Mit dem Anspruch, die „Sichtbarkeit des markengebundenen Aftermarkets zu erhöhen", hat der VDIK im Herbst vergangenen Jahres die Veranstaltungsreihe „Road to Automechanika” ins Leben gerufen. Beim Auftaktevent Anfang des Jahres in Berlin standen Fahrzeugdaten und ihre Bedeutung im Aftersales-Geschäft im Mittelpunkt. Am Beispiel Unfallschadenmanagement wurde deren Potenzial nun kürzlich bei dem zweiten Termin der Reihe auf dem Gelände der Messe Frankfurt noch einmal vertiefend behandelt. „Autofahren wird seit Jahren teurer, über 77 Prozent der Kunden sind laut DAT-Report 2026 nicht sicher, ob sie sich individuelle Mobilität in Zukunft noch leisten können”, umriss VDIK-Präsidentin Imelda Labbé in ihrem Eingangsstatement die Ausgangslage. Treiber dieser Entwicklung sind verschiedene Faktoren, darunter die komplexer werdende Fahrzeugtechnik, steigende Ersatzteilpreise sowie höhere Stundenverrechnungssätze. Der Spezialversicherer CarGarantie meldete für die durchschnittlichen Reparaturkosten von Neu- und Gebrauchtwagen im Jahr 2025 kürzlich den neuen Spitzenwert von 764 Euro. „Aktuell lassen deshalb viele Kunden die immer älter werdenden Fahrzeuge im Schadenfall gar nicht mehr reparieren“, beschrieb Imelda Labbé eine Folge dieser Entwicklung.
Warben für eine Präsenz bei der Automechanika: VDIK-Präsidentin Imelda Labbé und Michael Johannes, Vice President Mobility & Logistics bei der Messe Frankfurt. Foto: Daniel Lorenz
Zusammenarbeit für ein „digitales Schadenökosystem“
Als Lösung der Kostenproblematik sind aus Sicht des Verbands „ganzheitliche Lösungsansätze” sowie eine abgestimmte Vorgehensweise aller beteiligten Akteure gefragt. Diesbezügliche Möglichkeiten wurden beim Fachdialog Ende März skizziert, wobei der Fokus auf Modellen zur Zusammenarbeit von Versicherern und Herstellern und ihrem markengebundenen Handel lag. Karsten Crede, geschäftsführender Gesellschafter von Crede und Company warb für „mehr Kooperation zwischen den Branchen“ und brachte in diesem Zuge ein „digitales Schadenökosystem“ ins Spiel. Ein solches würde es ermöglichen, vorhandene Daten besser zu nutzen und Schadenprozesse effizienter zu steuern. Denn, so waren sich die Teilnehmer in der anschließenden Paneldiskussion einig, Geschwindigkeit sei in der Schadensteuerung essenziell und die beste Möglichkeit, Werkstatt- oder Mietwagenkosten einzusparen.
Wie die Datenintegration in die Prozesskette aussehen kann, erläuterten unter anderem Peter Hermges, Leiter Aftersales für die Marken des VW-Konzerns, und Jens Nietzschmann, Sprecher der Geschäftsführung der Deutsche Automobil Treuhand (DAT), in ihren Ausführungen. Darüber hinaus wurde eine mögliche Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Versicherern zur Verfeinerung der bestehenden Typklassen mithilfe von Fahrzeugdaten aufgeworfen. Diese könnte sich laut den Beteiligten lohnen, da sich viele Parameter der Versicherungsprämie bereits aus dem Entwicklungs- und Designprozess der einzelnen Fahrzeugmodelle ergäben.
Austauschplattform Automechanika
Als wichtige Plattform, um weitere Lösungsansätze zu diskutieren und den Dialog auszubauen, haben sämtliche Akteure die Automechanika in Frankfurt im Herbst identifiziert. Spätestens dort dürften sich in einen derartigen Austausch dann auch Verbände wie der ZDK und der ZKF als Vertreter der Werkstätten und Kfz-Servicebetriebe einbringen, die in einem gemeinsamen Statement erst kürzlich den wachsenden Einfluss der Versicherer auf Reparaturen kritisiert haben. Beim häufigen Streitthema Datenzugang sehen die Verbände die Möglichkeiten ihrer Betriebe und damit den freien Wettbewerb durch eine Überarbeitung von Anhang X der europäischen Typgenehmigungsvorschriften – unter anderem durch die Ausweitung von Informationspflichten der Hersteller – zudem gestärkt.
Auf der Automechanika wird der gesamte Themenkosmos auf jeden Fall großen Raum einnehmen, wie Michael Johannes als Brandmanager und Vice President Mobility & Logistics bei der Messe Frankfurt betonte: „Unfallschaden- und Reparaturmanagement gewinnt für Automobilhersteller zunehmend an Bedeutung. Es ist mittlerweile ein strategisches Thema, das über Umsatzpotenziale im Aftermarket, den Zugang zu Fahrzeugdaten, Kundenbindung und letztlich über Wettbewerbsfähigkeit entscheidet. Im Werkstattbereich begrüßen wir in diesem Jahr auch wieder Automobilhersteller auf der Messe, die ihre Konzepte und Services im Aftersales vorstellen.“ Angesichts dieser und weiterer Zusagen sowie verschiedener Nachschärfungen im Messekonzept versprach Johannes mit Blick auf den September die „beste Automechanika aller Zeiten”.