Weniger als zwölf Monate sind vom Spatenstich in der Renault-Nissan-Straße 6-10 am 24. Juni 2025 bis zur Einweihung am 17. Juni 2026 vergangen – auf diesen Fakt wiesen alle Redner bei den offiziellen Feierlichkeiten vor Ort nahezu unisono hin. Während Patrick Frank, Country Director Germany bei Marq Logistics, und der Brühler Bürgermeister Marc Prokop dies mit Dankesbekundungen an die diversen Beteiligten verbanden, schlug Renault-Deutschland-Chef Florian Kraft in seinen Ausführungen den Bogen zu den aktuellen Debatten um den Standort Deutschland. Kraft warb für eine Abkehr von allzu negativen Erzählungen und bekräftigte mit Blick auf das Projekt: „Es geht einiges in Deutschland!”. Auch Wachstum lasse sich auf dem deutschen Markt erzielen, betonte der Manager mit Verweis auf die hiesige Entwicklung der eigenen Konzernmarken Renault, Dacia und Alpine.
Für das Unternehmen selbst ist das neue Ersatzteillager laut Kraft nicht weniger als „ein Meilenstein im Hinblick auf Wachstum, Qualität und Leistungsfähigkeit”. Dafür hat der Konzern nach Aussage der Verantwortlichen eine Investition im „signifikanten Millionenbereich” getätigt und einen langfristigen Mietvertrag mit dem Projekt- und Immobilienentwickler Marq Logistics unterzeichnet. An diesen hatte Renault das insgesamt rund 128.000 Quadratmeter große Areal nach dem Umzug der Deutschlandzentrale nach Köln im Jahr 2023 veräußert. Mit Blick auf die eigene Historie am Standort – Renault ist seit 1959 in Brühl vertreten – sprach Florian Kraft dann auch von einem „geschichtsträchtigen Ort, an dem nun ein neues Kapitel geschrieben” werde.
Exotec ermöglicht „Goods-to-Person”-Ansatz
In dem neuen, rund 24.000 Quadratmeter fassenden Lager setzt der französische Automobilhersteller auf umfassende Automatisierung und Robotik. Die Lösungen des Kooperationspartners Exotec – mit dem der Konzern am Standort Villeroy bereits gute Erfahrungen gemacht hat – ermöglichen nach Aussage der Verantwortlichen umfassende Effizienzgewinne. Profitieren sollen davon insbesondere die rund 740 Renault-Handelspartner in Deutschland, indem Bearbeitungs- und Lieferzeiten verkürzt und Bestellfristen verlängert werden. Realisiert wird das unter anderem durch 89 autonom fahrende Skypods von Exotec, die einen „Goods-to-Person”-Prozess – bei dem die Teile zum Mitarbeitenden kommen – ermöglichen.
Laut Oliver Schieritz, Direktor Kundenservice und Aftersales der Renault Deutschland AG, gehe es bei den Maßnahmen hin zu mehr Automatisierung jedoch nicht „um Technologie um ihrer selbst willen”. Vielmehr würden die rund 140 Mitarbeitenden in Brühl durch deutlich reduzierte Laufwege entlastet, während zugleich das maximale Paketgewicht auf 15 Kilogramm begrenzt werde. Auch François Delion, Vice President Global Aftersales & Network Services der Renault Group, unterstrich die wichtige Rolle der lokalen Belegschaft und bemühte angesichts der kürzlich gestarteten Weltmeisterschaft einen sportlichen Vergleich: „Logistik ist wie Fußball, ohne eine gute Mannschaft geht nichts.”
Strategische Initiativen und Ziele
Wie der Konzern mitteilt, soll der neue Komplex das örtliche „in die Jahre gekommene Lager aus den 1960er-Jahren” ersetzen. Während der aktuell laufenden Tests und des für den 7. Juli geplanten schrittweisen Systemstarts im neuen Logistikzentrum wird die dortige Ware abverkauft, ehe die alten Räumlichkeiten bis spätestens Ende Oktober abgerissen werden. Die ersten Teile aus dem neuen Lager sollen Renault-Kunden dann ab August erhalten. Neben dem automatisierten Hochregallager wird es in den angrenzenden Hallenbereichen auch Stellplätze für Paletten und damit auch für größere Teile wie Scheiben oder Türen geben.
Mit den genannten Initiativen will Renault gezielt das After-Sales-Segment stärken, sodass daraus „zunehmend ein strategischer Wettbewerbsvorteil” erwächst. Einzahlen soll dies wiederum auf die Ziele des mittelfristigen Management-Plans bis zum Jahr 2030. Basierend auf komplementären Initiativen in den vier Bereichen Growth, Technology, Excellence und Trust will der Konzern unter anderem ein jährliches Ergebnis von mehr als 1,5 Milliarden Euro bei einer operativen Marge zwischen 5 und 7 Prozent erreichen. Dafür sollen in den nächsten vier Jahren weltweit 36 neue Modelle der Marken Renault, Dacia und Alpine auf den Markt kommen. „Mehr Elektrofahrzeuge, mehr Hybride, mehr globale Präsenz”, wird dabei als Devise formuliert. „Mit dem neuen Logistikzentrum in Brühl stärken wir gezielt unser Geschäft in Deutschland und unsere partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Händlernetz. Durch den Einsatz von Automatisierung und Robotik steigern wir Geschwindigkeit, Qualität und Effizienz. Gerade im Aftersales schaffen wir damit die Basis für Kundenzufriedenheit und unterstützen den Erfolg unserer Marken sowie unsere ambitionierten Wachstumsziele“, fasst Florian Kraft zusammen.