Mehr Verkehrssicherheit durch Notbremsassistenten, Spurhaltewarner und Parkhilfen – diese Kausalität besteht. Durch Fahrerassistenzsysteme werden auch Schäden reduziert. Sie führen aber aus Sicht der Versicherer nicht zu einer spürbaren Entlastung der Kfz-Versicherung. Als Beleg präsentiert der GDV seine Trendanalyse „Kfz-Versicherung 2040 – Automatisiertes Fahren & E‑Mobilität". In dieser steht, dass Fahrzeuge durch zusätzliche Technik komplexer und damit teurer in der Reparatur werden. Zudem würden die Preise für Ersatzteile sowie Werkstattleistungen kontinuierlich steigen. „Technologie macht das Autofahren sicherer, aber nicht automatisch günstiger. Ersatzteile und Reparaturen sind im vergangenen Jahrzehnt um durchschnittlich 3,7 Prozent pro Jahr teurer geworden – das ist der stärkste Kostentreiber", sagt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV.
Die GDV-Studie analysiert, wie sich Fahrerassistenzsysteme, Elektromobilität und Preisentwicklung bis 2040 auf die Versicherungsleistungen auswirken. Eine von den Versicherern formulierte Erkenntnis lautet: Selbst bei moderater Preisentwicklung bleibt der Kostendruck hoch. „Schon beim EZB-Inflationsziel von 2,0 Prozent jährlich würde der Schadenaufwand bis 2040 um 24 bis 32 Prozent wachsen. Entwickeln sich die Preise wie im vergangenen Jahrzehnt, also mit 3,7 Prozent jährlich, ergibt sich ein Anstieg des Schadenaufwands von 64 bis 75 Prozent”, so Käfer-Rohrbach. Die GDV-Verantwortlichen bestreiten nicht, dass Assistenzsysteme einen messbaren Beitrag zur Schadenvermeidung leisten. Bis 2040 sei davon auszugehen, dass die Zahl der Schäden um 9 bis 14 Prozent sinke. Ohne Berücksichtigung der Inflation gingen die Schadenleistungen um 6 bis 12 Prozent zurück. Als besonders wirksam beurteilen die Versicherer Parkassistenten, weil sie mit automatischem Bremseingriff das Anstoßen an Hindernisse vermeiden. Auffahrunfälle würden zudem durch Notbremsassistenten reduziert und Spurwechselassistenten verringerten Kollisionen im toten Winkel. In der Kaskoversicherung aber bleibe der Effekt gering: “Glasschäden, Diebstahl sowie Sturm- und Hagelschäden lassen sich durch Fahrerassistenz nicht verhindern – der Schadenaufwand sinkt dort nur um 0 bis 5 Prozent”, heißt es seitens des GDV.
Die zunehmend komplexeren Systeme und Sensoriken hätten aber ihren eigenen Preis. “Kameras, Radar und Steuergeräte verteuern Reparaturen zusätzlich. Der Austausch einer Frontscheibe etwa kostet bei Fahrzeugen mit Assistenzsystemen rund 15 Prozent mehr, da Sensoren ersetzt und neu kalibriert werden müssen. Insgesamt steigen die Reparaturkosten allein durch zusätzliche Technik bis 2040 um weitere 4 bis 5 Prozent – unabhängig von der allgemeinen Inflation", berichtet Anja Käfer-Rohrbach. Und auch die Elektromobilität verändere das Schadenbild. Der Verband rechnet vor, dass knapp 60 Prozent aller haftpflichtversicherten Pkw bis 2040 Elektroautos sein könnten. Reparaturen seien bei Elektrofahrzeugen nach einer Kollision derzeit rund 10 Prozent teurer als bei Verbrennern. Die GDV-Experten erwarten, dass Routine und steigende Stückzahlen diesen Aufschlag bis 2040 auf rund 5 Prozent senken – ein dauerhafter Mehraufwand dürfte jedoch bestehen bleiben. Dass modernere Fahrzeugtechnik die Reparaturkosten in die Höhe treibt, hatte zuletzt auch der ADAC analyisert.