Die im Vergleich zu 2021 nochmal um 24 Prozentpunkte verbesserte Bilanz hängt auch mit dem Ausbau der Erneuerbaren im europäischen Strommix zusammen, so die Verantwortlichen der Studie. Durch die umfassende Lebenszyklusanalyse aller zentralen Antriebsarten, bei der Hybride und Plug-in-Hybride ebenso wie Verbrenner im Vergleich nur geringe oder keine Fortschritte bei der Reduktion ihrer Klimaauswirkungen machen, sieht man sich in der bereits früher kommunizierten Annahme bestätigt, dass nur vollelektrische Autos die Emissionssenkungen erzielen können, die zum Erreichen der Klimaziele im Straßenverkehr notwendig sind. Und Pkw seien für fast drei Viertel der Emissionen im europäischen Verkehrssektor verantwortlich.
„E-Autos schneiden in der Klimabilanz deutlich besser ab als alle anderen Technologien, auch Hybride und Plug-in-Hybride, und die Emissionen von Elektroautos sinken schneller als noch vor wenigen Jahren erwartet“, kommentiert die ICCT-Wissenschaftlerin Dr. Marta Negri. „Dieser Fortschritt ist vor allem auf den beschleunigten Ausbau von erneuerbaren Energien und die hohe Effizienz batteriebetriebener Fahrzeuge zurückzuführen.“ Seit 2020 ist der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Europa um 18 Prozentpunkte auf insgesamt 56 Prozent angestiegen, bis 2045 wird laut der Forschungsstelle (Joint Research Centre, JRC) der EU von einem Anteil von 86 Prozent ausgegangen. Die Klimabilanz von elektrischen Neuwagen wird durch den sauberer werdenden Strommix weiter verbessert werden.
Bei den anderen untersuchten Antriebsarten wird dieser Effekt geringer ausfallen: Hybridfahrzeuge verursachen im Vergleich zu Benzinern etwa 20 Prozent weniger Emissionen, Plug-in-Hybride rund 30 Prozent. Ebenfalls untersuchte wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge zeigen hingegen ebenfalls eine deutliche Emissionsminderung im Vergleich zu Benzinfahrzeugen: Wird der Wasserstoff mit Strom aus erneuerbaren Quellen hergestellt, läge das Einsparpotenzial theoretisch bei bis zu 79 Prozent. Allerdings sei dieser „grüne“ Wasserstoff in Europa derzeit noch kaum verfügbar. Stattdessen stammt der meiste derzeit genutzte Wasserstoff aus fossilem Erdgas, was die Emissionen von Brennstoffzellenfahrzeugen lediglich um rund 26 Prozent gegenüber Benzinern reduziert.
Da man es in der Debatte um die Klimafreundlichkeit von E-Autos immer wieder mit Fehlinformationen und daraus resultierenden Unsicherheiten zu tun hat, betont Dr. Georg Bieker, Senior Researcher beim ICCT: „Mit dieser Studie möchten wir die öffentliche Debatte versachlichen und Politik wie Industrie eine verlässliche Entscheidungsgrundlage bieten. In letzter Zeit haben Führungskräfte der Automobilbranche die Klimabilanz insbesondere im Vergleich von Elektroautos und Hybriden wiederholt falsch dargestellt. Doch eine Lebenszyklusanalyse ist kein Wunschkonzert: sie muss eine repräsentative Nutzung über das gesamte Fahrzeugleben abbilden und auf echten Praxisdaten basieren. Verbraucherinnen und Verbraucher haben Anspruch auf verlässliche, wissenschaftlich fundierte Informationen.“