Sämtliche strategischen Weichen innerhalb des Conti-Konzerns sind radikal auf den Faktor Wertschöpfung gestellt. Das Management präsentierte nun die Bilanzzahlen des Jahres 2025 – diese zeigen ein Umsatzminus von 2 Prozent (19,7 Milliarden Euro) und einen Rückgang der EBIT-Marge auf 10,3 Prozent. Gleichwohl verkündet der neue CEO Christian Kötz: „Wir haben 2025 unsere Ziele auf Konzernebene und bei Tires erreicht. Gleiches gilt für zentrale Meilensteine unserer Neuaufstellung.“ Continental erwartet für 2026 eine Ergebnissteigerung in einem „weiterhin volatilen Umfeld”. Die Hoffnungen richten sich angesichts von Zollunsicherheiten und eskalierender politischer Konflikte vor allem auf die zweite Jahreshälfte. Der Nahe Osten ist für das Conti-Geschäft als Markt nahezu unbedeutend, allerdings ist das Unternehmen aus Hannover sehr wohl von instabilen Lieferketten tangiert. Wie sich diese unsichere Situation allerdings in der Realität auf wirtschaftliche Ströme auswirkt, dazu sieht sich die Conti-Leitung derzeit zu keiner abschließenden Einordnung in der Lage. Den Blick will die Konzernführung lieber auf die positiven Einflussfaktoren lenken. Und für das eigene Geschäft ergeben sich diese aktuell eher aus der inneren Stärke: Mitarbeiter, Entwicklungskompetenz und ein im Gegensatz zu manchem Reifenkonkurrenten im Premiumsegment ausbalanciertes Produktionsnetzwerk.
2025 trieb vor allem wachstumsstarke Geschäft mit Reifen ab 18 Zoll die Umsatzentwicklung. Der Unternehmensbereich Tires steuerte wie gewohnt den Löwenanteil zum Konzernumsatz bei. In etwa auf dem Vorjahresniveau lag der erwirtschaftete Umsatz von 13,8 Milliarden Euro (2024: 13,9 Milliarden Euro, -0,5 Prozent). Trotz beträchtlicher Belastungen durch Zölle und Wechselkurseffekte in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro lag die bereinigte EBIT-Marge mit 13,6 Prozent ebenfalls etwa auf Vorjahresniveau (2024: 13,7 Prozent). Der Konzernbereich ContiTech blieb aufgrund eines schwachen Marktumfeldes hinter den Erwartungen zurück. ContiTech erzielte einen Umsatz von 6,0 Milliarden Euro (2024: 6,4 Milliarden Euro, -6,0 Prozent). Davon entfielen rund 1,6 Milliarden Euro auf das inzwischen verkaufte OESL-Geschäft. Die bereinigte EBIT-Marge von ContiTech belief sich auf 5,3 Prozent (2024: 6,1 Prozent). Ohne die Anwendung des IFRS 5 hätte die bereinigte EBIT-Marge 4,9 Prozent entsprochen. Aufgrund der weltweit schwachen Industrienachfrage wurden „Maßnahmen zur Ergebnissicherung ergriffen, die größtenteils erst ab 2026 wirken”, heißt es in einer Mitteilung. Noch vor dem Verkauf kündigen die Verantwortlichen jährliche Einsparungen in Höhe von 150 Millionen Euro an, insbesondere in den Verwaltungsstrukturen. Die Richtung ist klar: Personal soll eingespart werden.
