Sinochem verringert Anteil auf 20,1 Prozent  

Kräftiger Gewinnzuwachs und neuer Großaktionär bei Pirelli

Pirelli konnte im ersten Halbjahr 2026 ähnlich viele Reifen verkaufen wie im Vorjahreszeitraum.  Foto: Kay Lehmkuhl

Mit dem Besitz von mehr als 30 Prozent aller Aktien von Pirelli war der chinesische Staatskonzern Sinochem in der jüngeren Vergangenheit der größte Einzelaktionär von Pirelli. Hinsichtlich der perspektivischen Vermarktung der unternehmenseigenen Cyber-Tyre-Technologie in den USA sorgte diese Konstellation bereits mehrfach für Konflikte. Zu Beginn des vergangenen Jahres intensivierte Pirelli seine Bemühungen, die Einflussmöglichkeiten von Sinochem und seinen Vertretern im Verwaltungsrat des Konzerns zu beschneiden. Im Frühjahr wurde dann die italienische Regierung unter Anwendung der Golden-Power-Regelungen aktiv: Ein entsprechendes Dekret machte detaillierte Vorgaben zur künftigen Entsendung von Sinochem-Vertretern in den Pirelli-Verwaltungsrat und deren dortigen Rollen. 

Ende Juni setzte der Reifenhersteller diese Richtlinie dann in Form der Konstitution eines neuen Board of Directors in die Tat um: Mit Zhang Haitao sowie dem unabhängigen Duo Xi Xiaohong und Wang Kun gehören seitdem nur noch drei statt wie zuvor acht Sinochem-Vertreter dem 15-köpfigen Pirelli-Verwaltungsrat an. Bei den folgenden Wahlen von Marco Tronchetti Provera zum Executive Chairman des Gremiums sowie von Giovanni Tronchetti Provera zum Vice President votierte das Sinochem-Trio jeweils geschlossen dagegen respektive enthielt sich. Unternehmensangaben zufolge ist Marco Tronchetti Provera seitdem das einzige Mitglied des Board of Directors, das im Besitz von Pirelli-Aktien ist. Über das Investmentvehikel Camfin kontrolliert Tronchetti Provera indirekt 26,49 Prozent der Anteile am Konzern. Seit Ende Juli ist der Manager damit wieder der größte Einzelaktionär von Pirelli, nachdem Sinochem 14 Prozent seiner Anteile an den tschechischen Milliardär Michal Strnad veräußert hat. Einem Reuters-Bericht zufolge zahlte Strnads Investmentgesellschaft Lumina Crown bei einem Preis von 6,50 Euro je Aktie insgesamt rund 987 Millionen Euro für das Paket. Laut Lumina Crown plant der Milliardär eine „langfristige Investition“ in das Unternehmen.

Stabile Kennzahlen – Jahresprognose bestätigt

Ungeachtet der Entwicklungen im Board of Directors hat Pirelli ein in wirtschaftlicher Hinsicht stabiles erstes Halbjahr erlebt. Der Umsatz lag mit rund 3,45 Milliarden Euro nahezu auf Vorjahresniveau, wobei das organische Wachstum von 2,5 Prozent unter anderem durch negative Wechselkurseffekte und die Hyperinflation torpediert wurde. Auch das bereinigte EBIT (557,8 Millionen Euro) sowie die zugehörige Marge (16 Prozent) blieben nahezu unverändert. Während die Italiener von Januar bis Juni mehr Motorrad- und große Pkw-Reifen verkaufen konnten, gingen die Absatzmengen im Standardbereich um 8 Prozent zurück. Insgesamt blieb damit auch die Volumenentwicklung stabil. Für positive Dynamik sorgten nach Aussage der Verantwortlichen diverse neue OE-Vereinbarungen – etwa für den Ferrari Luce sowie verschiedene Audi-Modelle – und die Geschäftsaktivitäten rund um die Cyber-Tyre-Technologie. Pirelli sicherte sich dafür zuletzt Beteiligungen an den Technologieunternehmen Univrses und Ridesense

„Die Ergebnisse des ersten Halbjahres 2026 bestätigen die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells von Pirelli und die effektive Umsetzung der strategischen Programme, trotz eines wirtschaftlichen Umfelds, das nach wie vor von hoher Volatilität und anhaltenden geopolitischen Spannungen geprägt ist”, resümiert das Management des Reifenherstellers abschließend. In diesem Zuge wurden die im Frühjahr kommunizierten Ziele für das Geschäftsjahr 2026 bestätigt. Das Sinochem-Trio Zhang Haitao, Xi Xiaohong und Wang Kun zeigte dabei abermals seine Oppositionshaltung und stimmte gegen die Annahme der konsolidierten Finanzergebnisse.

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