Ein Absatzplus von rund sieben Prozent im Bereich Alufelgen bilanzierte das Räder-Sell-In-Panel des BRV-Arbeitskreises Felgenhersteller für das Jahr 2024. Auch wenn eine vergleichbare Zahl für das Jahr 2025 noch nicht vorliegt, hat sich an der Verbandseinschätzung von vor rund einem Jahr wenig geändert. „Zwar liegt das Marktniveau weiterhin unter den Vor-Corona-Zeiten, doch viele Unternehmen blicken wieder vorsichtig optimistisch in die Zukunft”, konstatierte der BRV mit Blick auf die damaligen Ergebnisse des Räder-Sell-In-Panels im Mitgliedermagazin Trends & Facts (2/2025) und sprach zudem von einem „klaren Zeichen für Stabilität und Erholung im Aftermarket-Geschäft”. Genau das bestätigt auch Antonio Curioso, Geschäftsführer der Borbet Vertriebs GmbH, gegenüber Automotive Insights: „Wir sehen im aktuellen Marktumfeld klare Ansatzpunkte für eine positive Geschäftsentwicklung.” Für Borbet ergäben sich insbesondere im Exportgeschäft „zusätzliche Potenziale außerhalb des stark umkämpften Inlandsmarktes”. Curioso hält fest: „Trotz konjunktureller Unsicherheiten bleibt die Nachfrage im Aftermarket nach qualitativ anspruchsvollen und designstarken Leichtmetallrädern auf konstantem Niveau."
Dass sich im hiesigen Aftermarket ein gewisses Maß an Stabilität erwarten lässt, hat auch damit zu tun, dass die Treiber der positiven Geschäftsentwicklung weiterhin Wirkung entfalten dürften: Die laut Räder-Sell-in-Panel im Jahr 2024 „besonders gefragten” größeren Raddimensionen ab 18 Zoll aufwärts werden auch in der jüngsten Abfrage für das Jahr 2025 als Geschäftssegmente mit positiven Perspektiven genannt. „Der Trend zu größeren Raddurchmessern hält an, und auch die Ausstattung mit Mischbereifung – also unterschiedlichen Dimensionen an Vorder- und Hinterachse – nimmt zu”, berichtet auch Oliver J. Schneider, Geschäftsführer Sales & Marketing, Alcar Deutschland. Zudem sehen die 14 Teilnehmer des aktuellen Räder-Sell-in-Panels auch bei ECE-Rädern weitere Potenziale. Mit Blick auf die jüngste Erweiterung des Räderporfolios des Marke Platin bestätigte Torsten Linder, Verkaufsleiter Autohaus & Leiter Komplettradvermarktung, im Rahmen der Reifen1+-Partnertagung: „Wir sehen weiterhin einen klaren Trend zu ECE-Rädern.”
Den erkennt auch Antonio Curioso, der jedoch auf eine nicht unwichtige Folge dieser Entwicklung verweist: „Die Bedeutung von ECE-Freigaben nimmt weiter zu, wodurch das Geschäft insgesamt komplexer wird. Die Variantenvielfalt steigt ebenso wie der Bedarf an zusätzlichen Lagerartikeln, um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden.” Hoffnung macht den Räderherstellern ferner die für dieses Jahr erwartete Markterholung bei Pkw-Neuzulassungen, die „in drei bis vier Jahren zu einem vorübergehenden Nachholeffekt" führen könnte. Zwar verlief der Jahresstart in dieser Hinsicht wenig verheißungsvoll, zumindest bei E-Autos zeigt sich jedoch weiterhin eine große Marktdynamik, sodass Räder für diese Fahrzeuggattung zunehmend gefragt sein dürften.
Marktanteile verschieben sich zu „Budget”-Rädern
Insgesamt rechnen die Unternehmen jedoch überwiegend mit stagnierenden Geschäftsverläufen. Jeweils eine Mehrheit der antwortenden Akteure äußerte sich im aktuellen Räder-Sell-in-Panel entsprechend für das Segment Aluräder, aber auch mit Blick auf polierte und lackierte Räder. Die durchschnittliche Bewertung verschlechterte sich im Vergleich zum Vorjahr jedoch jeweils minimal. Ein gespaltenes Meinungsbild ergibt sich derweil erneut bei Stahlrädern. Nachdem die Tendenz im Vorjahr noch mit acht zu fünf Antworten hinsichtlich einer rückläufigen Entwicklung ausgefallen war, prognostiziert in der aktuellen Auswertung eine knappe Mehrheit (7:6) einen zumindest stagnierenden Markt.
