Automechanika 2026 schließt mit 112.000 Besuchern

Perspektiven für einen Aftermarket im Wandel

Automechanika Frankfurt Die Automechanika verzeichnete mehr als 112.000 Fachbesucherinnen und Fachbesuchern aus 173 Ländern.   Foto: Daniel Lorenz 

Dass es auf dem Frankfurter Messegelände zur Automechanika 2026 erneut voll werden würde, hatte sich im Vorfeld bereits abgezeichnet. Mit über 4.400 Ausstellern meldeten die Verantwortlichen bereits Mitte des Jahres: Ausgebucht! In ihrer Abschlussmitteilung kommuniziert die Messe Frankfurt nun zudem die Zahl von mehr als 112.000 Fachbesucherinnen und Fachbesuchern aus 173 Ländern, womit auch in dieser Hinsicht die 2024er-Ausgabe übertroffen wird. „Nach fünf intensiven Messetagen und einer äußerst positiven Grundstimmung verzeichnen wir einen spürbaren Zuwachs an Ausstellern und Besuchern. Damit unterstreicht die internationale B2B-Leitmesse ihre Relevanz für die gesamte Wertschöpfungskette des Automotive Aftermarkets”, bilanziert Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt GmbH. Auch der erneut große internationale Zuspruch – 70 Prozent der Gäste kamen aus dem Ausland – stimmt die Verantwortlichen positiv. 

Geboten wurde den Besucherinnen und Besuchern in Frankfurt ein breites Spektrum an praxisnahen Lösungen und Services für unterschiedliche Anwendungsfälle. KI, softwaredefinierte und vernetzte Fahrzeuge, Fahrerassistenzsysteme sowie alternative Antriebe spielten dabei ebenso wie Nachhaltigkeit und ein möglichst ganzheitlicher Blick auf den Fahrzeuglebenszyklus eine zentrale Rolle. Zugleich bemühten sich viele Akteure um die Beantwortung der Frage, was diese Entwicklungen angesichts eines alternden Fahrzeugbestands und des nach wie vor spürbaren Personalmangels in vielen Werkstätten für Reparatur und Service bedeuten. Die durchaus diverse Palette von Antriebsarten, die im Aftermarket noch auf Jahre hinaus nebeneinander existieren, erhöht das bereits heute hohe Komplexitätslevel weiter. Große Player wie etwa Schaeffler sehen darin einen Auftrag und zugleich eine Chance für sich. „Der Markt wird komplexer. Wir wollen unser Geschäft auf dieser Komplexität auf- und ausbauen und es für unsere Kunden einfach machen”, erläuterte Jens Schüler, Vorstand der Aftermarket-Sparte Vehicle Lifetime Solutions, im Rahmen der Automechanika-PK des Konzerns. Dafür bündelt der Zulieferer etwa seine Aftermarket-Marken FAG, INA und LuK ab dem kommenden Jahr schrittweise unter der Dachmarke Schaeffler. Hinzu kommt ein kombiniertes Portfolio, das die fünf Systembereiche Getriebe, Motor, Fahrwerk und Karosserie, Thermomanagement sowie E-Mobilität umfasst. „Indem wir unser Geschäft unter einer starken Marke, mit einem integrierten Portfolio und einem durchgängigen Serviceerlebnis zusammenführen, machen wir Reparatur und Wartung einfacher, schneller und zuverlässiger”, brachte Jens Schüler den Schaeffler-Anspruch auf den Punkt. Eine besondere Herausforderung bleibe dabei der Datenzugang. 

