Zirkuläre Reifenwirtschaft

Erstes Präsenztreffen des AZuR-Thementischs NRW

Rund 40 Teilnehmende diskutierten beim AZuR-Thementisch Reifen-Recycling NRW über Nachhaltigkeit.  Foto: AZuR

Ressourceneffizienz, Haushaltsdruck, ein wachsender Bedarf an nachhaltigen Beschaffungslösungen und der Anspruch, Infrastrukturprojekte langlebiger und klimaschonender auszurichten: Die Aufgaben und Hürden der Kommunen sind vielfältig, aber praxistaugliche Ansätze liegen bereits vor, wie die Teilnehmer des in den Räumen der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (awm) veranstalteten Thementischs deutlich machten. Von runderneuerten Reifen im ÖPNV und kommunalen Fuhrparks bis hin zu Gummiasphalt oder städtebaulichen Anwendungen mit Gummigranulat. In seiner Keynote ordnete Cornelius Laaser vom NRW-Umweltministerium die Bedeutung kommunaler Entscheidungen ein. Zirkuläres Wirtschaften sei zunehmend Bestandteil kommunaler Praxis und werde in Zukunft stärker über Beschaffungsrichtlinien und Infrastrukturprojekte verankert: „Die Circular Economy beginnt vor Ort – in den Städten, Gemeinden und Landkreisen. Mit Netzwerken wie AZuR setzen wir gezielt Impulse und begleiten die Transformation.“

Deren Koordinatorin Christina Guth verwies auf die Einsparpotenziale: Ein Großteil des ursprünglichen Reifenmaterials bleibe erhalten, wodurch CO₂-Emissionen und Ressourcenverbrauch spürbar sinken: „Runderneuerte Reifen verlängern den Lebenszyklus hochwertiger Karkassen, sparen über 60 Prozent der CO2-Emissionen und bis zu 70 Prozent der Ressourcen eines Neureifens ein und tragen dazu bei, Rohstoffbedarf und Abfallmengen deutlich zu senken.“ Deswegen bliebe die Runderneuerung „der Königsweg einer ressourcenschonenden Reifen-Kreislaufwirtschaft“, so Guth. Vertreter aus der Runderneuerungsindustrie und kommunalen Betrieben bestätigten, dass runderneuerte Reifen inzwischen vergleichbare Laufleistungen wie Neureifen erreichen und damit für kommunale Flotten in ÖPNV oder Abfallwirtschaft eine technisch und wirtschaftlich valide Option darstellen.

Im Straßenbau wurden Beispiele aus verschiedenen NRW-Kommunen vorgestellt, in denen Gummiasphalt zum Einsatz kommt. Projektverantwortliche berichteten über verbesserte Belastbarkeit und geringere Instandhaltungsintervalle, was insbesondere für finanziell eingeschränkte Kommunen relevant ist. Ergänzende Anwendungen wie Gründachsysteme, Fallschutzbeläge oder Schallschutzlösungen aus Reifen-Gummigranulat verdeutlichten, dass das Material im städtebaulichen Umfeld eine wachsende Rolle spielt.

In Sundern-Westenfeld wurde die L686 mit Gummiasphalt saniert. Die Vorteile: weniger Rissbildung, längere Lebensdauer, niedrigere Instandhaltungskosten. Foto: Hilgenroth GmbH

Parallel dazu lag ein Schwerpunkt auf Förderungen. Die Zenit GmbH stellte Programme wie Ressource.NRW, CircularCities.NRW und Finanzierungsoptionen der NRW.Bank vor. Ziel sei es, Einstiegshürden abzubauen und Kommunen den Schritt in die praktische Umsetzung zu erleichtern. Die Zenit-Vertreterin Sabine Widdermann formulierte: „Der Einstieg in die zirkuläre Praxis darf nicht am Geld scheitern. Wer Fördermittel strategisch einsetzt, kann ökologische Wirkung mit ökonomischer Effizienz verbinden.“

Recyclingprodukte aus Altreifen-Gummigranulat lassen sich auf vielfältige Weise im Städtebau einsetzen. Foto: New Life

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