Das Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerk operiert seit Jahren in einer angespannten Ertrags- und Liquiditätslage. Der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik e. V. (ZKF) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) äußern sich nun kritisch zum von der Bundesregierung geplanten finanziellen Entlastungsausgleich für Arbeitnehmer. Der ZKF-Vorstand diskutierte innerhalb seiner Vorstandssitzung Mitte April die Auswirkungen der Entlastungsprämie, die bei den Betrieben zu einer Erhöhung der Personalkosten führen würde. Angesichts der fragilen Wirtschaftslage und der angespannten Ertrags- und Liquiditätslage sei kaum ein Unternehmen in der Lage, diese Möglichkeit zu nutzen. „Die Koalitionsentscheidung lädt den Entlastungsdruck bei den Betrieben und Unternehmen ab. Entsprechend dürfte sich der Erwartungsdruck der Beschäftigten gegen die Unternehmen richten“, so der Handwerkspräsident Jörg Dittrich.
Auch ZKF-Präsident Arndt Hürter merkt an: „Mit diesen Maßnahmen seitens der Regierung werden die Einschränkungen und Problemfelder des Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerks der letzten Jahre nicht berücksichtigt. Die Betriebe hatten in den letzten Jahren stark gestiegene Kosten, zum Beispiel bei Lohn- und Energiekosten. Darüber hinaus war auch ein starker Anstieg der Ersatzteilpreise, aber auch beim Lackmaterial zu spüren.“ Dass dabei nun die steigenden Kosten der Arbeitnehmer zu Lasten der Betriebe gehen sollen, sei absolut nicht der „richtige Weg“. ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm meldet sich noch deutlicher zu Wort: „Es ist unredlich und ein Zeichen schlechter Wirtschafts- und Finanzpolitik zu Lasten Dritter, wenn staatliche Entscheidungen rein den Arbeitgeber treffen und den Staat nicht belasten. Dies erfolgt in einer Phase, in der die Insolvenzen ein 20-Jahres Hoch erreicht haben. Zudem wird bei den Mitarbeitern eine Erwartungshaltung geweckt, die zu Unfrieden in den Betrieben führt, sollte der Arbeitgeber diese Zahlung nicht realisieren können."
Der Handwerksverband ZDH bedauert, "dass wirksame Entlastungen für Unternehmen, etwa die Abschaffung des Solidaritätszuschlags, nicht vorgesehen sind". Präsident Jörg Dittrich sagt: "Vor diesem Hintergrund kommt es umso mehr darauf an, dass die angekündigte Einkommensteuerreform auch gezielt zur Entlastung von Personenunternehmen beiträgt." Der ZKF schließt sich der Meinung des ZDH-Handwerkspräsidenten an und fordert die Rücknahme der Entlastungsprämie sowie weitere Entlastungen für die Handwerksunternehmen, die auch beim Industrie-Strompreis keine Berücksichtigung fänden.