Reifenhersteller streicht 1.500 Stellen

Michelin setzt im Heimatland den Rotstift an

Im Hause Michelin stehen harte Einschnitte bevor.   Foto: Michelin

Dass im Hause Michelin weitere harte Einschnitte bevorstehen, hatten wir in den letzten Wochen im Automotive Insights Podcast ausgiebig thematisiert. Während andere Reifenriesen wie Continental ihre Organisations- und Produktionsstruktur an die Herausforderungen des Marktes frühzeitig anpassten, bewegte sich das Unternehmen aus Clermont-Ferrand noch recht moderat im Streichungsmodus – vor allem im Heimatland. Ja, in Deutschland wurden harte Maßnahmen ergriffen: Ende 2023 verkündete der Reifenhersteller, dass er seine Geschäftstätigkeiten in Karlsruhe und Trier sukzessive einstellen wird. Auch am Standort Homburg stellte der Konzern die Fertigung von Neureifen ein. Ende 2024 folgten dann auch Informationen über die geplanten Schließungen der Produktionsstätten in den französischen Gemeinden Cholet und Vannes. Und nachdem der Umsatz im Geschäftsjahr 2025 einmal mehr rückläufig war, setzt Michelin nun den Rotstift kräftiger an, in Frankreich, wo traditionell heftiger Gegenwind seitens der Arbeitnehmervertretungen zu erwarten ist. 

Wie einer Mitteilung der Michelin-Gruppe zu entnehmen ist, hat der französische Reifenhersteller die Arbeitnehmervertreter und die repräsentativen Gewerkschaftsorganisationen über ein Vorhaben informiert, das auf eine Anpassung des Personalbestands im Kernland Frankreich abzielt. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen 1.500 Stellen gestrichen werden, davon zwei Drittel im Verwaltungsbereich und ein Drittel im industriellen Sektor. Das Programm basiere ausschließlich auf Freiwilligkeit und sehe keine unfreiwilligen Kündigungen vor, heißt es seitens des Managements. Mit dem Personalabbau verfolge man das Ziel, die Leistungsfähigkeit der Michelin-Gruppe nachhaltig zu verbessern. Ein harter internationaler Wettbewerb, verschärfte makroökonomische und geopolitische Spannungen sowie hohe Produktionskosten, insbesondere aufgrund von Arbeits- und Energiekosten, und hohe Steuerbelastungen hätten Michelin zunehmend unter Druck gesetzt. Die verkündeten Maßnahmen sollen unter anderem dazu beitragen, die Kostenstrukturen zu optimieren.

Streit um staatliche Beihilfen

Neben dem, was der Reifenhersteller in seiner Kostenstruktur noch an Justierungen zu tätigen hat, lief es im vergangenen Jahr auch imagetechnisch im Heimatland nicht gut – beispielsweise im Kontext des mittlerweile geschlossenen Reifenwerks in La Roche-sur-Yon. Michelin hatte für das Werk staatliche Beihilfen in Millionenhöhe erhalten, die allerdings zweckgebunden für die Anschaffung von Produktionsanlagen genehmigt wurden. Im Jahr 2020 wurde das Werk aber geschlossen und die Finanzmittel in andere europäische Werke transferiert. Die staatlichen Beihilfen waren ursprünglich dazu gedacht gewesen, Beschäftigung am Standort zu erhalten. Unter öffentlichem und politischem Druck zahlte Michelin Ende 2025 die Summe von 4,3 Millionen Euro zurück, stellte dies aber als freiwilligen Akt dar.

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