Im Vergleich zum Vorjahresreport ist die Mängelquote laut TÜV leicht um 0,1 Prozentpunkt gesunken. Laut dem aktuellen Report haben schwere Lkw über 18 Tonnen mit 21,8 Prozent die höchste Mängelquote der verschiedenen Gewichtsklassen. „Bei den schweren Lkw macht sich auch die Zurückhaltung bei den Neuanschaffungen in den vergangenen Jahren bemerkbar“, sagt Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband. „Die schwache Konjunktur und die Unsicherheiten rund um die Antriebswende haben dazu beigetragen, dass Fahrzeuge länger im Bestand bleiben. Damit steigt der Verschleiß, Wartung und Instandhaltung werden wichtiger.“
Die Mängelquoten steigen laut TÜV mit dem Alter an und erreichen bei den Schwergewichten 28,5 Prozent bei 10 Jahre alten Fahrzeugen. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes liegt das Durchschnittsalter von Nutzfahrzeugen aktuell bei 8,9 Jahren, ein Jahr mehr als noch vor zehn Jahren. Es folgen die leichten Transporter bis 3,5 Tonnen mit einer Mängelquote von 21,5 Prozent (Vorjahr: 21,5 Prozent). „Transporter werden im Lieferverkehr und von Handwerksbetrieben stark beansprucht. Entsprechend hoch ist der Verschleiß“, sagt Goebelt. Leicht unter dem Durchschnitt liegen Nutzfahrzeuge mit einem Gewicht von 3,5 bis 7,5 Tonnen. Bei 19,8 Prozent der Fahrzeuge sind erhebliche Mängel festgestellt worden (Vorjahr: 20,0 Prozent). Am besten schneiden mittelschwere Lkw (7,5 bis 18 Tonnen) mit einer Mängelquote von 16,3 Prozent ab (Vorjahr: 16,5 Prozent). „Mittelschwere Lkw sind viel im Zulieferverkehr tätig, kehren täglich in ihre Depots zurück und verfügen häufig über feste Fahrer, die den Zustand der Fahrzeuge im Blick haben“, sagt Goebelt. Das mache sich bei der HU bemerkbar.
E-Transporter mit guten und schlechten HU-Ergebnissen, chinesischer Transporter ist Schlusslicht
Erstmals sind drei Elektro-Transporter in der Klasse bis 3,5 Tonnen im TÜV-Report Nutzfahrzeuge vertreten. Der Peugeot E-Expert belegt im Ranking der 1 bis 2 Jahre alten Fahrzeuge mit einer Mängelquote von 8,4 Prozent den fünften Platz. Dagegen erreicht der Mercedes E-Vito mit 19,7 Prozent den vorletzten Platz unter 27 Transportern. Auffällig seien bei diesem Modell vor allem überdurchschnittlich viele Mängel an der Feststellbremse, den Antriebswellen und am Abblendlicht. Im Ranking der 3 bis 4 Jahre alten Fahrzeuge bildet der Streetscooter (B14/B16) mit 26,4 Prozent Mängelquote das Schlusslicht. Der Streetscooter wird inzwischen nicht mehr produziert. Bei der HU ziehen sich hohe Mängelwerte durch alle Komponenten wie Bremsen, Fahrwerk und Licht. „Für eine Bewertung der technischen Zuverlässigkeit von Elektro-Transportern insgesamt reichen die Ergebnisse noch nicht aus“, sagt Goebelt. „Im Pkw-Bereich zeigen E-Autos bei der HU die volle Bandbreite, von sehr gut über durchschnittlich bis zu schlecht.“
Mit dem Maxus Deliver 9 des Automobilkonzerns SAIC Motors ist zum ersten Mal auch ein Transporter eines chinesischen Herstellers in der Auswertung. Gut jeder dritte (33,6 Prozent) der 1 bis 2 Jahre alte Deliver 9 fällt bei der Hauptuntersuchung allerdings durch. „Das ist in dieser Altersklasse ein extrem hoher Wert“, so Goebelt. Besonders sicherheitskritisch seien die überdurchschnittlich häufig auftretenden Mängel an der Bremsanlage. Deutlich über dem Schnitt liegen dem TÜV zufolge auch Beanstandungen bei der Abgasuntersuchung. Der Großteil der Mängel entfällt aber auf die Beleuchtung. Das Fahrwerk ist bei der HU unauffällig.
Ölfeuchte und Ölverlust nehmen mit dem Fahrzeugalter zu
Typische Schwachstellen bei der HU von Nutzfahrzeugen sind Ölfeuchte und Ölverlust, die mit dem Alter der Fahrzeuge zunehmen. 5,2 Prozent der fünf Jahre alten Fahrzeuge und 8 Prozent der zehnjährigen werden beanstandet. „Austretendes Öl belastet die Umwelt und kann bei einem Unfall brandbeschleunigend wirken“, sagt Goebelt. Besonders häufig werden Mängel an der Beleuchtung beanstandet. Die Mängelquote der hinteren Beleuchtung liegt nach fünf Jahren bei 6,7 Prozent und nach zehn Jahren bei 11,3 Prozent. „Beleuchtungsmängel sind ein häufig unterschätztes Risiko“, sagt Goebelt. „Sehen und gesehen werden ist für die Verkehrssicherheit essenziell. Mit regelmäßigen Kontrollen der Halter und Flottenbetreiber ließen sich viele dieser Mängel deutlich reduzieren.“ Ein ähnlicher Alterseffekt zeigt sich auch am Fahrwerk bei den Achsaufhängungen. Die Mängelquote erhöht sich von 1,5 Prozent bei fünfjährigen Fahrzeugen auf 5,0 Prozent bei zehnjährigen. „Schäden an der Achsaufhängung können die Fahrstabilität beeinträchtigen und im Extremfall dazu führen, dass Fahrer:innen die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren“, sagt Goebelt.
Für den TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026 sind vom TÜV-Verband eigenen Angaben zufolge rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen der Jahre 2024 und 2025 ausgewertet worden. Die Ergebnisse werden für vier Gewichtsklassen dargestellt: von leichten Transportern bis 3,5 Tonnen über leichte Lkw mit 3,5 bis 7,5 Tonnen und mittelschwere Lkw mit 7,5 bis 18 Tonnen bis zu schweren Lkw ab 18 Tonnen.