Rein statistisch ist die E-Mobilität hierzulande auf einem guten Weg: 2025 wurden in Deutschland laut KBA 545.142 neue batterieelektrische Pkw (BEV) zugelassen und damit 43,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch Plug-in-Hybride (PHEV) legten zu, sodass BEV und PHEV gemeinsam einen Marktanteil von nahezu 30 Prozent erreichten. Auch beim Blick auf einzelne Marken zeigt sich ein ähnliches Bild: Gut jedes fünfte zugelassene Fahrzeug von Audi, BMW und VW war ein Stromer, während bei Porsche und Mini der Anteil der BEV-Neuzulassungen bei 31,1 respektive 43,3 Prozent lag. In diesem Zuge verweist der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) einschränkend auf die hohe Zahl an Eigenzulassungen von Herstellern und Autohäusern, bescheinigt aber der E-Mobilität 2026 dennoch das Potenzial zum Durchbruch.
Eine positive Tendenz in dieser Hinsicht erkennen auch die Experten von Berylls by AlixPartners, sprechen jedoch von einer „angezogenen Handbremse”, die vor allem die Geschäfte der Zulieferer weiter belastet. „Die Transformation zur E-Mobilität geht weiter, aber deutlich langsamer und volatiler als erwartet. Die europäischen Zulieferer erleben zwar eine anhaltende Verschiebung der Industrie in Richtung E-Mobilität, diese wird jedoch von geringerer Planungssicherheit, verzögerten Plattformanläufen und schwächerem Markthochlauf begleitet“, beschreibt Dr. Jürgen Simon, Partner bei Berylls by AlixPartners, die Situation.
Weitere Konsolidierungsbefürchtungen
Die genannten Faktoren tragen mit dazu bei, dass das Vertrauen in die E-Mobilität als Wachstumstreiber in der jährlichen Umfrage von Berylls by AlixPartners erneut gesunken ist. Den Analyseergebnisse zufolge sieht nur noch knapp die Hälfte der Befragten in der Elektromobilität eine Chance, während ein wachsender Anteil der Zulieferer die Elektromobilität inzwischen als neutral oder sogar als riskant betrachtet. „Diese Verschiebung spiegelt die Unsicherheit hinsichtlich der Marktentwicklung, die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Skalierung von BEV-Programmen und den zunehmenden Wettbewerbsdruck wider”, heißt es in einer Mitteilung zu der Untersuchung.
Angesichts dessen wird ferner offenbar eine weitere Konsolidierung unter den Zulieferern von Komponenten für die Elektromobilität immer wahrscheinlicher. Innerhalb der nächsten sechs Jahre rechnen 92 Prozent der befragten Unternehmen mit einem deutlichen Konsolidierungstrend in der Zulieferlandschaft für die Elektromobilität; mehr als die Hälfte (52 Prozent) sogar innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre. Für die Studie wurden Führungskräfte von 49 europäischen Automobilzulieferern aus verschiedenen Segmenten – darunter Antriebsstrang, E/E, Innenausstattung, Außenausstattung, Karosserie und Software – und verschiedenen Unternehmensgrößen – auch solche aus dem Berylls Top-100-Zulieferer-Ranking – befragt.
Weniger Zufriedenheit bei eigener strategischer Ausrichtung
Die Untersuchung zeigt dabei auch, dass die Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor unter Zulieferern weiterhin hoch ist und langsamer als geplant schwindet. „Mehr als 70 Prozent der Zulieferer erwirtschaften nach wie vor mehr als ein Viertel ihres Umsatzes mit dem Benziner- und Dieselgeschäft. Selbst bis 2030 rechnen viele der Befragten nur mit einer moderaten Reduzierung dieser Abhängigkeit”, schreiben die Experten von Berylls by AlixPartners. Eine gewisse Uneinigkeit in der Branche herrscht derweil mit Blick auf die Erwartungen hinsichtlich der Margen- und Profitabilitätsentwicklung. „Während ein wachsender Teil der Zulieferer auf Margenverbesserungen hofft, sehen rund 23 Prozent zusätzlichen Druck auf sich zukommen“, erläutert Dr. Jürgen Simon.
Ungeachtet eher düsterer Prognosen für die nahe Zukunft, lässt sich bei der Zufriedenheit der Zulieferer mit ihrer eigenen E-Mobilitätsstrategie eine noch eine leicht positive Haltung beobachten. Obwohl nur jedes zweite Unternehmen davon ausgeht, dass sich die E-Mobilität in den nächsten fünf bis zehn Jahren positiv auf dessen Umsatz auswirken wird, geben 63 Prozent der Befragten an, dass sie mit ihrer aktuellen Strategie zufrieden oder ziemlich zufrieden sind. Im Vorjahr lag dieser Wert allerdings noch bei 85 Prozent. „Erneut bleibt eine spürbare Kluft zwischen der schwierigen Realität, mit der die Zulieferer derzeit konfrontiert sind, und der eigenen Einschätzung der strategischen Ausrichtung“, resümiert Dr. Jürgen Simon abschließend.