Schaeffler, Jens Schüler, Automechanika
Jens Schüler, Vorstand der Aftermarket-Sparte Vehicle Lifetime Solutions, erläuterte auf der Automechanika die Neuerungen bei Schaeffler. Foto: Kevin Schmidt

In eine ähnliche Richtung gingen auch die strategischen Ausführungen beim Konkurrenten ZF, der sich in Frankfurt nur unweit des Schaeffler-Messestands präsentierte. Der Konzern will die ZF-Zugehörigkeit seiner Marken Lemförder, Sachs, TRW und Wabco deutlicher hervorheben und stellt dafür deren Verpackungsdesign um. Darüber hinaus informierte das ZF-Messeteam über zentrale Neuerungen des E-Mobility-Repair-Kit-Programms: Neue Reparatursätze umfassen etwa Elektromotoren (EM), Mechatronik (ME), Inverter (IV) und Reduziergetriebe (RD). „E-Mobilität ist längst Realität”, betonte Philippe Colpron als Leiter von ZF Aftermarket und verwies auf einen zunehmend vielfältigen europäischen EV-Fahrzeugbestand. Mit Blick auf die wachsende Zahl chinesischer Fabrikate im Markt soll das ZF-Katalogangebot für chinesische Fahrzeugmarken bis zum ersten Quartal 2027 rund 200 Referenzen umfassen. Durch weitere Updates will ZF Aftermarket bis Ende 2027 rund 30 Prozent des Werkstattbedarfs derartiger Fahrzeuge abdecken.

ZF Automechanika Frankfurt
Die ZF-Zugehörigkeit der Marken Lemförder, Sachs, Wabco und TRW soll im Aftermarket künftig sichtbarer werden. Foto: Kevin Schmidt

Bosch wiederum verkündete auf der Automechanika eine Kooperation mit PreZero. Ziel der Zusammenarbeit ist eine möglichst nachhaltige Altfahrzeugverwertung, indem wertvolle Komponenten und Rohstoffe möglichst lange im europäischen Wirtschaftskreislauf gehalten werden. Carsten Kopp, Mitglied des Bereichsvorstands Bosch Mobility Aftermarket mit Zuständigkeit für Entwicklung und Produktbereiche, sprach mit Blick auf die Partnerschaft von „großen Chancen für beide Seiten”. Bosch sichere sich insbesondere einen erweiterten Zugriff auf Gebrauchtteile, die unter anderem mit Programmen wie Bosch eXchange als wiederaufbereitete Komponenten in Erstausrüstungsqualität zurück in den Markt gebracht werden. Den genauen Umfang des Projekts ließen die Verantwortlichen offen und sprachen lediglich von „deutlich größeren Dimensionen als bisher bekannt”. Mit der Partnerschaft, die zunächst in Deutschland starten wird, will Bosch laut Carsten Kopp den Grundstein legen, dass „Nachhaltigkeit gezielt zum Bestandteil von Werkstattkonzepten” wird. Bereits heute ein zentraler Baustein der Werkstattkonzepte des Unternehmens ist die Diagnosesoftware ESI[tronic]. Für die um KI-Funktionen erweiterte Version des Tools – den sogenannten ESI[tronic] AI Assistant – erhielt Bosch einen Automechanika Innovation Award in der Kategorie „AI Solutions & Digitalisation”. 

Bosch Automechanika, Rupert Hoellbacher (m.) und Carsten Kopp (r.).
Gaben Einblicke in die Bosch-Strategie: Rupert Hoellbacher (m.) und Carsten Kopp (r.). Foto: Daniel Lorenz

Bereits im Vorfeld der Messe ausführlich über seine Neuigkeiten informiert hatte Mahle im Rahmen seines Media Tech Days in Stuttgart. Insgesamt reiste der Zulieferer eigenen Angaben zufolge mit gleich fünf Weltpremieren nach Frankfurt: Herzstück ist das neue Mahle-Werkstattportal, das technische Informationen, Expertenwissen, KI-gestützte Funktionalitäten und digitale Services auf einer Plattform kombinieren soll. Ergänzt wird dieses um das gleichfalls in Frankfurt präsentierte Konzept „Mahle Klimaexperte“, das wiederum wesentlich auf der neuen Generation ArcticPro-Klimaservicegeräte – mit den vier Modellvarianten ArcticPro Tech, Advanced, Expert und Ultimate – basiert. „Thermomanagement ist eines der zentralen Technologiefelder von Mahle. Mit der neuen ArcticPro-Generation machen wir dieses Know-how für Werkstätten im Klimaservice unmittelbar nutzbar. Unser Ziel ist es, Werkstätten zu helfen, den technologischen Wandel im Fahrzeugbestand erfolgreich zu bewältigen und gleichzeitig für sich neue Wachstumsmöglichkeiten im Servicegeschäft zu erschließen“, so Philipp Grosse Kleimann, Mitglied der Mahle-Konzernleitung und Leiter des Geschäftsbereichs Lifecycle and Mobility. Der Innenraumfilter CareMetix Natural mit Schafwolle sowie das Konzept „Mobile Service” rundeten das Neuheiten-Paket ab. 

