Über 150 Weltpremieren und Neuheiten

IAA Transportation 2026 zeigt Zukunft des nachhaltigen und digitalisierten Transports

IAA Transportation Mit 1.589 Ausstellern aus 46 Ländern war die Messe internationaler denn je.  Foto: Kevin Schmidt

Über 140.000 Besucherinnen und Besucher verschafften sich auf der diesjährigen IAA Transportation einen Überblick darüber, mit welchen Lösungen Flottenbetreiber ihre Fuhrparks effizienter führen und wie sie ihre Daten besser nutzen können – bei einem gegenüber früheren Ausgaben deutlich internationaleren Ausstellerfeld. Nachhaltigkeit und Digitalisierung bildeten dabei die zentralen Leitlinien, von der Runderneuerung und Ressourcenschonung bis hin zur datengestützten Flottenoptimierung. Wie stark diese Leitlinien das diesjährige Messegeschehen prägten, zeigte sich auch deutlich bei den Reifenherstellern, die mit zahlreichen Neuheiten und Weltpremieren aufwarteten.

Hankook und Michelin mit zahlreichen Neuheiten

Hankook war das letzte Mal 2018 auf der Hannoverschen Messe und zeigte dieses Jahr umso mehr Neuigkeiten. Vor Ort feierte der Reifenhersteller die Weltpremiere seiner neuen Trailerreifengeneration Smart Flex TH51 nebst der Präsentation des neuen Winterreifens Smart Control AW53 für die Lenkachse sowie des DW53 für die Antriebsachse. Zudem informierte Hankook, neben Lösungen für das Reifenmanagement unter dem Namen Hankook Smart Fleet und dem Runderneuerungsangebot Hankook Alphatread, über den Ausbau seiner europäischen Produktionskapazitäten in Ungarn, mit dem künftig ein Teil der Lieferwege im europäischen Raum verkürzt werden soll.

IAA Transportation Hankook Joachim Kühr
In viele Gespräche verwickelt war Joachim Kühr. Er unterstützt das Key-Account-Team des Lkw-Flottengeschäfts von Hankook seit Februar 2026. Foto: Kevin Schmidt

Bei Michelin stand das Thema Nachhaltigkeit klar im Vordergrund, entsprechend groß war der thematische Anteil auf seinem Messestand. Präsentiert wurden unter anderem der neue Busreifen X Coach Energy Z2 und ein Prototyp eines Busreifens, der zu 70 Prozent aus erneuerbaren und recycelten Materialien bestehen soll. Ganz neu war unterdessen eine Maschine für das Nachschneiden von Lkw-Reifen mit dem Namen Nazca, mit der Michelin seinen Mehr-Leben-Ansatz stärken möchte.

IAA Transportation Michelin Nazca
Michelin zeigte Nazca, eine Maschine für das Nachschneiden von Lkw-Reifen. Foto: Kevin Schmidt

Prinx und Prometeon richten sich direkt an Flottenbetreiber

Dass sich der Wettbewerb der Reifenhersteller zunehmend jenseits des reinen Produkts abspielt, machten Prinx und Prometeon deutlich, die auf der IAA Transportation gezielt mit datengestützten Services warben. Prinx setzte mit seinen Neuerungen direkt bei den Flottenkunden an: „Ein leistungsfähiger Reifen ist heute nur der Anfang. Flotten und Fahrzeughersteller erwarten Lösungen, die Effizienz, Verlässlichkeit und Transparenz zusammenbringen“, so Prinx-Europe-Geschäftsführer Thomas Wohlgemuth. Im Gepäck hatte der Reifenhersteller den X-Chip, der Daten wie Temperatur, Luftdruck, Laufleistung, Belastung und Profiltiefe erfassen und die Daten entsprechend den Flottenmanagern zur Verfügung stellen soll. Ziel sei es, die Reifennutzung effizienter zu gestalten und damit die Gesamtbetriebskosten der Flotte zu senken. Daneben zeigte der chinesische Reifenhersteller die neu entwickelte Lkw-Reifenserie Xelera mit den drei Modellen Route, EcoLine und EcoRoute.

IAA Transportation Prometeon Yachiah Al Hay
Am Stand von Prometeon informierte Local Sales Manager Yachiah Al Hay über die Partnerschaft zwischen ZF Scalar und Prometeon. Foto: Kevin Schmidt

Prometeon zeigte einerseits das bereits bekannte Portfolio rund um die Serie 02, andererseits stand das integrierte Flottenprogramm SuperFleet, in dem der Reifenhersteller seine gesamten Flottenservices vereint, im Zentrum. Neu war zudem die strategische Partnerschaft mit ZF Scalar, einer digitalen Plattform der ZF Group für intelligentes Flottenmanagement. Scalar richtet sich an Betreiber schwerer Nutzfahrzeugflotten und will durch die Vernetzung von Lkw, Anhängern, Teams und Prozessen in Echtzeit mehr Transparenz über Prozesse sowie datenbasierte Erkenntnisse schaffen.

