Nicht nur die Arbeitskosten in Werkstätten steigen kontinuierlich, auch die Reparaturen selbst werden immer teurer. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) meldete zuletzt ein neues Rekordniveau bei den Stundensätzen in Kfz-Werkstätten, getrieben durch zunehmend aufwendigere Arbeiten an Mechanik, Elektrik und Karosserie. So kostete ein durchschnittlicher Pkw-Sachschaden in der Kfz-Haftpflicht im Jahr 2024 rund 4.250 Euro. Verwunderlich ist das nicht, schließlich sind in modernen Pkw zunehmend mehr technische Finessen und Assistenzsysteme verbaut. Einige davon sind verpflichtend, wie es die EU-Verordnung 2019/2144 für komplett neu entwickelte Autos vorsieht. Eine aktuelle ADAC-Untersuchung zeigt nun, wie moderne Technik die Reparaturkosten im Schadensfall stark in die Höhe treibt, sodass vierstellige Werkstattrechnungen mitunter der Regelfall sind.
Für die Analyse bewertete der ADAC drei Schadensszenarien, die regelmäßig im Alltag vorkommen. Darunter fielen der Tausch der Windschutzscheibe, der Tausch des Scheinwerfers vorne links sowie des Stoßfängers aufgrund eines leichten Unfalls und ein Tausch des hinteren Stoßfängers wegen eines Parkremplers. Preise für Ersatzteile inklusive 2 Prozent für Kleinteile, Nebenkosten, Arbeitslohn, Lackierarbeiten und 19 Prozent Mehrwertsteuer gingen den Verantwortlichen zufolge ebenso in die Kostenberechnung mit ein. Das Ergebnis zeichnet ein deutliches Bild: Zwar gehen Inflation und gestiegene Löhne mit in die Rechnung ein, die komplexe Fahrzeugtechnik moderner Autos wie hochsensible Sensoren, Kameras und modulare Bauteile identifizierten die Verantwortlichen allerdings als Haupttreiber für steigende Reparaturkosten. So lassen sich Leuchtmittel im Scheinwerfer kaum noch einzeln austauschen. Außerdem müssen im Schadensfall zahlreiche Sensoren für Assistenzsysteme wie Spurhalteassistenten oder Totwinkelwarner neu kalibriert werden. Da Assistenzsysteme moderner Fahrzeuge oft unmittelbar hinter der Frontscheibe sitzen, umfasst der Austausch der Scheibe mittlerweile deutlich mehr Arbeitsschritte.
Low-Budget-Modelle und hochpreisige Pkw gleichermaßen betroffen
Die Auflistung des ADAC über gängige Schadensszenarien zeigt zudem, dass Fahrzeuge über alle Segmente hinweg von hohen Reparaturkosten betroffen sind. Auf der Liste befinden sich neben bekannten Unternemhen aus dem europäischen Raum wie Mercedes, Opel und Volkswagen, auch asiatische Hersteller wie BYD, MG und Toyota. Hochpreisige Modelle wie das SUV Volvo XC60 oder der BMW 330e wurden genauso in die Aufzählung mit aufgenommen, wie die Kleinwagen Skoda Fabia und Dacia Sandero. Auffällig dabei: Unabhängig vom Pkw-Modell liegen die Reparaturkosten beim Tausch der Windschutzscheibe mit Preisen zwischen 1.311 Euro und 1.871 Euro nah beieinander. Die Kosten für Frontschäden weisen hingegen große Unterschiede auf, allerdings beziffern sie sich für den Kleinwagen Dacia Sandero bereits auf 3.514 Euro, während die Reparaturkosten für diesen Fall beim BMW 330e mit satten 7.828 Euro zu Buche schlagen. Ein Heckaufprall kostet hingegen 2.113 Euro beim Dacia Sandero und knapp 5.000 Euro beim BMW 330e.