Laut Mahle-Angaben wurde der Abschluss des Ergänzungstarifvertrages möglich, weil das seit April in Stuttgart laufende Personalabbau- und Abfindungsprogramm zum 30. Juni 2026 „erfolgreich endete”. „Das erforderliche Abbauziel konnte sowohl durch natürliche Fluktuation als auch durch den Abschluss zahlreicher Aufhebungsvereinbarungen erreicht werden”, führt der Konzern in einer Mitteilung aus. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nun auch bis mindestens Ende 2029 nicht geben, wobei die Beschäftigten dem Zulieferer dafür entgegenkommen. Vereinbart wurde unter anderem eine Verschiebung der für 2026 vorgesehenen Entgelterhöhung für die Dauer der Laufzeit des Ergänzungstarifvertrages und eine Senkung von Einmalzahlungen.
„Die Einigung ist elementar, um Mahle an die verschärften Marktbedingungen anzupassen. Denn wir stehen vor immens großen Herausforderungen, die wir als Unternehmen stemmen müssen. Die vereinbarten Mitarbeiterbeiträge weiß ich deshalb sehr zu schätzen. Sie stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens“, sagt Mahle-CEO und Arbeitsdirektor Arnd Franz. „Das erzielte gemeinsame Verständnis darüber, dass wir das schaffen können, wenn alle an einem Strang ziehen und Verantwortung übernehmen, ist eine positive Botschaft in unsicheren Zeiten.“ Mahle kann damit das Ende 2025 angekündigte Kostensenkungsprogramm umsetzen. Efstratios Kostoglou, Vice President Corporate Human Resources, ergänzt: „Es ist als Erfolg für Mahle zu werten, dass die äußerst intensiven und durchaus kontroversen Verhandlungen zum Abschluss des Ergänzungstarifvertrags führten sowie das parallel laufende Abbau- und Abfindungsprogramm die erforderlichen Ergebnisse erbrachte. Dafür gebührt allen Beteiligten unser Dank. Der Vertrag gibt dem Unternehmen und den Mitarbeitenden Planungssicherheit.“
Wie die Verantwortlichen weiter mitteilen, sieht die Übereinkunft zugleich ein beiderseitiges Sonderkündigungsrecht zum 31. Dezember 2028 vor. Entscheidend hierfür sei die Entwicklung des Betriebsergebnisses von Mahle in Europa. Im Ranking der 100 umsatzstärksten Zulieferer von Berylls by AlixPartners war das Unternehmen zuletzt um zwei Positionen auf Rang 31 abgerutscht. Als Reaktion auf den wirtschaftlichen Druck hatte Mahle ferner kürzlich das Aus für den Produktionsstandort Neustadt a. d. Donau bekanntgegeben.
GDELS übernimmt Forvia-Standort Augsburg
Fokussierter und wettbewerbsfähiger aufstellen will sich mit Forvia eine weitere Größe aus dem Zulieferer-Segment. Als Teil seiner Strategie „Ignite” veräußert das Unternehmen nun seinen Standort Augsburg an General Dynamics European Land Systems (GDELS). Vorbehaltlich der erforderlichen behördlichen Genehmigungen und der gesetzlich vorgeschriebenen Informations- und Konsultationsverfahren wechseln auch die rund 300 Beschäftigten zu GDELS. Ein umfassender neunmonatiger Qualifizierungsplan soll die Mitarbeitenden auf zukünftige Anforderungen im Verteidigungsbereich vorbereiten.
„Mit dieser Vereinbarung schaffen Forvia und GDELS eine nachhaltige Perspektive für den Standort Augsburg. Sie sichert die bestehenden Arbeitsplätze und eröffnet zugleich die Möglichkeit, den Standort schrittweise für zukünftige Aktivitäten im Verteidigungsbereich weiterzuentwickeln”, teilt Jean-Pierre Schmitt, Senior Vice President Europe Division, Forvia Clean Mobility, mit. „Die Kompetenz, das Engagement und die langjährige Erfahrung unserer Mitarbeitenden in den Bereichen Fertigungsexzellenz, Qualitätsmanagement und industrielle Hochläufe bilden dabei eine starke Grundlage für die nächste Entwicklungsphase des Standorts.“ Im Zuge der „Ignite“-Strategie hatte Forvia im Frühjahr bereits den Verkauf seiner Business Group Interiors angekündigt.