Die digitalen Player sind die entscheidenden Impulsgeber für das Aftermarket-Geschäft der Zukunft. Unabhängige Plattformen diktieren die Entwicklung, weil sie die kundenfokussierte Adressierung zumeist vorzüglich beherrschen. Der Zugang und die stärkere Vernetzung von Daten, die Automatisierung von Prozessen und eine gedankliche Schnelligkeit bilden das Grundgerüst für ein erfolgreiches Agieren im Aftermarket. Die Grenzen zwischen B2B und B2C verwischen dabei immer mehr – besonders, wenn es um den Faktor Komfort geht. Michael Saitow brachte es kürzlich im Rahmen des Kölner Aftersales Forum auf den Punkt: “Wer heute ‘Tresen-First’ denkt, plant den Rückzug statt Angriff”. Ja, die Zukunft im Aftermarket entscheidet sich im Digitalen.
Blickt man auf die Zahlen und Entwicklungstendenzen im Onlinehandel, so ist zu konstatieren: Die Bereitschaft, am digitalen Geschäft zu partizipieren, steigt beständig. Einkaufs- und Vermarktungsprozesse können effizienter ausgerichtet werden – Plattformen sind keine Feinde des Geschäfts, sie sind Straffer und Kundenzuführungsinstrumente. Die Online-Anbieter selbst diversifizieren sich in starker Tendenz, wodurch sich die Preistransparenz im Servicemarkt weiter erhöht. Dies wird im B2C- wie auch im B2B-Segment dankend angenommen: Die von den Analysten der Wolk Nikolic BBE aufgelistete Umsatzentwicklung ausgewählter B2C-Ersatzteil-Webshops belegt die gestiegene Akzeptanz zum Onlinekauf auch im Kfz-Bereich: Von 1,27 Milliarden Euro 2019 stiegen die Umsätze hierzulande auf 3,96 Milliarden Euro im Jahr 2024. Zweistellige Wachstumsraten sind in Deutschland und Europa seit 2020 laut Marktkenner Eckhard Brandenburg an der Tagesordnung. Er erkennt aber auch, dass das organische Wachstum durch die allgemeine Verbreitung von DIY in den Märkten begrenzt wird. Einige europaweit tätige B2C-Akteure seien überdurchschnittlich gewachsen. Sie überträfen die DIY-Marktanteile deutlich aufgrund ihrer internationalen Expansionsstrategie. Wachstum werde vor allem durch die Entwicklung von B2B-Lösungen und einer Internationalisierung generiert.
Mehr als ein Viertel der Pkw-Halter haben Ersatzteile bereits online gekauft und im DIY-Modus verwendet. Besonders bei jüngeren Menschen ist die Bereitschaft ausgeprägter. Je komplexer die Teile aber sind, desto mehr sinkt der Wille zum Onlinekauf. Die Digitalisierung des Kundenverhaltens ist aber einer der wesentlichen Treiber für Veränderungen im Aftermarket. Alle Marktteilnehmer, von der Industrie über den Handel bis zur Werkstatt, erleben die digitale Transformation auf allen Ebenen und gestalten sie im besten Fall mit.