Mahle, Philipp Grosse Kleimann, Automechanika
Viele Zuhörerinnen und Zuhörer hatte bei seinen Ausführungen auch Philipp Grosse Kleimann, der Leiter des Mahle-Geschäftsbereichs Lifecycle and Mobility. Foto: Kevin Schmidt

In einem kompakten Media Roundtable skizzierten ferner die Verantwortlichen von Aumovio, wie die Bearbeitung des Aftermarkets als inzwischen unabhängiges Unternehmen künftig gestaltet werden soll. Servicebetriebe will Aumovio zwar auch produktseitig mit neuen Lösungen unterstützen, hat allerdings vor allem im Bereich Personal großen Bedarf identifiziert. „Der Fachkräftemangel ist für Werkstätten herausfordernder als die Elektrifizierung", zeigte sich Jens Kowald, Head of Sales Service Aumovio Aftermarket, überzeugt. Entsprechend will sich das Unternehmen dieser Thematik in seinem ATE-Servicenetzwerk verstärkt widmen. Dafür hat Aumovio erstmals seinen „Smart Award” vergeben, der unter anderem kreative Ideen rund um Recruiting und Personal würdigen soll. Zugleich machten die Verantwortlichen deutlich, dass sie Aumovio insbesondere aufgrund der Bremsenkompetenz von ATE für künftige Anforderungen des Aftermarkets gut aufgestellt sehen. Aus einzelnen Komponenten wird zunehmend ein komplexes Bremssystem, sodass Bremsenwechsel perspektivisch zwar seltener, dafür aber aufwendiger werden. Diesen Servicebedarf will Aumovio auch durch einen Ausbau des Schulungsprogramms sowie der eigenen Technik-Hotline bedienen und so das Vertrauen in die eigenen Marken stärken. „ATE und VDO stehen für zwei unterschiedliche Welten im Aftermarket – Bremstechnologie auf der einen, Elektronik und Sensorik auf der anderen Seite. Dass wir beide Marken jetzt gemeinsam auf der Automechanika zeigen können, macht deutlich, welche Bandbreite an Lösungen Aumovio dem freien Ersatzteilmarkt bietet“, unterstrich Enno Straten, Geschäftsführer Aumovio Aftermarket. Dass eine solche Vielfalt an Lösungen – wie sie alle der genannten Akteure anbieten – für einen sich wandelnden Automotive Aftermarket notwendig, hat die Automechanika 2026 erneut unter Beweis gestellt. Wir berichten im Laufe dieser Woche in weiteren Formaten.

Aumovio ATE, Automechanika Frankfurt
Mahle-CEO Arnd Franz, Automechanika Frankfurt
Bosch Automechanika Frankfurt
Schaeffler, Automechanika Frankfurt

Ähnliche Artikel

Messe Frankfurt
16.09.2024, 13:31 8 Min.
Automechanika spiegelt Transformationsprozess des Aftermarkets
Leichter Aufwärtstrend bei Besucherzahlen
Automechanika Frankfurt
15.09.2026, 15:23 6 Min.
Neue Konzepte und Lösungen für den Werkstatt-Alltag 
Highlights der Automechanika 2026
Mahle Arnd Franz
22.07.2026, 12:11 4 Min.
Technologievielfalt und Konzepte für die Werkstatt der Zukunft 
Eindrücke vom Mahle Media Tech Day 2026
Automechanika Frankfurt
17.02.2026, 15:28 3 Min.
Fahrzeugdaten und Nachwuchsförderung als zentrale Automechanika-Themen 
Branchenevent wird um neue Formate ergänzt