Ein Jahr mit diversen Sondereffekten, aber auch vielen Parallelen zu den Jahren der jüngeren Vergangenheit haben die Unternehmen der deutschen Reifenhandels- und -servicebranche erlebt. Abermals steigende Personal- (+7,3 Prozent) und Raumkosten (+3,5 Prozent) mussten die Betriebe 2025 kompensieren. Dass dies mehrheitlich gelungen ist, zeigt das durchschnittliche Umsatzplus von 3,4 Prozent, das der BRV-Jahresbetriebsvergleich 2025 über alle Betriebstypen hinweg ausweist. Auch der Gesamt-Rohertrag konnte gegenüber dem Vorjahr um 5,7 Prozent gesteigert werden. Gleiches gilt für die Rendite, bei der sich jedoch innerhalb der Betriebstypen erneut deutliche Unterschiede zeigen: Während der Branchendurchschnitt bei 1,6 Prozent vom Umsatz liegt (2024: 1,4 Prozent), liegen nicht-filialisierte Reifenhandelsbetriebe mit 5,4 Prozent um mehr als das Dreifache darüber (2024: 4,6 Prozent).
Gesättigter Reifenersatzmarkt
Angesichts eines mengenmäßig weitgehend gesättigten Reifenersatzmarktes hatte der BRV bereits im Vorjahr im Rahmen seiner Jahresbilanz auf die Bedeutung des Servicebereichs hingewiesen. Eine positive Entwicklung kann nun BRV-Geschäftsführer Yorick M. Lowin für dieses Segment vermelden: „Der Umsatz mit Reifenservice-Dienstleistungen ist im Branchenschnitt um 4,9 Prozent, der Umsatz mit Autoservice um 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.“ Entsprechend gelte es, diesen Bereich weiter im Blick zu behalten. Insgesamt resümiert der Bonner Fachverband für seine Branche ein Jahr, das in einem anhaltend schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld wenig überraschende Ergebnisse brachte – und in dem sich der Reifenhandel erneut vergleichsweise krisenfest zeigt.
Das Geschäft mit Reifenservice-Dienstleistungen konnten die BRV-Mitglieder 2025 ausbauen. Foto: Daniel Lorenz
Runderneuerte verlieren Marktanteile
Mit rund 46,6 Millionen verkauften Pkw-, Transporter- und Lkw-Reifen lag das Absatzvolumen 2025 rund 1,9 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Wie gewohnt entfiel das Gros davon auf das Consumer-Segment (44,1 Millionen; -2,1 Prozent), das Commercial-Segment erreichte einen rund fünfprozentigen Anteil (2,52 Millionen; +2,4 Prozent). Letzteres entwickelte sich laut BRV „in der Gesamtbetrachtung erfreulich”, was an einem Absatzplus bei neuen Lkw-Profilen von 3,8 Prozent lag. Maßgeblich befeuert durch die späte Klarheit über die Fördermöglichkeiten im Rahmen des Förderprogramms „Umweltschutz und Sicherheit“ zogen die Verkäufe zum Jahresende spürbar an und machten das schwache erste Halbjahr mehr als wett. Diese Konstellation sorgt im Hinblick auf das laufende Jahr jedoch für wenig Optimismus beim BRV, wie der Geschäftsführer Technik Michael Schwämmlein mitteilt: „Wir gehen von einem ‚Vorkaufeffekt‘ aus, der sich negativ auf den Absatz 2026 auswirken dürfte.“
Sorge bereitet dem Verband auch das Absatzminus bei runderneuerten Reifen (-1,7 Prozent), deren Marktanteil auf 24,5 Prozent zurückging. Als maßgebliche Gründe nennen die Verantwortlichen preisgünstige Neureifenimporte aus dem asiatischen Raum sowie fehlenden Unterstützung der Politik. „Mit deutlich verringertem Rohstoffverbrauch und CO2-Ausstoß im Vergleich zur Neureifenproduktion ist die Reifenrunderneuerung ein Paradebeispiel für funktionierende Kreislaufwirtschaft”, wirbt der Verband, in dem auch die Runderneuerer in Deutschland organisiert sind.