Apollo, Kumho und Westlake mit neuen Fernverkehrsreifen

Auch Apollo Tyres und Kumho nutzten die IAA Transportation, um ihre Neuheiten für den Fernverkehr vorzustellen. Der indische Reifenhersteller stellte in Hannover unter anderem drei neue EnduMile-Fernverkehrsreifen vor, den EnduMile LHA, EnduMile LH Front und EnduMile LHD. Alle wurden sie in Europa entwickelt, alle sollen ein optimales Gleichgewicht zwischen hoher Laufleistung, Kraftstoffeffizienz und Langlebigkeit bieten. Im Mittelpunkt der Ausstellung von Kumho stand die Weltpremiere der neuen eigenen Fernverkehrlinie. Diese besteht aus drei achsspezifisch entwickelten Reifen, die als aufeinander abgestimmte Kombination für den Fernverkehr konzipiert sind. Der KLA31 ist der Lenkachsreifen der Baureihe, der KLD31 übernimmt die Antriebsachse und der KLT31 komplettiert das Portfolio als Trailerreifen.

IAA Transportation Kumho
Bei Kumho stand die Weltpremiere der neuen eigenen Fernverkehr-Linie an. Foto: Kevin Schmidt

Seit 2014 präsentieren die Pneuhage Gruppe und der Reifenhersteller ZC Rubber auf der IAA Transportation das gemeinsam entwickelte Lkw- und Bus-Reifen-Sortiment der Marke Westlake. Bei der diesjährigen Ausgabe der Messeshow standen gleich zwei zentrale Ausrichtungen der neuesten Nutzfahrzeugreifen-Entwicklung im Mittelpunkt: die Long-Run-Serie mit Fokus auf niedrigen Rollwiderstand und die Pro-Serie, die für Anwendungen mit hoher Laufleistung entwickelt wurde. Hierzu hat der chinesische Reifenhersteller vier neue Produkte vorgestellt: Den WSL2 für die Lenkachse, den WDL2+ für die Antriebsachse und die beiden Trailer-Optionen WTL2 und WTR Pro.

Kronprinz meldet sich zurück

Neben den Reifenherstellern waren auch andere OEM-Zulieferer und Aftermarket-Akteure mit ihren nutzfahrzeugspezifischen Lösungen vor Ort. Branchengröße Bosch zeigte den Wandel zum softwaredefinierten Nutzfahrzeug, Forvia Hella stellte eine Strategie vor, mit der das Unternehmen das Wachstum im Bereich der Nutzfahrzeuge beschleunigen will. Rad- und Felgenoptionen wiederum präsentierten zahlreiche Spezialisten, wie auch Kronprinz. Nach der Beendigung der Geschäftstätigkeit von Accuride Wheels Europe & Asia ist der Solinger Standort seit Anfang 2026 nach überstandener Insolvenz wieder in der Hand der Kronprinz Germany GmbH, gestützt durch eine Investorengruppe aus China. Das nahm der Spezialist für Nutzfahrzeug-Räder zum Anlass, sich wieder auf der diesjährigen IAA zu präsentieren. Mit im Gepäck: geschmiedete Aluminiumräder mit einer neuen Oberflächenveredelung, zahlreiche Produkte aus Stahl und Aluminium für den Nutzfahrzeugmarkt sowie der Anspruch, Marktanteile zurückzugewinnen. Auch vor Ort waren die Räderhersteller Alcoa Wheels und Maxion Wheels und natürlich die Konkurrenz aus Asien: Mit großem Stand in bester Lage und in unmittelbarer Nähe zu Bosch präsentierte JG Avatar sein Räderportfolio. Paxxon aus Südkorea war unterdessen direkt zwischen den koreanischen Reifenherstellern Kumho und Hankook zugange.

IAA Transportation Kronprinz Frank Arnold Jörg Schumacher
Frank Arnold (Sales Director, l.) und Jörg Schumacher (Vice President R&D) waren für den Nfz-Räder-Spezialisten Kronprinz vor Ort. Foto: Kevin Schmidt

Flottenmanagement wird datengetrieben

In einer zutiefst digitalisierten Welt steht und fällt ein effizientes sowie nachhaltiges Flottenmanagement zunehmend mit den Fahrzeugdaten und deren vorausschauendem Management. Entsprechend haben sich in Halle 25 auch die großen Player aus der Telematikbranche in unmittelbarer Nähe zueinander präsentiert. Vor Ort waren unter anderem die Bridgestone-Tochter Webfleet mit ihren Lösungen für ein vernetztes, daten­ba­siertes Flotten­ma­nagement sowie Geotab. Ford brachte mit Uptime Services gleich seinen eigenen datengestützten Assistenten für Fuhrparkmanager mit und auch Samsara war unter den Anwesenden: Das US-amerikanische Unternehmen, das trotz seines noch recht jungen Alters schon Branchenriesen wie DHL als Kunden für sich gewinnen konnte und seit 2024 auch mit Continental kooperiert, zeigte vor Ort sein Portfolio, mit dem Flotten vernetzter, effizienter und nachhaltiger gemacht werden sollen.

