Ladeinfrastruktur 2025

E-Autofahrer fordern eher Qualität als Quantität

Über 186.000 Ladepunkte gibt es mittlerweile in Deutschland.  Foto: mmphoto - stock.adobe.com

Laut VDA-Ladenetzranking ist die Zahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte in Deutschland auf mehr als 186.000 gestiegen, was einen Zuwachs von rund 50 Prozent innerhalb eines Jahres bedeutet. Besonders stark legten dabei Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen zu. Allerdings zeigen sich bei der Relation von Ladepunkten zu zugelassenen Elektrofahrzeugen deutliche Unterschiede: Während in Hamburg im Schnitt 11,8 E-Autos auf einen Ladepunkt kommen, liegt der Wert in Niedersachsen bei 32,5. Bundesweit liegt der Wert bei durchschnittlich 17 E-Pkw pro öffentlich zugänglicher Ladesäule.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller betont: „Das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher, immer und überall einfach und schnell laden zu können, ist zentral für die Akzeptanz der Elektromobilität. Eine flächendeckende und leistungsfähige Ladeinfrastruktur ist ein wesentlicher Schlüsselfaktor, um die Menschen für den Umstieg auf die E-Mobilität zu begeistern und spielt für den Markthochlauf eine entscheidende Rolle. Das macht den Auf- und Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge zu einer der drängendsten Infrastrukturaufgaben für Deutschland.“ Sie fordert dementsprechend mehr Tempo beim Ausbau der Standorte des sogenannten Deutschlandnetzes mit mehr als 1.000 Schnellladeparks entlang der Autobahnen. Dazu seien von Bund und Ländern gezieltere Förderungen sowie schnellere Genehmigungsverfahren essenziell.

ADAC-Test: Unzufriedenheit an der Autobahn

Wie es um die Ladequalität entlang der Hauptverkehrsrouten steht, wo 85 Prozent der E-Langstreckenfahrer ihr Fahrzeug gelegentlich bzw. üblicherweise laden, hat der ADAC untersucht. Dafür prüfte der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V. 50 Rastanlagen und Autohöfe an den 15 längsten Autobahnen des Landes. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte fiel mit „mangelhaft“ oder „sehr mangelhaft“ durch, nur 13 Standorte erhielten die Note „gut“, kein einziger „sehr gut“. Die Prüfer fanden zu wenig Schnelllader, defekte Säulen, undurchsichtige Preisgestaltung und mangelnden Komfort. Lediglich an gut 60 Prozent der Anlagen standen 300-kW-Schnelllader, doch oft mit technischen Einschränkungen. Auf fast jeder dritten Anlage war mindestens ein Ladepunkt defekt, jede fünfte bot nur 50-kW-Lader, was nach Meinung der Prüfer zu wenig für Langstrecken sei. Allerdings merkt der ADAC auch an: „Die vielen gedrosselten 50 kW-Säulen auf Rastanlagen sind Folge einer langjährigen Klage, die den weiteren Ausbau blockierte. Zwischenzeitlich wurden viele dieser Ladesäulen auf 100 kW geöffnet, immer noch zu wenig für das Laden entlang von Autobahnen. Hintergrund der Klage: Ein vor Jahren von der Autobahn GmbH an Tank & Rast vergebener Auftrag zum Aufbau von Schnellladern an den Rastanlagen ist Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung, da kein förmliches Vergabeverfahren eingeleitet wurde.“

Darüber hinaus kritisiert der ADAC das fehlende Nutzererlebnis: Keine einzige Anlage sei überdacht, kaum eine bot ausreichend Beleuchtung oder Pausenmöglichkeiten. Laden müsse genauso einfach und bequem funktionieren wie Tanken, so die Forderung des ADAC. Denn im vergleich mit dem traditionellen kommt noch das grundsätzliche Problem undurchsichtiger Bezahlmodalitäten hinzu, dass auch an den Ladesäulen an Autohöfen und Rastanlagen ausgemacht wurde: „Nur bei etwas über der Hälfte der untersuchten Anlagen war die Direktbezahlung an der Ladesäule via Kartenlesegerät (Kreditkarte) möglich. Und ebenfalls insgesamt problematisch bleibt die mangelnde Preistransparenz beim Laden: Zwar wurde der Kilowattstundenpreis an fast allen Anlagen mit Ladepunkten von 150 kW und mehr vor dem Laden angezeigt, der Endpreis jedoch nur an 16 Anlagen (44 Prozent) – undenkbar an der Tankstelle.“

Uscale-Nutzerbefragung: 76 Prozent erleben Ladeprobleme

In dieselbe Richtung gehen die Erkenntnisse aus der Uscale Public Charging Study 2025, für die 2.773 E-Autofahrer in Deutschland befragt wurden. Für sie hapert es vor allem beim Alltagserlebnis. 76 Prozent der Befragten berichteten von defekten Ladesäulen, 63 Prozent konnten schon einmal den Ladevorgang nicht starten, 58 Prozent hatten Probleme mit der Authentifizierung oder Bezahlung. Als besonders ärgerlich würden die Nutzer Ladeabbrüche (53 Prozent) und lange Ladezeiten (36 Prozent) empfinden. Trotzdem zeigen sich 85 Prozent insgesamt zufrieden mit der öffentlichen Ladeinfrastruktur, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass viele Fahrer sich an die Schwächen gewöhnt haben. Positiv fällt durch die Studie auf, dass wer Probleme meldet, meist gut betreut wird. So hätten drei Viertel der Hotline-Kontakte laut der Befragung zu einer Lösung geführt, mehr als die Hälfte der Befragten waren „positiv überrascht“ vom Support.

Hier findet Ihr weitere Uscale-Studien zum Thema E-Mobilität.

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