Initiativen zur Ressourcenschonung gewinnen in der Automobilindustrie weiter an Bedeutung, wie aktuelle Projekte zum Autorecycling sowie zur nachhaltigen Reifenproduktion zeigen. Nun rücken auch Bauteile wie Scheinwerfer in den Fokus zirkulärer Ansätze. Heutige Scheinwerfer sind für eine einmalige Lebensdauer und eine optimale Montage ausgelegt und eine Reparatur daher nur eingeschränkt möglich. Diesen Umstand hatte zuletzt erst das Allianz Zentrum für Technik kritisiert und mehr Reparaturoptionen gefordert. Im Rahmen des Forschungsprojekts Kollekt will Forvia Hella nun zusammen mit zahlreichen Partnern erforschen, wie zukünftige Scheinwerfer reparierbar und teilweise wiederverwertbar gemacht werden können und welche Produktions- und Logistikabläufe dafür notwendig sind. Im Mittelpunkt des Projekts steht laut Konzerninformationen die Entwicklung und Umsetzung kreislaufgerechter Produktkonzepte gemäß einem „Design for Circularity“-Ansatz. Gemeint ist eine Produktgestaltung, die von Beginn an auf Wiederverwertbarkeit ausgelegt ist. Diese basiere auf den vier „R-Strategien“: Repair (Reparatur), Re-Use (Wiederverwendung), Remanufacture (Wiederaufbereitung) und Recycle (stoffliche Verwertung). „Wir schauen uns gemeinsam mit unseren Partnern an, wie der Scheinwerfer von heute zu einem Rohstoff für morgen werden kann. Das liefert nicht zuletzt wichtige Erkenntnisse für unser Ziel, eine klimaneutrale Wertschöpfungskette zu erreichen“, sagt Dr. Michael Kleinkes, verantwortlich für die Entwicklung im Lichtbereich bei Forvia Hella.
Im Zentrum der Forschungsarbeiten steht die Realisierung einer flexiblen Demontagezelle. Unter Verwendung von Robotern und KI-basierter Datenverarbeitung wird den Verantwortlichen zufolge die Grundlage für Wiederverwendung und Recycling von Produkten in industriellem Maßstab gelegt. Hierbei wird ein digitaler Produktzwilling genutzt, um Baugruppen präzise, möglichst sortenrein und automatisiert zu zerlegen. Ergänzt wird dieser Prozess durch eine nachgelagerte, optimierte Sortierung, die Störstoffe abtrennt und Kunststofffraktionen separiert, sowie durch eine Charakterisierung und Aufbereitung der Materialien und ein mechanisches und teilweises chemisches Recycling. Nicht zuletzt sollen die Menschen als Teil des neuen Wertschöpfungssystems befähigt werden, die zirkuläre Produktgestaltung zukünftig umzusetzen und die Kreislaufwirtschaft somit erst möglich zu machen.
Kollekt baut auf den Erkenntnissen des Vorgänger-Förderprojekts Nalyses auf, das dieses Jahr abgeschlossen wurde. Nalyses hatte damals Konzernangaben zufolge die nachhaltige Produktgestaltung und Materialstrategien, Recyclingmöglichkeiten sowie die Nutzungsphase der Produkte fokussiert. Das Kollekt-Förderprojekt soll nun darauf aufbauen und eine übergreifende zirkuläre Wertschöpfung entwickeln. Forvia Hella kooperiert im Rahmen des Projekts mit BMW, Covestro, Geba, dem Fraunhofer IEM, dem Fraunhofer UMSICHT, der Universität Paderborn, der Hochschule Hamm-Lippstadt, dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) sowie der Firma SW Maschinenservice. Das Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Förderrichtlinie CircularGlowUp gefördert und durch den Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Laut Covestro läuft das Projekt von Juni 2026 bis Mai 2029, das Fördervolumen betrage insgesamt 4,371 Millionen Euro inklusive Projektpauschalen.