IAA Transportation Samsara
Vor Ort präsentierte Samsara sein Portfolio aus Telematik, Dashcams, Asset-Tracking und Sensorlösungen für Flotten. Foto: Kevin Schmidt

Nutzfahrzeug-Show mit neuen Playern

„Die Logistikbranche liefert jeden Tag und hält Deutschland und Europa am Laufen. Sie bringt Lebensmittel in die Supermärkte, Bestellungen zu den Menschen und Bauteile in die Fabriken. Die Automobilindustrie schafft die Voraussetzungen, dass diese Logistik klimaneutral und digital weiterentwickelt werden kann“, so VDA-Präsidentin Hildegard Müller im Rahmen der Pressekonferenz zur IAA Transportation 2026. Entsprechend stark waren auch die OEMs vertreten. Kia zeigte die Erweiterung seines Platform-Beyond-Vehicle-Konzepts mit dem PV7, Mercedes fuhr mit einer neuen Van Architektur vor. Ford brachte eine neue Variante des vollelektrischen Transit City sowie neue Abo-Dienste für Flottenbetreiber mit auf die Messe und auch hier wächst die Konkurrenz aus Fernost. Maxus, die Automarke von SAIC Motor, hat vor einigen Jahren den Transporter-Markt in Deutschland betreten und zeigte auf der Messe sein Nutzfahrzeug-Portfolio auf großer Fläche. Mit Chery Commercial Vehicle steht jetzt schon der nächste Player in den Startlöchern. Das chinesische Unternehmen zeigte auf der IAA sein neuestes Nutzfahrzeug-Portfolio aus alternativen Antrieben nebst Mobilitätslösungen unter dem Namen Delivan. Tesla präsentierte mit seinem Semi schließlich eine schwere Sattelzugmaschine mit einer geschätzten Reichweite von bis zu 550 km, die 2027 nach Europa kommen soll.

IAA Transportation Delivan
Mit Delivan rückt ein neuer Player auf den deutschen Transportermarkt. Foto: Kevin Schmidt

Eine Branche im Wandel

Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind in der Nutzfahrzeugbranche längst keine Randthemen mehr. Bei den Reifenherstellern zeigte sich das ebenso wie bei den OEMs, von Runderneuerungskonzepten über softwaredefinierte Fahrzeugarchitekturen bis hin zu datengestützten Flottenlösungen, die Effizienz und Kosten in den Fuhrparks messbar senken sollen. Das Ausstellerfeld selbst spiegelte den Wandel der Branche wider: Mit einer spürbar internationaleren, insbesondere asiatischen Beteiligung wächst der Wettbewerbsdruck auf etablierte europäische Anbieter. Gleichzeitig eröffnet sich Flottenbetreibern dadurch ein breiteres Angebot an Technologien und Services. Über 140.000 Besucherinnen und Besucher konnten sich so ein umfassendes Bild davon machen, wie Transportlogistik künftig klimafreundlicher, vernetzter und effizienter gestaltet werden kann. Dass die Branche mit dieser Bilanz ihrem eigenen Anspruch gerecht wurde, resümierte zum Abschluss der Messe auch VDA-Präsidentin Hildegard Müller: „Die IAA Transportation 2026 hat gezeigt, dass die Industrie Verantwortung übernimmt und die Lösungen für einen klimaneutralen und digitalen Straßengüterverkehr der Zukunft liefert. Gerade im Schwerlastverkehr ist das Potenzial für den Klimaschutz enorm. Unsere Unternehmen haben auf Innovationen und Investitionen gesetzt und auf der IAA Transportation demonstriert, dass sie bei allen technologischen Optionen Weltspitze sind und weiter vorangehen.“

IAA Transportation
Zahlreiche Nutzfahrzeuge standen für eine Testfahrt zur Verfügung. Foto: Kevin Schmidt

IAA Transportation
IAA Transportation Apollo Tyres
IAA Transportation AZuR Anna-Maria Guth
IAA Transportation  Pneuhage Westlake ZC Rubber
IAA Transportation Bosch
IAA Transportation Prinx
IAA Transportation Tesla

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