Die Veräußerung des Unternehmensbereichs ContiTech an eine Tochtergesellschaft von Lone Star Funds steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Bei Abschluss hat die Investmentgesellschaft neben den 4 Milliarden Euro noch erfolgsabhängige Komponenten in Höhe von bis zu 250 Millionen Euro in den Folgejahren zu zahlen. Der Verkauf ihres Industriegeschäfts ist der abschließende Schritt der Neuaufstellung von Continental. Der Dax-Konzern wird damit zum ersten Mal in seiner Unternehmensgeschichte ein reiner Reifenhersteller sein. Unter Berücksichtigung übertragener Nettoverbindlichkeiten, wie insbesondere Pensions- und Leasingverpflichtungen, erwartet Continental einen Barmittelzufluss in Höhe von rund 3,1 Milliarden Euro aus der Transaktion. Laut Unternehmensangaben ist geplant, voraussichtlich insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro in Form einer Sonderdividende oder einer Kombination aus Sonderdividende und Aktienrückkäufen zu verwenden.
Lone Star Funds wird alle Geschäftsaktivitäten von ContiTech weltweit übernehmen. „Mit dem Verkauf von ContiTech hat der Aufsichtsrat den letzten Schritt der Neuaufstellung von Continental beschlossen. Wir sind überzeugt, beide Unternehmen werden sich eigenständig besser weiterentwickeln als im Verbund. Die strategische Fokussierung wird sie weiter stärken“, sagt Sabrina Soussan, Aufsichtsratsvorsitzende von Continental. Conti-CEO Christian Kötz teilt mit: „Der Verkauf von ContiTech markiert den Beginn einer neuen Ära – als reiner Reifenhersteller. Wie angekündigt, werden unsere Aktionärinnen und Aktionäre am Verkaufserlös teilhaben. Zudem werden wir unsere gute Kapitalstruktur weiter verbessern.“
Deutlich weniger positiv sieht hingegen die Arbeitnehmervertretung den Schritt und übt insbesondere an der geplanten Sonderdividende Kritik. „Als Gewerkschaft IG BCE sind wir von den Gründen für den Verkauf von ContiTech nach wie vor nicht überzeugt”, so Francesco Grioli, Mitglied des Continental-Aufsichtsrats und des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE. „Wir betrachten zudem die hohe Ausschüttungsquote zugunsten der Aktionäre kritisch. Ein Löwenanteil des Verkaufserlöses wird als Sonderdividende ausgeschüttet bzw. zur Kurssteigerung verwendet werden." Zugleich betont Grioli: „Ungeachtet dessen setzen wir im Interesse der Beschäftigten nun auf den verbindlichen Dialog mit dem neuen Eigentümer. Sollte aber zu seinen Plänen der weitere Arbeitsplatzabbau gehören, der noch über den bereits von Continental beschlossenen massiven Rahmen hinausgeht, wird das auf unseren entschiedenen Widerstand stoßen." „Der Käufer hat zugesichert, mit uns über seine Geschäftspläne zu sprechen, in Verhandlungen über verbindliche Vereinbarungen einzutreten sowie Perspektiven für Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen. Wir haben uns deshalb dem Verkauf nicht entgegengestellt und geben damit einen erheblichen Vertrauensvorschuss", ergänzt der stellvertretende Continental-Aufsichtsratsvorsitzende und Vorsitzende des Konzernbetriebsrats (KBR), Hasan Allak.
Lone Star Funds will in „attraktive Wachstumsmärkte investieren"
ContiTech beschäftigt rund 22.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte ContiTech einen Umsatz von rund 4,4 Milliarden Euro. Dabei erwirtschaftet das Unternehmen rund 80 Prozent des Umsatzes im Industriegeschäft. Mit einem Fokus auf integrierte Angebote und Services soll sich ContiTech zum umfassenden Industriepartner entwickeln, die Konzentration liegt laut Management auf den strategischen Wachstumsfeldern Total Conveyance und Reliable Flow. „ContiTech ist ein stark aufgestelltes Industrieunternehmen und zählt mit seiner exzellenten technologischen Kompetenz und ausgeprägten Materialexpertise zu den führenden Anbietern in seinen Branchen. Wir sind überzeugt vom erheblichen Potenzial von ContiTech. Als globaler Investor mit langjähriger Erfahrung im Industriesektor freuen wir uns darauf Geschäftsaktivitäten gemeinsam mit dem Management und den Beschäftigten weltweit konsequent weiterzuentwickeln – durch operative Verbesserungen und gezielte Investitionen in attraktive Wachstumsmärkte“, so Donald Quintin, Chief Executive Officer von Lone Star Funds.
Als reiner Reifenhersteller zählt die Continental AG etwa 55.000 Beschäftigte, die weltweit in 19 Reifenwerken und Vertriebsorganisationen eine globale Präsenz sichern. Eine starke Position im Geschäft mit Pkw‑Reifen bildet dabei das Fundament, das laut Konzernangaben im Jahr 2025 rund 77 Prozent des Reifenumsatzes ausmachte. In der Region EMEA erzielt das Unternehmen mit 53 Prozent weiterhin den größten Teil seines Umsatzes. Weltweit stammt der überwiegende Anteil von 76 Prozent aus dem Reifenersatzgeschäft. Im Premiumsegment bei Ultra‑High‑Performance-Reifen (Reifen ab 18 Zoll) ist Continental stabil positioniert. In einer Unternehmensmitteilung heißt es hierzu: „Diese Reifen stehen heute markenübergreifend für rund 55 Prozent des Umsatzes mit Pkw‑Reifen insgesamt und für etwa 62 Prozent der Marke Continental, bei weiter steigender Nachfrage. Neben dem Wachstum in diesem Bereich sind vor allem die Regionen Asien und Nordamerika strategische Wachstumsmärkte." Die Neuaufstellung von Continental als fokussierter Reifenhersteller umfasst neben dem Verkauf von ContiTech den bereits im September 2025 erfolgten Spin-off des ehemaligen Unternehmensbereichs Automotive, der mittlerweile als Aumovio an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet ist. Conti hat im Februar 2026 auch das ehemalige ContiTech-Geschäftsfeld Original Equipment Solutions an die Industrieholding Regent L.P. verkauft.