Linglong Tire baut weltweites Produktionsnetzwerk

Fünf neue Reifenwerke und eine Verdoppelung der Verkaufszahlen bis 2030

Linglong SerbienDer chinesische Reifenhersteller Linglong Tire fuhr zur Eröffnung der Fabrik in Zrenjanin groß auf.  Foto: Kay Lehmkuhl

Linglong strebt mit Macht in den europäischen Markt. Daran kann nach Besichtigung des neuen Reifenwerks in der serbischen Stadt Zrenjanin kein Zweifel bestehen. Über das Werk und die Ambitionen des chinesischen Reifenherstellers wurde in den vergangenen Jahren bereits vielfach berichtet – aber das Ausmaß und den Automatisierungsgrad der Fabrik mit eigenen Augen zu sehen, illustriert den Linglong-Hunger in besonders eindrücklicher Weise. Noch mehr, da das Management anlässlich der Eröffnung ankündigte, weltweit weitere fünf Fabriken bauen zu wollen. CEO Wang Feng möchte Linglong im Rahmen eines strategischen Masterplans an die Riesen der Reifenbranche heranführen – im Idealfall gar Augenhöhe herstellen. Strategische Wachstumsmärkte sind laut Konzernführung neben Europa auch Afrika und Südamerika. Am Standort Zrenjanin sollen im Jahr bis zu 14 Millionen Reifen gebacken werden. Dass dies möglich wird, hat sich der Konzern umgerechnet rund 1 Milliarde Euro kosten lassen. Für die nächste Ausbaustufe stehen weitere 650 Millionen Euro bereit.

Linglong-CEO Wang Feng
Linglong-CEO Wang Feng zeigte sich gut gelaunt. Foto: Kay Lehmkuhl

Strategischen Partnern, Lieferanten und einer sehr kleinen Auswahl an Medienschaffenden gewährten die Chinesen Einblicke in das Fabrik-Innere. Der Einladung zur offiziellen Eröffnung folgte auch der serbische Präsident Aleksandar Vučić. Dass ein aufstrebender chinesischer Reifenhersteller den Standort Serbien für seine Reifen-Gigafabrik wählt, ist Ausdruck einer wirtschaftlich enger werdenden Partnerschaft zwischen China und Serbien. Diese soll laut Vučić in den kommenden Jahren noch intensiviert werden. Das „erste europäische Reifenwerk eines chinesischen Reifenherstellers“ bezeichnet die Linglong-Führung als entscheidenden Faktor für die weitere Expansion der Marke – sowohl im Ersatzgeschäft, als auch im image- und werkauslastungstechnisch so bedeutsamen Erstausrüstungsgeschäft. 

Neben der massiven Erweiterung der weltweiten Produktionskapazitäten investiert Linglong in erheblichem Umfang in den Ausbau seiner Markenwahrnehmung. Kernelement ist das Fußball-Sponsoring: mit dem VfL Wolfsburg und dem Chelsea Football Club wurden bereits Partnerschaften verlängert oder vereinbart. In Wolfsburg sucht Linglong natürlich die Nähe zum Automobil-Riesen VW. In Zrenjanin war auch zu vernehmen, dass ein weiterer Abschluss mit einem Verein aus dem obersten Regal in Kürze bekannt gegeben wird. Hinsichtlich des Produktionsnetzwerks und sämtlicher Marketingparameter wurden die Weichen auf Durchfahrt gestellt. In welcher Form sich dieser Angriffsmodus auf der Verkaufsseite in den nächsten Jahren niederschlägt, wird maßgeblich von den Handelspartnern und Servicebetrieben bestimmt. Linglong will Vertrauen aufbauen – der Besuch der serbischen Fabrik ist ein Element, die Vertriebs- und Lieferantenpartnerschaften langfristig auf ein solides Fundament zu stellen. Vertrauen baut sich auf langer Strecke auf – mehrere Unternehmensstimmen versicherten gegenüber Automotive Insights, dass es darum gehe, Partnerschaften langfristig zu entwickeln. Vom Linglong-Hunger solle auch die Handelsebene profitieren. 

Linglong Serbia
Linglong hat bisher umgerechnet rund 1 Milliarde Euro in den Bau des serbischen Werkes investiert. Foto: Kay Lehmkuhl

Dass Linglong für die Eroberung des europäischen Marktes auch zusätzliche F&E-Kapazitäten schaffen muss, um auch qualitativ für europäische Verbraucher anschlussfähiger zu werden, darüber ist sich die Konzernleitung bewusst. Auch für den Ausbau der Entwicklungsabteilungen will man umfangreiche Mittel zur Verfügung stellen. Mit Blick auf das Erstausrüstungsgeschäft ist dies unverzichtbar – die europäische Prestige-Hersteller machen in Sachen Reifenqualität keine Abstriche. Linglong zeigt sich Willens, die nächsten Schritte einzuleiten. Die OE-Volumina müssen steigen, auch um die Produktionsauslastung zu gewährleisten. Das Jahr 2025 markiert das 50-jährige Bestehen des Reifenherstellers Linglong – mit CEO Wang Feng sprachen wir über Details der Strategie und die Bedeutung verlässlicher Handelsbeziehungen. Lest das Interview in Kürze auf auto.news.

Linglong_serbien
Zur Eröffnung kam auch der serbische Präsident Aleksandar Vučić. Foto: Kay Lehmkuhl

Linglong_Reifenwerk_Zrenjanin_
Linglong_Reifenfabrik_Eröffnung
Linglong_Reifenfabrik_Signing
Linglong_Tire_Profil
Linglong_Yongchao_xu
Linglong Partner
Linglong_Tire_Partner
Linglong_Reifenwerk_Eröffnung
Linglong-CEO Wang Feng

Ähnliche Artikel

The Tire Cologne 2024
11.06.2024, 15:28 8 Min.
“Nachhaltigkeit ist Zukunftsorientiertheit”
Messepräsenzen auf The Tire Cologne 2024
Peter Gulow Nexen Tire
06.05.2024, 14:35 3 Min.
“Durch das Werk in Europa sind wir in der Lage, unsere Produktpalette zu diversifizieren”
Peter Gulow im Interview mit Automotive Insights
88_automotive_insights_podcast_Stephan_Cimbal
22.07.2025, 14:19 1 Min.
Wie man das Image einer Marke positiv auflädt – Stephan Cimbal im Podcast-Interview
Podcast-Episode zu den Ambitionen von Sailun Tyres
Nokian Werkseröffnung
23.09.2024, 09:23 6 Min.
“Ein Meilenstein in der Reifenproduktion”
Nokian fährt Reifenfabrik in Oradea hoch