Klares Wachstumspotenzial attestieren die befragten Felgenhersteller hingegen mehrheitlich dem Segment „Budget”-Räder und bestätigen damit das Vorjahresergebnis. Aufgrund einer zunehmenden Preissensibilität werden jedoch entsprechende Rückgänge bei „mittelpreisigen” und „Premium”-Rädern erwartet. Oliver Schneider spricht in diesem Zuge von einer „spürbaren Kaufzurückhaltung”, die „zu einer rückläufigen Nachfrage bei Stahl- und Leichtmetallrädern führt”. Insbesondere bei „Premium”-Rädern gehen jedoch die Einschätzungen im Räder-Sell-in-Panel des BRV am weitesten auseinander und decken das Spektrum von stark rückläufig (2 Nennungen) über rückläufig (5 Nennungen) und stagnierend (4 Nennungen) bis hin zu wachsend (3 Nennungen) ab. Eher negative Perspektiven sehen die Unternehmen auch für Räder mit Umbauauflagen sowie spezielle Tuning-Räder.
„Der europäische Markt ist in vielen Bereichen gesättigt. Gleichzeitig beobachten wir eine eindeutige Entwicklung weg von rein national agierenden Anbietern hin zu international aufgestellten Playern. Der Wettbewerb intensiviert sich entsprechend”, führt Antonio Curioso aus Sicht von Borbet aus und ergänzt: „Der Trend zu Ganzjahresreifen und Kompletträdern gewinnt weiter an Bedeutung. Dadurch verändern sich Absatzmuster und Saisonverläufe, was eine noch engere Steuerung von Planung, Vermarktung und Sortiment erforderlich macht."
Leistung, Design und Nachhaltigkeit als zentrale Kriterien
Ein positives Bild des mittelfristigen Felgenmarkts zeichnet derweil eine Studie der Experten von Research Nester. Diese erwartet bis 2032 eine Steigerung des weltweiten Marktvolumens von geschätzten 40,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 65,6 Milliarden US-Dollar. Für 2026 liegt das prognostizierte Volumen bei 42,6 Milliarden US-Dollar. Als Treiber hierfür führen die Verantwortlichen unter anderem eine weltweite Zunahme der Fahrzeugproduktion an, weshalb der Löwenanteil der Zunahme auf den OE-Bereich entfallen wird. Besonders nachhaltige Felgen – etwas aus Sekundärmaterialien –, die einen Beitrag zu Vorgaben und Vorhaben wie dem European Green Deal leisten, werden ebenfalls als verstärkender Faktor genannt. In dieser Hinsicht ist jedoch noch einiges an Forschungs- und Entwicklungsarbeit nötig. Entsprechende Ansätze stehen unter anderem im Projekt SUPA-Wheel – Sustainable Production of Aluminum Wheels – im Fokus. Daran beteiligt sind neben der FH Dortmund und dem Fraunhofer-Institut für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV die Industriepartner Borbet, Trimet Aluminium SE und Jordan Spritzgusstechnik.
Ungeachtet der dargelegten Potenziale sieht die Studie von Research Nester jedoch auch mögliche Hemmnisse für die prognostizierte Marktentwicklung. Die Experten verweisen in diesem Zuge auf mögliche Handelsbeschränkungen für Rohstoffe wie Magnesium oder Aluminium sowie weitere Zölle auf Automobile und Automobilprodukte. Unter dem Strich deuten sich im Felgenmarkt weitere Veränderungen an. Unbedingt gefragt seien laut Research Nester „Innovationen in Leistung, Design und Nachhaltigkeit” – bestenfalls in allen drei Bereichen zugleich. Letzteres hat man auch bei Borbet erkannt, wie Antonio Curioso abschließend konstatiert: „Technologische Weiterentwicklungen in Bezug auf Gewichtsoptimierung, Effizienz und nachhaltigere Produktionsprozesse spielen eine zentrale Rolle, um unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig weiter zu stärken.”