Das Nettoergebnis des Gesamtkonzerns vor nicht zahlungswirksamen Sondereffekten belief sich im Jahr 2025 auf 1,1 Milliarden Euro. Der Continental-Vorstand schlägt auf dieser Zahlenbasis eine Dividende von 2,70 Euro pro Aktie vor. „Wir haben 2025 unsere Ziele auf Konzernebene und bei Tires erreicht. Gleiches gilt für zentrale Meilensteine unserer Neuaufstellung: den erfolgreichen Spin-off von Aumovio sowie die im Februar abgeschlossene OESL-Veräußerung. In diesem Jahr befinden wir uns mit dem geplanten Verkauf von ContiTech sowie der Fokussierung von Continental auf das Reifengeschäft auf der Zielgeraden unserer strategischen Neuaufstellung“, ordnet Christian Kötz als neuer Vorstandsvorsitzender anlässlich der Jahrespressekonferenz ein. Gleichzeitig versucht er, die mentalen Kräfte im Konzern zu stärken: „Dass wir unsere neue Aufstellung in diesen volatilen Zeiten so zügig und erfolgreich vorantreiben können, ist die besondere Leistung unseres gesamten Teams. Das ist der Continental-Spirit, den wir bewahren wollen – und werden. Dafür möchte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit herzlich bedanken. An unserem operativen Erfolg werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Form unserer Konzernerfolgsbeteiligung teilhaben.“
Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Continental einen Konzernumsatz von 19,7 Milliarden Euro (2024: 20,1 Milliarden Euro, -2,0 Prozent). Bereinigt um den Einfluss von Wechselkurseffekten und Konsolidierungskreisveränderungen, ergab sich eine organische Umsatzentwicklung von +0,8 Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis belief sich auf 2,0 Milliarden Euro (2024: 2,2 Milliarden Euro, -8,0 Prozent), was einer bereinigten EBIT-Marge von 10,3 Prozent entsprach (2024: 11,0 Prozent). „Aufgrund des Ende 2025 noch nicht abgeschlossenen Verkaufs des Geschäftsfelds Original Equipment Solutions (OESL) ist der Rechnungslegungsstandard IFRS 5 (Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte und aufgegebene Geschäftsbereiche) pflichtgemäß angewendet worden. Daher erfolgen seit der Zustimmung des Aufsichtsrats am 26. August 2025 in dem zum Verkauf vorgesehenen Geschäftsteil keine Abschreibungen mehr”, so ein erklärender Zusatz in der Unternehmensmitteilung. Das Nettoergebnis vor nicht zahlungswirksamen Sondereffekten wird mit 1,1 Milliarden Euro ausgewiesen. Das Nettoergebnis lag 2025 bei -165 Millionen Euro (2024: 1,2 Milliarden Euro). Nicht zahlungswirksame Sondereffekte infolge des Aumovio-Spin-offs sowie des geplanten OESL-Verkaufs in Höhe von 1,2 Milliarden Euro wirken sich negativ auf das EBIT aus.
Für 2026 rechnet die Konzernführung mit „voraussichtlich niedrigeren Rohstoffpreise sowie einer prognostizierten Erholung der Industriemärkte im zweiten Halbjahr”. Positive Effekte erwartet das oberste Management ebenfalls aus bereits ergriffenen Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung insbesondere bei ContiTech. Gleichzeitig bleibe das wirtschaftliche Umfeld unter anderem aufgrund bestehender Handelsbarrieren anspruchsvoll. In Summe geht Continental von einem Konzernumsatz von rund 17,3 bis 18,9 Milliarden Euro sowie einer bereinigten EBIT-Marge von rund 11,0 bis 12,5 Prozent aus. Roland Welzbacher, Finanzvorstand von Continental, blickt vorsichtig optimistisch voraus : „Auch in diesem Jahr werden diese Herausforderungen nicht verschwinden. Aufgrund der ergriffenen Maßnahmen, unserer operativen Stärke sowie unserer ausgezeichneten Produkte in Kombination mit unserer starken Marke streben wir 2026 in diesem schwierigen Umfeld eine Ergebnissteigerung an.“ Das Marktumfeld bleibt weiterhin volatil. Für das weltweite Pkw-Reifenersatzgeschäft erwartet der Reifenhersteller eine Absatzentwicklung von -1 bis +2 Prozent. Die globale Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen werde voraussichtlich bei -2 bis 0 Prozent liegen. Für den Unternehmensbereich Tires erwartet Conti einen Umsatz von 13,2 bis 14,2 Milliarden Euro sowie eine bereinigte EBIT-Marge von 13,0 bis 14,5 Prozent.