Matthias Wittenberg von Carglass im Gespräch

“Eine Scheibenreparatur kommt immer ungelegen”

Seit Mai 2025 füllt Matthias Wittenberg die Rolle des Sales Directors für Carglass Deutschland aus.   Foto: Carglass GmbH

Das Autoglas-Geschäft beinhaltet mehr technologische Tiefe, als sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Viel Sensorik sitzt hinter der Windschutzscheibe. Ein Austausch bedeutet stets auch die Rekalibrierung der Fahrerassistenzsysteme. Wo liegen die Herausforderungen?

Matthias Wittenberg: Moderne Fahrzeuge – speziell auch chinesische Fabrikate – nutzen zunehmend eine Kombination aus Lidar, Radar und Kamerasystemen. Diese Schlüsseltechnologie, die unter anderem auch das bedingte, autonome Fahren „hands off, eyes off“ bei bis zu 95 km/h unterstützt, heißt Sensor-Fusion. Dabei werden Daten verschiedener Sensoren, etwa von Kameras, Lidar, Radar und Ultraschall, zu einem Gesamtbild der Fahrzeugumgebung kombiniert. Viele dieser Sensoren sitzen geschützt hinter der Windschutzscheibe, was die Reparatur sowie den Austausch von Scheiben in modernen Autos deutlich komplexer macht. Bereits mehr als jedes dritte Fahrzeug erfordert heute bei einem Scheibenaustausch eine Rekalibrierung kamerabasierter Fahrerassistenzsysteme – Tendenz steigend. 99 Prozent aller Fahrzeuge inklusive Tesla und chinesische Marken kann Carglass rekalibrieren.​

Das autonome Fahren tritt mit der Zulassung des SAE-Level 3 in Deutschland in eine neue Phase ein. Carglass investiert aufgrund der steigenden Komplexität in Forschung und Entwicklung. Können Sie uns Details nennen?

Matthias Wittenberg: In München betreibt Carglass mit dem European Technology Center (ETC) den branchenweit einzigartigen Forschungs- und Entwicklungsstandort für die Rekalibrierung von Fahrerassistenzsystemen. Dort werden Technologien und Prozesse permanent erforscht und weiterentwickelt. 

Die Schulung und Weiterbildung der rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den 410 Service-Centern ist ein zentraler Baustein, um mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Wie sichern und erweitern Sie bei Carglass Qualitätsstandards?

Matthias Wittenberg: Wir haben in den letzten Jahren massiv in die Weiterbildung unserer Monteurinnen und Monteure sowie in technisches Equipment investiert. Beispielsweise nutzen wir für die Rekalibrierung von Fahrerassistenzsystemen modernste Rekalibrierungstechnologie von Bosch. So stellen wir sicher, dass sowohl unsere Technologie als auch die Expertise unserer Monteure und Monteurinnen stets auf dem neuesten Stand sind, den höchsten Qualitätsstandards entsprechen und die Sicherheit unserer Kundinnen und Kunden gewährleisten. ​

Mehr als jedes dritte Fahrzeug erfordert bei einem Scheibenaustausch eine Rekalibrierung kamerabasierter Fahrerassistenzsysteme. Foto: Carglass GmbH

Die Reparatur und der Neueinbau von Fahrzeugglas ist ein Wachstumsgeschäft. Wie unterscheidet sich Carglass vom Wettbewerb?

Matthias Wittenberg: Wir bieten einen ausgezeichneten Service, der auf modernster Technologie basiert und der immer weiter ausgebaut wird. Dabei handeln wir stets verantwortungsbewusst und verfolgen die “Repair First”-Strategie, was bedeutet, dass wir zuerst prüfen, ob eine beschädigte Windschutzscheibe repariert werden kann, bevor ein Austausch in Erwägung gezogen wird. Dies spart Ressourcen, reduziert CO2-Emissionen und ist oft kostengünstiger für den Kunden. 

Wie steht es um das Filialnetzwerk? Gibt es noch Regionen in Deutschland, auf die sich Carglass in seinen Expansionsbestrebungen konzentriert?

Matthias Wittenberg: Wir investieren konsequent in unsere Standorte für ein flächendeckendes Filialnetzwerk und schaffen so deutschlandweit kontinuierlich neue Arbeitsplätze. Dabei werden Carglass-Filialen mit neuesten Technologien ausgestattet. Unser Ziel ist es, dass unsere Kundinnen und Kunden so schnell wie möglich das nächstgelegene Service-Center erreichen können. 

Die Marke Carglass ist in der Endkundenwerbung sehr präsent. Die Komplexität im Autoglas-Service lässt sich aber nur schwer vermitteln. Ist das überhaupt notwendig, oder welchen Ansatz verfolgen Sie diesbezüglich?

Matthias Wittenberg: In unseren Werbespots zeigen wir bewusst echte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. So schaffen wir einen authentischen Eindruck von der Freundlichkeit und Professionalität unserer Monteurinnen und Monteure sowie von den hohen Standards in unseren 410 deutschlandweiten Service-Centern. Auch wenn der Scheibentausch komplex ist, soll die Customer Journey dank effizienter Prozesse und schneller Abläufe für unsere Kundinnen und Kunden so einfach wie möglich sein. Das soll unsere Werbung vermitteln. Schließlich kommt eine Scheibenreparatur immer ungelegen – umso wichtiger ist es, dass unsere Kundinnen und Kunden wissen: Wir stehen ihnen mit dem bestmöglichen Service verlässlich zur Seite.

Die Hauptverwaltung der Carglass GmbH in Deutschland befindet sich in Köln-Godorf. Foto: Carglass GmbH

Zur Person
Seit dem 1. Mai 2025 hat Matthias Wittenberg die Rolle des Sales Director für Carglass Deutschland übernommen. Zuvor war er als Head of Key Account Management tätig. In seiner neuen Funktion ist er Mitglied des Management-Teams und berichtet direkt an Jean-Pierre Filippini, Geschäftsführer der Carglass GmbH. Wittenberg soll mit seinem Team den Fokus auf die Intensivierung von Kundenbeziehungen legen, um Mehrwerte in den Partnerschaften zu schaffen sowie neue Umsatzpotenziale zu erschließen. Er hat in Buckinghamshire/England, und in Warschau studiert und hält einen Master of Business Administration. Vor seiner Tätigkeit bei Carglass war er als Key Account Manager DACH Hospitality & Food Service bei Diversey Care Deutschland tätig.

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