Vergleicht man die absoluten Zahlen, erwirtschaftete Pirelli im Jahr 2025 mit rund 6,78 Milliarden Euro einen Umsatz nahezu exakt auf Vorjahresniveau (6,77 Milliarden Euro). Der Konzern lag damit am oberen Ende der Jahresprognose von 6,7 bis 6,8 Milliarden Euro und erzielte dabei laut Geschäftsbericht gar ein organisches Wachstum von 4,2 Prozent. Dieses wurde jedoch durch negative Währungseffekte (-3,8 Prozent) sowie die Veräußerung der schwedischen Servicekette Däckia an die CTS Group respektive Citira (-0,4 Prozent) aufgewogen. Das bereinigte EBIT verbesserte sich hingegen leicht auf rund 1,08 Milliarden Euro (+2 Prozent) und auch die zugehörige Marge fiel mit 16 Prozent minimal besser aus (2024: 15,7 Prozent).
In ähnliche finanzielle Regionen will das Pirelli-Management auch 2026 vorstoßen. Die bereits Ende Februar vorgelegten Ziele – ein Jahresumsatz zwischen 6,7 und 6,9 Milliarden Euro sowie eine verbesserte EBIT-Marge im Bereich von 16 Prozent – wurden nun seitens des Verwaltungsrats bestätigt. Die in diesem Zuge ebenfalls erfolgte Annahme des Geschäftsberichts für 2025 geschah wie bereits im Vorjahr nicht einstimmig: Bei neun Ja-Stimmen und der Enthaltung von Fan Xiaohua und Tang Grace votierten Chen Aihua, Zhang Haitao und Chen Qian mit Nein. Die Oppositionshaltung des Trios erklärt Pirelli in einer Mitteilung mit den anhaltenden Streitigkeiten um den chinesischen Großaktionär Sinochem. Dessen Einflussmöglichkeiten will die italienische Regierung unter Anwendung der Golden-Power-Regelungen massiv beschneiden. Auf ein entsprechendes Dekret vom vergangenen Wochenende reagierten die Sinochem-Vertreter bereits mit deutlicher Kritik.
Naher Osten als Region weiterhin im Fokus
Jenseits der seit Längerem schwelenden Differenzen im Verwaltungsrat war Pirelli im abgelaufenen Geschäftsjahr stabil unterwegs. Der Reifenhersteller konnte seinen Nettogewinn um 5,9 Prozent auf 530,7 Millionen Euro steigern. Zudem verbesserte sich der Netto-Cashflow vor Dividenden auf rund 1,074 Milliarden Euro, während zugleich die Verschuldung auf knapp 1,1 Milliarden Euro zurückging. Auch in dieser Hinsicht will sich Pirelli 2026 weiter verbessern, muss das jedoch von den schwer einzuschätzenden Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten abhängig machen. Das Engagement der Italiener in der Region ist allerdings aktuell ohnehin begrenzt und trägt nur etwa ein Prozent zum gesamten Konzernumsatz bei. Nichtsdestotrotz wurde ein Plan zur Risikominderung aktiviert, der unter anderem Preiserhöhungen, eine Überprüfung der Logistikabläufe und die vorübergehende Aufstockung der Bestände an kritischen Rohstoffen sowie ein „sorgfältiges Management des Betriebskapitals” umfasst. Ungeachtet dessen schreiten offenbar die Pläne für ein Reifenwerk in Saudi-Arabien voran, das Pirelli gemeinsam mit dem staatlichen Public Investment Fund (PIF) als Joint Venture betreiben will. Verschiedene Medien berichteten kürzlich über die bevorstehende Grundsteinlegung, wobei sich der Produktionsstart auf die zweite Hälfte 2027 verschiebt.