ADAC-Sommerreifentest 2026

Michelin und Vredestein fallen negativ auf

Neben dem Fahrverhalten und der Bremsperformance auf trockener und auf nasser Fahrbahn fließen auch Umweltprüfungen – wie Laufleistung und Kraftstoffverbrauch – in das ADAC-Gesamtergebnis ein.   Foto: Kay Lehmkuhl

Die Qualitätsunterschiede über das gesamte Spektrum an Disziplinen im Feld der getesteten Reifen verdeutlichen die Herausforderung in der Entwicklung eines ausgewogenen Sommerreifens. Der ADAC erstellt jährlich mehrfach die Reifentests, die diese Suche nach der richtigen Balance und das Gelingen am deutlichsten abbilden. Besonders die starke Gewichtung der Umweltbilanz und Wirtschaftlichkeit macht den Test so relevant für das Umrüstgeschäft. Am Point of Sale schließlich müssen Preise verargumentiert werden – und diese wurden bekanntlich in den letzten Jahren auch im Reifenbereich durch die Industrie beträchtlich angehoben. 

Continental PremiumContact 7 siegt im ADAC-Sommerreifentest

Die ADAC-Tester identifizieren in der geprüften Dimension 225/50 R17 eine teils krasse Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Der Michelin Primacy 5 beispielsweise erhält auf trockener Fahrbahn nur die Note 3,2. In diesem Preissegment kann auch die Bestnote in der Umweltbilanz nicht mehr kaschieren, dass der Testsieger Continental PremiumContact 7 laut ADAC-Aufstellung qualitativ enteilt ist. Erneut liefert der Automobilclub prognostizierte Laufleistungen der Profile. Der Vredestein Ultrac+ fällt diesbezüglich wenig schmeichelhaft ins Auge. Bereits dessen Vorgängermodell wurde vom ADAC und der AutoBild aufgrund einer verminderten Laufleistung im Vergleich zur Konkurrenz abgeurteilt. Etwas über 30.000 Kilometer prognostizierte Laufleistung beim Ultrac+ bedeuten eine riesige Differenz zu den besten Reifen im Testfeld, die mit über 55.000 Kilometern aufgeführt werden. 

Es geht um Ausgewogenheit: Sommerreifen müssen in vielen Situationen gute Fahreigenschaften aufweisen und in einem guten Preis-Leistungs-Gefüge positioniert sein. Im ADAC-Sommerreifentest 2026 schafft dies im Gegensatz zu Michelin und Vredestein in besonderem Maße Continental. Der PremiumContact 7 fährt mit dem Gesamturteil 1,9 an die Spitze des Klassements. Er hat mit deutlichem Abstand die beste Bewertung in der Fahrsicherheit, wobei er sowohl auf trockener als auch nasser Fahrbahn nur knapp an einer sehr guten Bewertung vorbeischrammt. Dem Conti-Gummi folgen der Pirelli Cinturato C3 (Gesamturteil 2,2) und der Goodyear EfficientGrip Performance 2 (Gesamturteil 2,3). 
 
Das genannte Reifen-Trio distanziert die anderen Profile im Test vor allem aufgrund der Ausgewogenheit. Der viertplatzierte Reifen Firestone Roadhawk 2 weist eigentlich gute Fahrleistungen auf, offenbart aber in der Umweltbilanz (Urteil 3,0) Schwächen. Falken fährt mit dem Ziex ZE320 auf Rang fünf. Für Testsiege kommt die Marke bisher bekanntlich nicht in Frage – hier stimmt aber das Preis-Leistungs-Verhältnis. Im befriedigenden Bewertungsspektrum taucht in der Folge auch der Bridgestone Turanza 6 auf, der im Kriterium Fahrsicherheit keine Augenhöhe mit den besten Sommerreifen im Markt herstellen kann. Der Michelin Primacy 5 fährt wie eingangs erwähnt auf Rang sieben dem Anspruch aus Clermont-Ferrand hinterher. Die Profile Maxxis Premitra HP6, Kumho Ecsta HS52, BF Goodrich Advantage, Hankook Ventus Prime 4, Vredestein Ultrac+ und Greentrac Quest-X verkörpern das graue Mittelmaß im aktuellen ADAC-Sommerreifentest.

Große Unterschiede identifiziert der ADAC erneut bei den Laufleistungskapazitäten der Sommerreifen. Foto: ADAC

Sehr kritisch fällt das ADAC-Urteil zu den drei Schlusslichtern des Reifentests aus. Dies sind die Modelle Lassa Revolva (Gesamturteil 3,6), Leao Nova-Force Acro (Gesamturteil 3,8) und Linglong Sport Master (Gesamturteil 4,2). „Sie sind in den Fahrleistungen nicht zufriedenstellend und mit Ausnahme des Lassa auch in der Umweltbilanz nur ausreichend. Der Linglong ist dabei ein gutes Beispiel für eine unausgewogene Reifenentwicklung: Er erreicht auf nasser Fahrbahn zwar die beste Einzelwertung im Testfeld (Urteil 1,5), hat auf trockener Fahrbahn aber merkliche Probleme (Urteil 3,8). Schlussendlich enttäuscht der in Serbien produzierte Reifen mit der prognostizierten Laufleistung von nur gut 26.000 Kilometern”, heißt es in einer ADAC-Mitteilung. Zum Vergleich führt die Testabteilung an: „Käufer des Drittplatzierten Goodyear dürfen mit einer mehr als doppelt so großen Laufleistung (57.800 Kilometer) rechnen.”  

Der ADAC schafft mit seinen Reifentests Vorlagen für die Kaufentscheidung. Aus Sicht des ADAC sollte ein Reifen möglichst ausgewogene Leistungen über alle Kriterien zeigen. Grundsätzlich ist dies eine stimmige Empfehlung, die aber von Fall zu Fall auch noch differenzierter ausfallen kann. Besonders aus Sicht des Fachhandels, denn dieser kennt auch die Fahrpräferenzen und Anwendungsgebiete seiner Kundschaft. Das Thema Restperformance eines Reifens in an- oder abgefahrenen Zuständen ist ja durch die Prüfinstanzen bisher noch fast überhaupt nicht behandelt worden. Auch hier ergibt sich noch einmal eine tiefere Perspektive auf die Qualität eines Profils. Der ADAC betont, dass das EU-Reifenlabel allein kein Maßstab für die Auswahl eines Reifens ist. Selbst Reifen mit einem B- oder C-Nasslabel könnten im Test mangelhafte Leistungen zeigen. Wichtig könne ein Blick auf die DOT-Nummer auf der Reifenflanke sein, die das Produktionsdatum kennzeichnet. Die Reifenindustrie entwickelt ihre Modelle weiter und lässt teilweise jede Saison kleinere Verbesserungen einfließen, die dann mit etwas Delay im Markt ankommen. Ein „jüngerer Reifen” profitiert von diesen Optimierungen, so der ADAC.

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