Welche konkreten Veränderungen daraus für Werkstätten, Prüforganisationen und Hersteller von Prüftechnik resultieren, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen“, bilanzieren die ASA-Experten.

ASA-Vizepräsident Marco Kempin von der Hunter Deutschland GmbH adressierte ferner das aus seiner Sicht „in Europa total unterbelichtete Thema” Achsvermessung bei Lkw. Einer Studie aus den USA zufolge sind 70 Prozent der Lkw-Fahrwerke nicht korrekt eingestellt. „Für Flottenbetreiber bedeutet das unnötige Mehrkosten und zusätzliche Belastungen für Fahrzeuge und Fahrer“, betonte Kempin. Jens Dahlheimer wiederum ging als stellvertretender Leiter des Fachbereichs Reifenservice Achsvermessung ADAS auf veränderte Anforderungen im Reifengeschäft durch die E-Mobilität und tendenziell größere Raddurchmesser ein, ehe Harald Pfau in aller Kürze digitale Tools und die Potenziale von KI im Service in den Blick nahm. Letztere sollen ebenso wie weitere zentrale Anliegen in speziellen Projektgruppen im Laufe des Jahres weiter vertieft werden. Nach der Mitgliederversammlung Mitte des Jahres steht dann für den Verband als bedeutende Plattform die Automechanika Frankfurt an, der der ASA-Verband schon lange als Partner verbunden ist. „Zwischen Hoffen und Bangen zu verharren, liegt unseren Mitgliedsunternehmen nicht. Sie wollen aktiv handeln und gestalten. Und ich bin sicher, diesen Gestaltungswillen und die Innovationskraft werden wir zur Automechanika Frankfurt vom 8. bis 12 September in Halle 8 zu sehen bekommen“, gibt Frank Beaujean die Richtung vor. 

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