Vorzieheffekt zulasten von Winterreifen
Im Consumer-Segment wiederum gaben sowohl Pkw-Reifen (ca. 40 Millionen; -1,9 Prozent) als auch Transporterreifen (3,9 Millionen; -4,2 Prozent) im Jahresverlauf nach. Saisonale Spezialisten waren im Pkw-Bereich erneut weniger stark gefragt (Sommer. -4,0 Prozent; Winter: -7,8 Prozent), während All-Season-Gummis um 6,1 Prozent zulegten. Die zweistelligen Wachstumsraten der Vorjahre erreicht die Produktgruppe jedoch zumindest vorerst nicht mehr. Darüber hinaus machte sich laut BRV auch im Consumer-Bereich ein Sondereffekt bemerkbar, der deutlich zulasten von Winterreifen ging: „Seit Oktober 2024 gelten nur noch Reifen, die das „Schneeflockensymbol“ als Kennung der Wintertauglichkeit tragen, im gesetzlichen Sinne als Winterreifen – was dazu geführt hat, dass Fahrzeugeigner eigentlich noch brauchbare Reifen mit herkömmlicher M+S-Winterkennung vorzeitig durch Winter- oder Ganzjahresreifen mit Schneeflockensymbol ersetzt haben”, erläutert der Verband. Michael Schwämmlein führt aus: „Besonders stark wirkte sich dieser Effekt bei Transporterreifen aus. Genutzt wird dieser Fahrzeugtyp überwiegend von Handwerkern, Kurier- und Lieferdiensten. Und diese sind besonders darauf angewiesen, ihre Leicht-Lkw ganzjährig ohne Unterbrechung und gesetzeskonform bereift auf die Straße zu schicken.“
Triste Prognose mit reichlich Unsicherheiten
Alles in allem blieb der Reifenfachhandel auch im Jahr 2025 der klar stärkste Absatzkanal und erreichte im Lkw-Reifengeschäft rund 90 Prozent Anteil. Der Rest entfiel zu gleichen Teilen auf Autohäuser respektive markengebundene Kfz-Werkstätten sowie freie Kfz-Werkstätten. Eine Abgrenzung letzterer zum Reifenhandel ist bei Pkw laut BRV kaum noch möglich, weshalb diese beiden Verkaufskanäle hier kombiniert ausgewiesen werden: Beide zusammengenommen vereinten 2025 72,5 Prozent Marktanteil auf sich (2024: 71,3 Prozent). Autohäuser und markengebundene Werkstätten realisierten 19,1 Prozent Anteil und büßten im Vergleich zum Vorjahr 0,7 Prozentpunkte ein, Fachmärkte haben mit 3,0 Prozent des Pkw-Reifenabsatzes (2024: 3,4 Prozent) ebenfalls leicht zugunsten des Reifenfachhandels verloren. Der Marktanteil des B2C-Onlinehandels am Pkw-Reifenersatzgeschäft blieb im vergangenen Jahr mit 5,5 Prozent stabil.
Bezüglich eines Ausblicks für das laufende Geschäftsjahr verweist der BRV auf kaum abzuschätzende Unsicherheiten mit Blick auf den Krieg im Nahen Osten. „Infolge der angespannten geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Lage lassen sich weder im Consumer- noch im Nutzfahrzeug-Reifensegment derzeit Wachstumsfaktoren erkennen. Die Fahrleistungen werden im Privat- wie im Flottenbereich sinken, im Transportgewerbe wirkt sich die Kostensituation negativ aus“, so die ernüchternde Analyse von Michael Schwämmlein. Basierend auf einer Entspannung der Situation in den kommenden zwei Monaten geht der BRV für das Reifenersatzgeschäft 2026 von folgenden Tendenzen aus:
- Consumer-Reifensegment (-2,2 Prozent): abgeschwächtes Wachstum bei Ganzjahresreifen (+2,2 Prozent), weiterhin zulasten von Sommerreifen (-4,3 Prozent) und Winterreifen (-5,3 Prozent)
- Nutzfahrzeug-Reifensegment: Weitere Schwächung der Runderneuerung (-1,5 Prozent), leichter Absatzrückgang bei Neureifen (-0,8 Prozent)
Beide Einschätzungen stehen unter der erwähnten Prämisse geopolitischer Entspannung. „Sollte die Krise in Nahost länger andauern – was niemand hofft –, könnte sich dies auf die Absatzmengen deutlich stärker negativ auswirken“, konstatiert BRV-Experte Schwämmlein abschließend. Etwas mehr Klarheit in dieser Hinsicht dürfte spätestens zur BRV-Mitgliederversammlung im Juni im Vorfeld von The Tire Cologne herrschen.